Studentinnenjob in China: Trinkend dazuverdienen

Von Christopher Piltz

Feiern gehen, Getränke frei, und dazu noch zehn Euro pro Stunde? Was nach einem traumhaften Nebenjob klingt, ist ein Marketingkonzept chinesischer Clubbesitzer. Vor allem ausländische Studentinnen werden dafür gern genommen. Sie sollen männliche Gäste locken.

Studentenjob Feiern: Money for nothing Fotos

Mit wenigen Worten kann Tiffany* erklären, warum es möglich war, dass ihr jemand fürs Partymachen auch noch Geld versprochen hat: "Einfach nur, weil wir weiß sind, Ausländer und dazu Frauen." Sie wurde mit 100 Yuan pro Stunden dafür bezahlt, in einem chinesischen Club feiern zu gehen, ein Stundenlohn von gut 10 Euro.

Die Jura-Studentin Anfang 20 lacht kurz, wenn sie davon erzählt. Tiffany ist Britin und lebt zurzeit in Nanjing, einer Millionenmetropole in Ostchina. Sie studiert dort für ein Jahr Chinesisch. Den Nebenjob, der so gar nicht nach Arbeit klingt, bekam sie so, wie manchmal auch Fotojobs oder Komparsenrollen vergeben werden: Sie wurde einfach angequatscht.

John sprach Tiffany eines Tages vor ihrem Wohnheim an. Ob sie nicht Lust habe, etwas Geld zu verdienen? Der Job sei einfach, sie solle nur in einem Club kommen, gerne noch mit Freundinnen, und sie würde dafür bezahlt werden. "Das wirkte nicht wirklich vertrauenswürdig", erinnert sich Tiffany. "Aber wir haben es trotzdem ausprobiert."

"Es war alles sehr locker"

Wenige Tage später ging Tiffany das erste Mal in den Club Mazzo, einem bei vielen Ausländern angesagtem Club in einem Bar- und Restaurantviertel im Zentrum. Mit dabei: Claudia, eine deutsche Politikstudentin. "Ich habe es als einen Spaß angesehen, nicht aber als einen ernsten Job", sagt Claudia. Zwei- bis dreimal unter der Woche gingen Claudia und Tiffany fortan in den Mazzo-Club, jeweils von 22 Uhr bis Mitternacht bekamen sie das Feiern bezahlt.

Der Club habe ihnen gut gefallen, allgemein seien Läden mit westlicher Musik wie das Mazzo in China allerdings nicht so populär, sagt Claudia. Die meisten Chinesen gingen lieber in Karaoke-Bars. Anstelle einer Tanzfläche habe das Mazzo Stehtische in der Mitte, an denen getrunken, gegessen und Karten gespielt wird. Die Sofas und Tischchen entlang der Wände mieten sich die reichen Nanjinger gern für einen ganzen Abend.

Der Ablauf der bezahlten Partyabende war immer gleich: Sobald sie im Club waren, kontaktierten sie John. Sie bekamen einen Tisch zugewiesen, Getränke waren umsonst. Dann kamen sie ins Gespräch mit anderen Gästen, tanzten ein wenig, bekamen weitere Drinks ausgegeben. "Es war alles sehr locker", sagt Claudia.

Jobalternative Escort-Service: Bis zu 300 Euro am Abend

Der simple Job ist nicht unüblich in China, erklärt Liying Sun, Sinologin an der Universität Heidelberg. Ziel sei, die Clubs grundsätzlich für Männer attraktiver machen. Das gehe nicht nur mit einer künstlich gesteigerten Frauenquote wie im Mazzo. Einige Clubs mieten Bands, andere verkaufen bayerisches oder belgisches Bier. Auch junge Chinesinnen hätten zwar Chancen umsonst zu feiern und dazu noch Geld zu verdienen. Westliche Frauen allerdings erfüllten "ein gewisses Schönheitsideal" und hätten es daher etwas leichter, sagt Sun.

