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22. Februar 2013, 14:29 Uhr

Als Student ins Ausland

Grenzgänger starten öfter international durch

Neue Freunde, andere Sprachen, sonderbare Bräuche: Studenten lernen viel bei einem Auslandsaufenthalt. Eine Studie zeigt nun: Ein Karriere-Turbo ist die Zeit in der Fremde nicht - aber ein ideales Sprungbrett für alle, die später im Ausland arbeiten wollen.

Klar, im Ausland studieren macht Spaß. Was zu Hause öder Alltag ist, birgt in der Ferne tausend kleine Abenteuer: die erste Vorlesung, die Mahlzeiten in der Kantine, die Kneipentour am Freitagabend. Doch bringen die Monate an einer internationalen Hochschule oder bei einem ausländischen Unternehmen auch etwas im späteren Berufsleben? Kaum, zeigt eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung in Hannover.

Das HIS befragte Absolventen des Jahrgangs 2005 fünf Jahre nach ihrem Studienabschluss und veröffentlichte die Daten im vergangenen Dezember. In einem Kapitel des 420 Seiten langen Berichts widmete sich Hochschulforscher Nicolai Netz der Frage, ob Studenten mit Auslandserfahrung später schneller im Beruf durchstarten als ehemalige Kommilitonen, die zu Hause geblieben sind.

Auf jeden Fall sind Studenten, die im Ausland studiert oder hospitiert haben, später auch im Beruf häufiger international tätig. Etwa zehn Prozent von ihnen arbeitete inzwischen im Ausland. Unter den Absolventen, die in keinem anderen Land studiert oder ein Praktikum gemacht hatten, waren es nur drei Prozent.

Nicht zwangsläufig erfolgreicher

Fast die Hälfte der befragten Absolventen, die im Ausland einen Job gefunden hatten, waren in dem Land gelandet, in dem sie damals auch als Studenten lebten, schreibt Netz. Für Studenten, die später international tätig sein wollten, mache ein Auslandsaufenthalt also durchaus Sinn.

Deshalb sind sie allerdings nicht auch zwangsläufig erfolgreicher. Zum Beispiel seien Absolventen ohne dieses Auslandserfahrung nicht stärker von Arbeitslosigkeit bedroht. Insgesamt ist dieses Risiko bei Akademikern jedoch ohnehin gering.

Zudem hat der Auslandsbonus wenig Einfluss auf das spätere Gehalt. Nur ganz bestimmte Absolventengruppen profitierten auch finanziell von ihrer Zeit in der Ferne: Auslandserfahrung im Studium gehe vor allem dann mit einem höheren Einkommen einher, wenn die Absolventen in einem international ausgerichteten Unternehmen tätig seien, schreibt Netz. In solchen Firmen hätten international erfahrene Absolventen ein um etwa sieben Prozent höheres Brutto-Jahreseinkommen als Absolventen, die nicht in einem anderen Land waren.

Vom Ausland zur Promotion

Überhaupt keine Indizien gibt es dafür, dass international umtriebige Studenten später in ihrem Beruf mehr Zufriedenheit verspüren. Sie waren mit ihrer Position, ihren Aufstiegschancen und dem Einkommen in etwa genauso zufrieden wie ihre früheren Kommilitonen, fühlten sich jedoch ein bisschen unsicherer im Job.

Das liegt auch daran, dass Uni-Absolventen mit Auslanderfahrung häufiger einen befristeten Arbeitsvertrag haben. Das hängt laut Hochschulforscher Netz wiederum damit zusammen, dass sie fünf Jahre nach dem Studienabschluss viel häufiger promovierten oder schon eine Promotion abgeschlossen hätten als die anderen Befragten. Und befristete Verträge seien typisch für Doktoranden. Eine Erklärung, warum es Studenten mit Auslandserfahrung länger im Wissenschaftsbetrieb hält, lieferte der Autor nicht.

Das Fazit, dass der Auslandsbonus nicht zur schnelleren Karriere verhilft, gilt allerdings nicht fächerübergreifend: Zum Beispiel in den Wirtschaftswissenschaften gebe es fünf Jahre nach dem Examen bereits Anzeichen dafür, dass Absolventen, die während des Studiums in einem anderen Land waren, etwas häufiger in Führungspositionen aufsteigen als andere Absolventen.

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