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Campus-Consultants: Früh übt sich, was ein Berater werden will

Studentische Unternehmensberater: Die Campus-Consultants Fotos
TMN/Academy Consult München

Sie machen Akquise, entwickeln Strategien, planen Budgets: Studentische Unternehmensberater haben einen vollen Stundenplan. Und ihren Kommilitonen häufig einiges voraus.

Einige sitzen im Supermarkt an der Kasse, andere passen auf Kinder auf, der 24-jährige Student Sönke Quast berät neben dem Studium Unternehmen. Er macht an der TU Darmstadt gerade seinen Bachelorabschluss als Wirtschaftsingenieur - und er ist Marketingvorstand von Junior Comtec, einer studentischen Unternehmensberatung. "Hier kann man sich weiterentwickeln und lernen, sich zu organisieren", sagt er.

In Deutschland gibt es derzeit rund 120 studentische Unternehmensberatungen. "Die Idee ist Mitte der Sechzigerjahre in Frankreich entstanden", sagt Florian Lorenzen, erster Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU). Dort gründeten sich die Juniorfirmen, die schon bald erste Beratungsprojekte in Unternehmen umsetzten; deutsche Studenten hatten die Idee dann aus Frankreich mitgebracht. "Sie gründeten erste studentische Unternehmensberatungen, 1988 in Darmstadt, 1989 in Passau sowie Duisburg und Dortmund", sagt Lorenzen. Die Beratungen sind eingetragene Vereine, die als Hochschulgruppen tätig sind. Das heißt: Alle aktiven Mitglieder sind Studenten und beraten parallel zum Studium.

Kooperation mit großen Beratungen

Die Kunden treten laut Marketingvorstand Quast an die Beratungen heran oder werden akquiriert, dann wird das Projekt innerhalb des Vereins ausgeschrieben. "Studentische Berater können sich bewerben, dann wird ein Team gegründet, das sich als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) formiert." So seien alle Teilnehmer gleichberechtigte Gesellschafter.

Bei den Campus-Consultants melden sich namhafte Betriebe: "43 Prozent der Dax-Unternehmen gehören zu unseren Kunden", sagt Quast. Dazu kommen zahlreiche Mittelständler aus allen Branchen.

Auch einige der großen Unternehmensberatungen kooperieren mit ihren studentischen Wettbewerbern: Die Zusammenarbeit reiche von Projektmanagement- über Präsentationstrainings bis hin zur Unterstützung beim Lösen von Fallstudien, sagt Daniel Feldkamp, er ist Recruiting Director bei der Boston Consulting Group (BCG) in München. Die Kooperationen seien eine Win-Win-Situation: "Wir kommen in direkten Kontakt mit Studierenden, die sich für die Branche interessieren." Die wiederum sammeln wichtige Erfahrungen, mitunter werden die Studenten von erfahrenen Mitarbeitern der Beratungen auch gecoacht.

So wollen viele studentische Berater auch später gern in einer Unternehmensberatung arbeiten. Dazu kommt, dass die Tätigkeit für Studenten lukrativer ist als ein Nebenjob wie Kellnern oder Taxifahren. Die Firmen wiederum zahlen für die Campus-Consultants weniger, als wenn sie Berater zum Beispiel von McKinsey anheuern würden.

"Gute Vorbereitung für den Berufseinstieg"

Durch ihr Engagement haben die Studenten erste Kontakte in die Branche. Ein Jobgarant sei die Mitarbeit in einer studentischen Beratung aber nicht, sagt Feldkamp. Grundsätzlich sei sie hilfreich für einen späteren Einstieg - jedoch nicht gleichwertig mit Praktika in der Industrie. Die müssen die Studenten in der Regel zusätzlich zu ihren Projekten machen.

Wer sich bewerben kann? Andreas Hofer betont: Auf die Fachrichtung komme es nicht an. Er studiert Maschinenbau an der TU München und arbeitet bei Academy Consult - zusammen mit Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Natur- und Geisteswissenschaftlern.

In seiner Beratung müssen Bewerber in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren überzeugen, zu Beginn jedes Semesters findet es statt. Sie müssen Zeugnisse einreichen sowie ein Motivationsschreiben und in zwei Interviewrunden bestehen. Leicht ist das laut Hofer nicht: Nur knapp ein Fünftel der Bewerber habe die Aufnahme zuletzt geschafft.

Wer sich jedoch darauf einlasse und von sich überzeuge, könne viel lernen: "Man kommt mit Themen in Berührung, die man sonst nie bearbeiten würde", sagt Hofer. Und noch einen Vorteil hat die Mitarbeit: "Das ist eine gute Vorbereitung für den Berufseinstieg", sagt er. Man habe Erfahrungen gemacht, die andere erst sammeln müssen. "Und man darf Fehler machen - und aus ihnen lernen."

Verena Wolff/dpa/fln

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