Hochqualifizierten-Studie: Nur jeder fünfte Promovierte forscht
Schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Karrierechancen sorgen dafür, dass nur jeder fünfte Promovierte in der Forschung arbeitet. Ein weiterer Grund überrascht: Ein Drittel der Doktoren gab an, gar kein Interesse an Forschung zu haben.
Der Doktor ist der höchste akademische Grad in Deutschland. Er attestiert seinem Träger die Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten - doch die große Mehrheit der Promovierten geht im Anschluss an die Promotion gar nicht in die Forschung, belegt eine neue Studie des Statistischen Bundesamts.
99.300 Beschäftigte mit Doktorgrad, und damit gut jeder Fünfte, forschte 2011 an Hochschulen, in wissenschaftlichen Einrichtungen oder für die Wirtschaft. Demgegenüber arbeiten 434.400 deutsche Doktoren außerhalb der Forschung. Knapp die Hälfte davon sind Mediziner.
Laut der Studie "Hochqualifizierte in Deutschland" treibt es vor allem Promovierte der naturwissenschaftlichen Fächer und der Mathematik in die Forschung (46 Prozent). Aber auch promovierte Ingenieure (16 Prozent) und Sprach- und Kulturwissenschaftler (15 Prozent) bilden einen großen Anteil. Die Ergebnisse basieren auf einer Stichprobenerhebung auf freiwilliger Basis bei insgesamt 20.000 Hochqualifizierten. Befragt wurden erwerbstätige Promovierte unter 65 Jahren.
Die Klage über schlechte berufliche Rahmenbedingungen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse im Wissenschaftsbetrieb schlägt sich auch in den Antworten nieder: Ein knappes Fünftel der befragten promovierten Forscher (18 Prozent) gab an, nur befristet beschäftigt zu sein. Dreimal mehr als bei den Promovierten, die außerhalb der Forschung ihrem Beruf nachgehen. Vor allem Berufseinsteiger erhalten in der Wissenschaft kaum langfristige Arbeitsverträge: 31 Prozent der unter 45-jährigen Promovierten forschen mit befristetem Arbeitsvertrag.
Ein Drittel der Doktoren hat kein Interesse an Forschung
Viele Promovierte, die außerhalb der Wissenschaft arbeiten, hätten sich bei besseren Bedingungen möglicherweise in der Hochschulforschung verwirklicht. Hauptgrund für die Nichtforscher war die Einschätzung, außerhalb der Forschung bessere Alternativen zu finden (47 Prozent). Ein gewichtiger Grund ist allerdings auch: Jeder Dritte (31 Prozent) gab an, kein Interesse an einer Forschungstätigkeit zu haben. Begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten (25 Prozent), unklare längerfristige Berufsperspektiven (28 Prozent) und eine geringe Bezahlung (20 Prozent) waren ebenfalls Hindernisse auf dem Weg in die öffentliche oder privatwirtschaftliche Forschung.
Die Rahmenbedingungen scheinen aber für die Zufriedenheit der forschenden Promovierten wenig Bedeutung zu haben. 93 Prozent von ihnen gaben an, mit ihrer Tätigkeit insgesamt zufrieden zu sein. Ihnen gefallen besonders die intellektuellen Herausforderungen, das Ausmaß an Selbständigkeit und die Verantwortung, die ihre Tätigkeit mit sich bringt.
Motiviert fühlen sich die forschenden Doktoren durch ihre kreative Arbeit, ihr fachliches Interesse und den Wunsch nach selbständigem Arbeiten. Auch das Ziel, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, ist vielen forschenden Promovierten wichtig.
seh
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