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Wettbewerb um Nachwuchs: Mecklenburg-Vorpommern verbeamtet erstmals Lehrer

Minister Brodkorb (2.v.r.) mit verbeamteten Referendaren: "Verbeamtung macht Schule attraktiver" Zur Großansicht
Bildungsministerium MV

Minister Brodkorb (2.v.r.) mit verbeamteten Referendaren: "Verbeamtung macht Schule attraktiver"

Im Kampf um junge Lehrer probieren Bundesländer alles: Zum ersten Mal macht nun Mecklenburg-Vorpommern Lehrer zu Beamten auf Widerruf. Der Versuch, Absolventen mit sicheren Jobs in den Nordosten zu locken, hat aber auch Nachteile.

Schwerin - Mecklenburg-Vorpommern stellt fortan Lehrer als Beamte ein. Am Donnerstag überreichte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) in Güstrow den ersten 53 Referendaren ihre Ernennungsurkunden als Beamte auf Widerruf. Sie treten ab Beginn des neuen Schuljahres am Montag in den Schuldienst des Landes ein. Nach Ende ihres Referendariats werden sie die ersten unkündbaren Staatsdiener im Lehrerberuf des nordöstlichsten Bundeslandes.

Bislang waren Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen die einzigen Bundesländer, die Lehrer ausschließlich als Angestellte beschäftigten. Um Lehrernachwuchs in den Nordosten zu locken, gab die rot-schwarze Regierung des Landes nun ihren Widerstand gegen den Beamtenstatus auf: "Die Verbeamtung spielt bei jungen Menschen eine große Rolle und macht die Ausbildung an unseren Schulen attraktiver", sagte Brodkorb. Eine Umfrage unter Lehrern des Allensbach-Instituts aus dem vergangenen Jahr gibt dem Bildungsminister recht:Darin sagen zwei Drittel der Junglehrer, dass ihnen der Beamtenstatus besonders wichtig ist.

Wegen des Lehrermangels in Fächern wie Mathematik oder Informatik ist ein Wettbewerb zwischen den Bundesländern um diese Lehrer entstanden - der Bedarf ist allerdings sehr ungleich zwischen Ost und West verteilt. Manche Bundesländer mit zu wenig Lehrernachwuchs setzen auf höhere Gehälter, andere werben mit Jobsicherheit durch die Verbeamtung. So führte Sachsen-Anhalt den Beamtenstatus für Lehrer bereits vor einigen Jahren neu ein. Berlin und Thüringen schafften den Status für Neulehrer in den vergangenen Jahren zwar ab, diskutieren aber derzeit, ihn wieder einzuführen.

Die Strategie, Lehrer mit verlässlichen Beamtenjobs zu locken, ist umstritten: Durch die Verbeamtung sparen die Länder gewöhnlich während der aktiven Zeit der Lehrer Geld, weil sie für Staatsdiener keine Sozialabgaben entrichten müssen. Die pensionierten Lehrer müssen die später aber aus Landeshaushalt bezahlt werden. Außerdem ist es bei verbeamteten Lehrern schwerer, sie zu entlassen, wenn die Schülerzahlen sinken.

Auch für die Lehrer selbst kann der Beamtenstatus ein zweifelhaftes Geschenk sein: Im Gegenzug für die Jobgarantie des Staates dürfen beamtete Lehrer nicht streiken und müssen sich zu Beginn ihrer Karriere teils willkürlichen Gesundheitstests unterziehen. Selbst mancher Lehrer findet dieses Modell ungerecht. Dafür können die Länder bei beamteten Lehrern nicht den weit verbreiteten Spartrick nutzen, Lehrer über die Sommerferien zu entlassen und die Kosten für sie so auf die Arbeitslosenversicherung abzuwälzen.


DER LEHRER, DER KEIN BEAMTER SEIN WILL

Lehrer Arne Ulbricht Zur Großansicht
Daniel Schmitt

Lehrer Arne Ulbricht

Für Lehrer Arne Ulbricht ist der Beamtenstatus "ein Klotz am Bein". Er wollte auf keine Fall in den Staatsdienst. Er musste kämpfen, um nicht Beamter zu werden. Warum, erklärt er im Interview. mehr...


ade

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insgesamt 72 Beiträge
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1.
gog-magog 02.08.2013
Eine klare Fehlentwicklung. M-V bildet selbst kaum noch Lehrer aus, die Universitäten dort verrotten. Jetzt ausgerechnet mit Verbeamtung zu locken ist absurd.
2.
testthewest 02.08.2013
Zitat von sysopBildungsministerium MVIm Kampf um junge Lehrer probieren Bundesländer alles: Zum ersten Mal macht nun Mecklenburg-Vorpommern Lehrer zu Beamte auf Probe ein. Der Versuch, Absolventen mit sicheren Jobs in den Nordosten zu locken, hat aber auch Nachteile. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/mecklenburg-vorpommern-stellt-erstmals-lehrer-als-beamte-ein-a-914446.html
Es wird einfach Zeit, dass der Beamtenstatus mal überarbeitet wird. Dies 2-Klassensystem ist nicht fair und auch nicht mehr zeitgemäß.
3. Herje...
phthalo 02.08.2013
Die Leher dürfen nicht streiken. Warum sollten sie auch? Wenn ich sehe, wieviel Geld Lehrer bereits im ersten Jahr verdienen verglichen mit einem Ingenieur, der 10 Jahre bei einem großem Flugzeugbauer tätig ist, dann verdient ein Lehrer (nach Abzug aller Steuern etc.) immer noch mehr! Überstunden haben wir ohne Ende und auch bei weitem nicht soviel Urlaub. Und jedesmal zittern wie um die Jobs, wenn die Aufträge fehlen. Verliert man seinen Job mit 50 Jahren, dann wars das! Und v.a.m!
4.
veremont 02.08.2013
Zitat von phthaloDie Leher dürfen nicht streiken. Warum sollten sie auch? Wenn ich sehe, wieviel Geld Lehrer bereits im ersten Jahr verdienen verglichen mit einem Ingenieur, der 10 Jahre bei einem großem Flugzeugbauer tätig ist, dann verdient ein Lehrer (nach Abzug aller Steuern etc.) immer noch mehr! Überstunden haben wir ohne Ende und auch bei weitem nicht soviel Urlaub. Und jedesmal zittern wie um die Jobs, wenn die Aufträge fehlen. Verliert man seinen Job mit 50 Jahren, dann wars das! Und v.a.m!
https://www.interamt.de So und jetzt aufhören zu jammern, gibt genug Stellen für Ingenieure im öffentlichen Dienst - für Leute die wirklich im öffentlichen Dienst arbeiten wollen. Phantastische Sicherheit, arbeiten bis zur Rente.
5.
TimmThaler 02.08.2013
Zitat von sysopBildungsministerium MVIm Kampf um junge Lehrer probieren Bundesländer alles: Zum ersten Mal macht nun Mecklenburg-Vorpommern Lehrer zu Beamte auf Probe ein. Der Versuch, Absolventen mit sicheren Jobs in den Nordosten zu locken, hat aber auch Nachteile. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/mecklenburg-vorpommern-stellt-erstmals-lehrer-als-beamte-ein-a-914446.html
Hätte mal ein Geografie- und Deutschlehrer drüberschauen sollen...
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