Ausbildung für den Schuleinsatz: Lasst die Lehrer vernünftig lernen

Von Eva Keller

Wie sollen künftige Lehrer studieren? Und wo? Wie lässt sich dem Föderalismus-Chaos bei der Ausbildung beikommen? Das Hochschulmagazin "duz" analysiert, warum die Lehrerausbildung zur Dauerbaustelle wurde - und was sich ändern muss.

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Schüler und Lehrer (Archiv): Welche Lehrer braucht das Land?

Die Erwartungen waren hoch an die sogenannte Qualitätsoffensive Lehrerbildung und ehrgeizig das Ziel: Mit rund einer halben Milliarde Euro zusätzlich wollte Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan die Lehrerbildung an den Hochschulen bis zum Jahr 2023 auf die Höhe der Zeit gebracht wissen. Das Lehramtsstudium sollte auf breiter Basis um Praxisanteile ergänzt, Fachdidaktiker sollten stärker mit den Fach- und Bildungswissenschaftlern zusammengebracht, Curricula überarbeitet werden. Nicht zuletzt sollte der Lehrerausbildung an Hochschulen endlich die Wertschätzung zuteil werden, die ihr bislang versagt bleibt. Seit Jahren führt sie ein Schattendasein in den Unis.

Genau das wird nun länger als gehofft so bleiben. Mitte November konnten sich Bund und Länder während der Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) jedenfalls nicht zum Beschluss der Qualitätsoffensive durchringen. Die Verhandlungen scheiterten, weil Schavan zur Bedingung machte, dass die Länder die Mobilitätshürden für Lehrer abbauen. Das heißt: eine gegenseitige und unkomplizierte Anerkennung von Abschlüssen. Darüber nun wollen die Kultusminister in Ruhe beraten.

Einen Staatsvertrag lehnten sie bereits ab. Stattdessen soll nun eine Richtlinie erarbeitet werden, die die Länder im März 2013 vorlegen möchten. Sie soll Landesbehörden ermöglichen, ihre Entscheidungen einheitlich und im Sinne uneingeschränkter bundesweiter Mobilität zu treffen - zum Beispiel beim Wechsel eines Master-Absolventen in ein Land, in dem das Lehramtsstudium mit dem Staatsexamen abschließt. Genügt diese Richtlinie Schavans Ansprüchen, könnte die Qualitätsoffensive im April 2012 beschlossen werden.

Warum es nicht mehr reicht, Kindern nur Wissen einzutrichtern

Die Hochschulen warten längst darauf. Denn wie so viele Bildungsthemen steckt auch die Modernisierung der Lehrerausbildung fest in den Zangen des Föderalismus. Sie ist zwar Sache der Länder, doch fehlt ihnen das Geld für die dringend nötige Verbesserung des Studiums. Auch die Einstellung zusätzlicher Lehrer an Schulen scheitert an der Finanznot der Länder.

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Lehramtsstudium: Referendare unter Druck
Die Anforderungen an die künftigen Ausbilder der Nation haben sich gewandelt. Einfach nur Wissen an Kinder und Jugendliche weiterzugeben, reicht nicht mehr. Heute haben Lehrer nicht selten höchst heterogene Klassen vor sich, müssen mindestens so viel Erziehungsarbeit wie Wissensvermittlung leisten und sollen Schüler kompetenzorientiert unterrichten. Wie all das gelingen kann, wird ihnen im Studium nicht beigebracht. Das Referendariat kommt einem Sprung ins kalte Wasser gleich, nach dem viele erschrocken den Beckenrand suchen, um auszusteigen.

Oft bilden Unis auch einfach die Falschen aus. Geschichte gilt als brotlose Kunst. Geschichte auf Lehramt zu studieren nicht. So denkt der Abiturient und schreibt sich ein. Studien zeigen, dass eine noch größere Rolle bei der Entscheidung zum Lehrerberuf spielt, dass das Studium in Heimatnähe möglich und der spätere Job familienkompatibel ist. Doch viele täuschen sich und bereuen später ihre Wahl. Da der Numerus Clausus die einzige Zulassungsbeschränkung ist, bemühen sich die Universitäten, die Eignung der Studierenden in Selbsttests zu prüfen. Das hilft nur bedingt, denn worauf sie abzielen, ist leicht durchschaubar.

Wie lässt sich in die Praxis hineinschnuppern?

Lediglich Bayern setzt auf ein dreiwöchiges Orientierungspraktikum vor dem Studium. Die Uni Passau lädt Bewerber zudem zu einer Art Assessment Center ein. Im persönlichen Gespräch, in Gruppendiskussionen und Rollenspielen ergründen Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehrer die Motivation, die Empathiefähigkeit und andere Stärken und Schwächen.

Tests und Beratung zu Studienbeginn sind häufig der Auftakt für eine studienbegleitende Reflexion. Die Uni Kassel zum Beispiel setzt ihre Lehramtsstudenten im ersten Studienjahr in die Pflichtveranstaltung "Psychosoziale Basiskompetenzen für den Lehrerberuf". Solche Angebote folgen der Überzeugung: Lehren muss man lernen.

Doch geht diese Rechnung nur auf, wenn Studierende Praxiserfahrungen sammeln können - und nicht erst im Referendariat einen Schock erleiden. Deshalb integrieren viele Unis mittlerweile Praktikumsphasen oder -semester in das Studium. So ist an der Uni Hildesheim jeder Freitag im ersten und zweiten Semester ein Schultag. Die Studenten hospitieren im Unterricht und besprechen ihre Beobachtungen mit Lehrern und Wissenschaftlern.