Jurastudentin Tiffany hat die Erfahrung auch gemacht. Sie fand schnell weitere Nebenjobs, modelte, trat in TV-Serien auf. Was für sie nicht in Frage kam war Escort-Service, also gegen Geld die hübsche Begleitung für eine Nacht zu geben. "Einige Kommilitonen haben das gemacht. Nicht nur weibliche, auch männliche", sagt Tiffany. Bis zu 300 Euro hätten die an einem Abend verdient - genug Geld, um drei Monatsmieten für ein Studentenzimmer zu bezahlen.

Zwei Monate gingen die beiden Studentinnen ins Mazzo, dann war der Reiz verflogen. "Ich hatte keine Lust mehr", sagt Claudia. Ihnen waren die Umstände nicht mehr geheuer und die Einnahmen flossen nicht so wie erhofft: Gleich bei der ersten monatlichen Bezahlung bekamen sie weniger als vereinbart, danach dann gar nichts mehr.

Tiffany sagt, sie habe John, den Jobvermittler, darauf angesprochen und ihr Geld verlangt. Einen Vertrag, wenigstens E-Mail-Verkehr mit John, gab es aber nicht. "Er weiß, dass wir nichts tun können." Claudia ist zurück in Deutschland, für sie ist der kleine Party-Job heute nur noch eine ärgerliche Anekdote. "Heute ist es mir egal. Es war auf jeden Fall eine witzige Erfahrung."

* Name geändert

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Mazzo Nanjing
Asher S. 31.08.2012
Gute Werbung fuer einen wirklich mittelpraechtigen Laden. Ich war mit dem Promoter vom Mazzo in einer anderen Stadt feiern und der hat so laut promotet, dass er in einer hohen Kurve rausgeflogen ist. Das ganze Nachtleben hier in China is komplett anders als in Deutschland. Es geht nicht ums tanzen, es geht mehr darum Maennern Flaschenweise Wiskey anzudrehen fuer ca. 100-200 euro pro Stueck damit sie spaeter eine Ausrede fuer den Seitensprung haben mit einer der anwesenden Partygirls die nur ihren Nebenjob machen :D.
2. Trinkend ertrinken
Roppichan 31.08.2012
Gab es vor 25 Jahren viel in Japan. Blond musste man sein und trinken können. Viele von den Mädels haben richtig viel Geld verdient und viele sind auch richtig abgestürzt. In Japan war es so, dass man vor der Mamasan, Geisha und der Baishunfu (Prostituierte) Respekt hatte. Bei den ausländischen Mädels war das nicht der Fall und die haben sogar weniger verdient.
3. optional
Altesocke 31.08.2012
Wer sich bei solchen 'Jobs' das Geld nicht am 'Schichtende' auszahlen laesst, ist selber schuld!
4. optional
Hans_Dampf_aus_der_Gosse 31.08.2012
Bin gerade in China. Ich kann nur meinen Vorredner Asher anschließen. Für uns Europäer ist ein Clubbesuch eher öde, außer man geht dort hin wo die Ausländer sind. Die Barmeile in Nanjing ist eh eher mäßig.
5. Und?
flieder2 31.08.2012
Ich lebe in Beijing, die jungen Chinesen sind halt neugierig auf Westler und deren Lebensstil, wollen sie kennenlernen. Wo viele Westler sind, entsteht schnell ein Szeneladen.und da moechten auch gerne junge Chinesen dabeisein. Vollkommen o.k. Wenn sich junge blonde Studentinnen als Promoterinnen anwerben lassen um in der Bar oder in dem Club den Eindruck zu erwecken, dass der Laden bei Westlern beliebt ist - ist das o.k. So funktioniert Werbung ! Zu dem beschriebenen Fall, da wurde nichts schriftlich vereinbart - die, die sich einige Zeit vergnuegen, waren gleichzeitig Werbefiguren und nach 2 Monaten war das Lotterleben vorbei. Thats life! Zu dem Beitrag von Roppichan: Ich habe gelesen, das die Japaner vor westlichen Frauen wenig Respekt haben oder hatten! Die Chinesen ticken noch nicht so. Hier schlagen leider viele Russinnen auf, die diese Sicht der Chinesen langsam veraendern. Finde ich bedauerlich! Aber die Chinesen werden schneller begreifen, dass westliche Frau nicht gleich westliche Frau ist.
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