Mensa-Mitarbeiter: Gefeuert wegen Bulettenklau

Er nahm beim Gang durch die Küche kalte Pommes und vier Frikadellen mit, legte sich mit seinem Chef an - und erhielt die fristlose Kündigung. Das geht zu weit, urteilten jetzt Arbeitsrichter: Der Rauswurf des Mensahelfers ist unwirksam.

Der 7. Juli 2009 wird den Mitarbeitern der Bochumer Uni-Mensa sicher noch länger in Erinnerung bleiben. Es war der Tag einer sonderbaren und folgenreichen Auseinandersetzung: Ein 50-jähriger Mensamitarbeiter - so die Darstellung des Arbeitgebers - ging durch die Küche und schnappte sich dabei kalte Pommes Frites und zwei Frikadellen. Sein Chef wies ihn darauf hin, es sei nicht zulässig, Lebensmittel mitzunehmen, ohne dafür zu bezahlen; zudem habe er keine Pause. Daraufhin soll sich der Küchenhelfer zwei weitere Buletten genommen, Richtung Pausenraum gegangen sein und sich zudem geweigert haben, dem Chef ins Büro zu folgen.

Der Streit endete zwei Wochen darauf mit einer fristlosen Kündigung. Der Tatvorwurf: Klops-Klau, vulgo: Diebstahl. Doch der Familienvater, der seit immerhin 19 Jahren für die Campus-Gastronomie arbeitete, wehrte sich mit einer Klage. Nun hat in der zweiten Instanz auch das Landesarbeitsgericht Hamm zu seinen Gunsten entschieden. Die Pommes und Frikadellen seien kein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung, zumal der Mann schon so lange beim Studentenwerk angestellt sei. Nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes sei er ohnehin nur noch außerordentlich kündbar.

Bereits in der ersten Instanz hatte das Bochumer Arbeitsgericht geurteilt, dass der Angestellte zu Recht Kündigungsschutzklage erhob. Er hatte argumentiert, dass die Lebensmittel ohnehin in den Müll gekommen wären, weil sie nicht rechtzeitig verkauft werden konnten. Zudem habe er sie gar nicht verzehrt, und auch Kollegen würden oft Reste mitnehmen. Der Arbeitgeber dagegen wertete das Verhalten des Mitarbeiters als Diebstahl.

Die Bochumer Richter erklärten die Kündigung jedoch für unwirksam und sahen keine Störung des Vertrauensverhältnisses durch Diebstahl - zumal der Vorgesetzte das Geschehen beobachtet habe. Das Landesarbeitsgericht bekräftigte jetzt das Urteil und sah ebenfalls keinen wichtigen Grund, der eine fristlose Kündigung rechtfertigen könnte. Dafür reiche auch nicht die Weigerung des Angestellten, ins Büro des Vorgesetzten zu kommen. Nach Auffassung der Richter hätte der Arbeitgeber zunächst eine Abmahnung als milderes Mittel aussprechen müssen. Eine Revision zum Bundesarbeitsgericht ließen die Richter nicht zu.

In den letzten Monaten hatten mehrfach sogenannte Bagatellkündigungen bundesweit für Schlagzeilen gesorgt - etwa wegen des angeblichen Diebstahls von Leergutbons oder Frikadellen, von Müll oder drei Schrauben. Dazu gab es recht unterschiedliche Urteile von Arbeitsgerichten. Furore machte vor allem der "Fall Emmely" einer Supermarktkassiererin; nach einem längeren Rechtsstreit entschied das Bundesarbeitsgericht zu ihren Gunsten.

jol/dpa

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