Nach diesen schulpraktischen Studien im ersten Jahr verabschieden sich viele vom Berufsziel Lehrer. In den höheren Semestern ist die Abbrecherquote dann sehr gering. Das Modell aus Hildesheim ist eines, das bei Schavans 500 Millionen-Euro-Programm gute Chancen hätte. Nicht umsonst schaute sie es sich im November vor Ort genauer an. Aber auch andernorts bemühen sich Unis, die Ausbildung zum Lehrer zu verbessern. Zum Beispiel an den Unis Konstanz und Würzburg. Dort gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Schulen vor Ort, Studierende gestalten den Unterricht mit.

Mehr Praxis ist jedoch nicht die Lösung des Problems: "Entscheidend ist eine gute Vor- und Nachbereitung", stellt Prof. Dr. Udo Rauin, Bildungsforscher an der Uni Frankfurt klar. Und da kommt die Theorie wieder ins Spiel. Sie ist weiter nötig für eine gründliche, wissenschaftliche Reflexion der Arbeit im Klassenzimmer. Parallel dazu braucht es eine "offene Feedback-Kultur, notfalls auch mit dem Hinweis, dass ein Student sich keinen Gefallen tut, wenn er am Berufsziel Lehrer festhält", sagt Rauin.

Theorie und Praxis zusammenzubringen, ist Aufgabe der Unis. Doch in der Regel kümmern sie sich nicht richtig darum. Lehramtsstudierende tauchen in den ersten Semestern erst einmal in die Fachwissenschaften ab und steigen erst gegen Studierende in die Fachdidaktik ein.

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insgesamt 87 Beiträge
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1. Stellenwert Lehrer
FrankDr 28.12.2012
Passend dazu erhielten die Lehrer in BaWü 2 Tage vor Weihnachten einen Brief mit noch weiteren Gehaltskürzungen. Kostendämpfungspauschalen erhöht, Beihilfe in zig Fällen gekürzt, Ehegatten.... Und da man einen Rückgang der Schülerzahlen erwartet, wird nicht etwa auf gleichem Stand eingestellt, um endlich den enormen Unterrichtsausfall ib den Griff zu kriegen (egal ob Realschule, Berufschule,...). Nein, die Grünen wollen mal kurz 13.000 Lehrer weniger in BaWü. Dann wird sicher alles besser...
2. Bildung ein weites Feld!
meyeoliv 28.12.2012
Als Vater von 2 schulpflichtigen Kindern habe ich folgende Praxisthesen hierzu: A) Lehrer ist einer der Berufe bei dem ich keine Eignungsprüfung ablegen muss B) wenn Lehrer Lehrer ausbilden, einsetzen und kontrollieren - kann dies nicht funktionieren, denn es fehlt die neutrale Sicht hierzu, C) Die jeweiligen Bildungsministerien vergessen bei Ihren "täglichen" Reformen die Lehrer mitzunehmen. Es funktioniert in den Schulen, wenn der Mensch der in dem Lehrer steckt motiviert, engagiert und mit dem nötigen Respekt seinen Beruf ausübt (ca. 5% der Lehrer die ich kennengelernt habe).
3.
Plasmabruzzler 28.12.2012
Zitat von FrankDrPassend dazu erhielten die Lehrer in BaWü 2 Tage vor Weihnachten einen Brief mit noch weiteren Gehaltskürzungen. Kostendämpfungspauschalen erhöht, Beihilfe in zig Fällen gekürzt, Ehegatten....
Der Lehrerberuf ist nicht (mehr?) sehr gefragt, s. auch: Lehrer als Lückenbüßer: Sommerferien in der Arbeitslosigkeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/lehrer-als-lueckenbuesser-sommerferien-in-der-arbeitslosigkeit-a-570396.html) Lückenbüßer in Hessen: Mein Lehrer lebt im Sommer von Stütze - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/lueckenbuesser-in-hessen-mein-lehrer-lebt-im-sommer-von-stuetze-a-493076.html) Junge Lehrer fliehen aus Berlin*-*Preußische Allgemeine Zeitung (http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/junge-lehrer-fliehen-aus-berlin.html) Die Liste lässt sich beliebig erweitern.
4. Bildung geht im Länder-Hick-Hack unter
mathelehrer.de 28.12.2012
Wer macht mit, zur nächsten Bundestagswahl eine Bildungspartei zu gründen?
5. Finnland
blowup 28.12.2012
Zitat von meyeolivAls Vater von 2 schulpflichtigen Kindern habe ich folgende Praxisthesen hierzu: A) Lehrer ist einer der Berufe bei dem ich keine Eignungsprüfung ablegen muss B) wenn Lehrer Lehrer ausbilden, einsetzen und kontrollieren - kann dies nicht funktionieren, denn es fehlt die neutrale Sicht hierzu, C) Die jeweiligen Bildungsministerien vergessen bei Ihren "täglichen" Reformen die Lehrer mitzunehmen. Es funktioniert in den Schulen, wenn der Mensch der in dem Lehrer steckt motiviert, engagiert und mit dem nötigen Respekt seinen Beruf ausübt (ca. 5% der Lehrer die ich kennengelernt habe).
Volle Zustimmung. Man braucht eigrentlich auch gar nicht groß zu analysieren, wo die Fehler liegen. Man kann sich das sparen und nach Finnland schauen. Hatte neulich eine Doku über die Lehrerausbildung dort gesehen ("da bleibt eher ein Lehrer sitzen als ein Schüler..."). Es fängt schon mit dem Auswahlverfahren an. Von über 4000 Bewerbern werden ca. 500 zur Ausbildung zugelassen. Lehrer sind in Finnland auch gesellschaftlich sehr angesehen, vergleichbar mit Ärzten.
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