An manchen Tagen fiel es Alexandra B. besonders schwer, ihre Tränen im Büro zu unterdrücken. Küsschen hier, Küsschen da, so begrüßten sich die Arbeitskollegen und grenzten die diplomierte Betriebswirtschaftlerin auch bei anderen Ritualen aus. Weil sie einen engen Kontakt zur Geschäftsleitung hatte, fühlte sich die 30-Jährige als Verräterin abgestempelt.

Neu im Team: Drei gegen eine
Teilweise waren die Kollegen schon jahrzehntelang im Unternehmen. Die direkten Kontrahenten bezogen die gesamte 40-köpfige Abteilung in ihre Mobbing-Aktionen ein, um die ungeliebte Kollegin, den Störenfried, los zu werden. Zwei Jahre ertrug Alexandra B. das Martyrium stillschweigend. Dann erlitt sie einen Nervenzusammenbruch.
Die Mobbing-Expertin:
"Das ist ganz typisch für Mobbingopfer", so Sandra Flämig, "oft gehen die Betroffenen erst zum Arzt, dann zum Anwalt." Flämig riet, Beweise zu sammeln und ein Mobbing-Tagebuch zu führen. Auf Betreiben der Rechtsanwältin fand zwischen ihrer Mandantin, der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat ein Gespräch statt.
Die drei Unruhestifter mussten einzeln beim Geschäftsführer Rede und Antwort stehen. Hier bekamen sie zu hören, dass bei Mobbing Versetzung, Abmahnung und Kündigung neben zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen drohen. Flämig: "Das hat eingeschlagen wie eine Bombe und hat die drei wie aus einem Rausch aufgeweckt."
Per Handschlag wurde der Frieden mit Alexandra B. besiegelt und wird nun seit fast einem Jahr eingehalten. "Entscheidend war, dass die junge Frau mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit gegangen ist, also Betriebsrat und Geschäftsführung informierte und einen Anwalt eingeschaltet hat", so Flämig.
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