Allensbach-Studie: Junglehrer erleben Praxisschock

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Eine neue Studie stellt der Ausbildung junger Lehrer ein schlechtes Zeugnis aus. Viele fühlen sich unzureichend auf ihre Arbeit vorbereitet. Zugleich jedoch sind sie idealistisch, karriereorientiert - und schätzen die Jobsicherheit dank Verbeamtung.

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Junglehrer: Schlecht vorbereitet auf Schüler, Eltern, Alltag

Sie sollen Mathemuffel bekehren, aus Physikhassern kleine Einsteins machen und die Erziehungsfehler der Eltern ausbügeln. Deutschlands Lehrer fühlen sich für all diese Aufgaben allerdings schlecht gewappnet: Jeder Fünfte hat den Einstieg ins Berufsleben als Praxisschock erlebt, ergab eine neue Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach.

Besonders unzufrieden sind dabei die Junglehrer, also jene, die seit weniger als fünf Jahren unterrichten. Auf die Frage "Worauf hat Sie Ihr Studium nur unzureichend vorbereitet?", sagten demnach jeweils rund 40 Prozent: auf Schüler, Eltern und auf den Schulalltag generell. Nur jeder Fünfte gab bei der Frage die Vermittlung des Stoffes an.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, begründet die Ergebnisse der Studie zum Teil damit, dass die jungen Lehrer ihr Studium gerade erst durchlaufen haben. Rückblickend relativiere sich vieles. "Ich glaube nicht, dass die Lehrerausbildung vor 30 Jahren besser war", sagt Meidinger, der mit seinem Verband die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt. Sie sei durch verpflichtende Praktika beispielsweise heute wesentlich praxisorientierter als früher. Allerdings haben zuletzt mehrere Bundesländer das Referendariat verkürzt - ein Fehler, der sich nun in den Ergebnissen der Studie niederschlage, sagt Meidinger.

Für die Studie "Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik" befragte das Institut im Auftrag der Vodafone Stiftung rund 550 repräsentativ ausgewählte Lehrer, zudem interviewten sie Eltern von Schulkindern. Bei der Lehrerbefragung zeigt sich: Die Antworten der jungen und der älteren Lehrer unterscheiden sich zum Teil erheblich.

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Umfrage: Wie Lehrer über ihren Beruf denken

Die zentralen Ergebnisse der Studie:

  • Trotz des Praxisschocks habe nur etwa jeder zehnte Junglehrer schon ernsthaft darüber nachgedacht, seinen Beruf aufzugeben. Bei der großen Mehrheit (81 Prozent) überwiege die Freude an der Arbeit. Von den Lehrern, die schon 20 Jahre und länger unterrichten, sagen das immer noch 70 Prozent.
  • Gerade für junge Lehrer spiele die Jobsicherheit eine große Rolle: 66 Prozent von ihnen sagten, die Verbeamtung sei ihnen wichtig oder sehr wichtig. Bei den älteren Kollegen, die schon 20 Jahre und länger unterrichten, sagten das nur 42 Prozent. Daneben gab die große Mehrheit (83 Prozent) der Junglehrer an, sie habe sich für den Beruf entschieden, weil sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollte. Weitere Gründe: "Ich wollte einen Beruf, in dem ich den Menschen etwas beibringen kann" (71 Prozent), "Ich fand meine Fächer interessant und wollte beruflich etwas in diesem Bereich machen" (54 Prozent), "Als Lehrer ist man flexibel, man kann sich die Zeit für die Vorbereitung des Unterrichts relativ frei einteilen" (37 Prozent). Folgender Antwort stimmten allerdings nur 23 Prozent der Junglehrer zu - womit sie dem gängigen Vorurteil widersprechen: "Mir hat gefallen, dass es viele Wochen im Jahr gibt, über die man frei verfügen kann".
  • Unattraktiv werde der Lehrerberuf nach Meinung aller Lehrer unter anderem, weil Lehrer hohen psychischen Belastungen ausgesetzt seien (33 Prozent), weil Lehrer immer mehr Aufgaben des Elternhauses übernehmen müssten (31 Prozent), weil der Umgang mit den Eltern immer schwieriger werde (28 Prozent), weil Lehrer zu wenig Anerkennung erführen (28 Prozent) und weil der Umgang mit Schüler immer schwieriger werde (27 Prozent).
  • Trotz dieser zum Teil zunehmenden Probleme zweifeln jüngere Lehrer wesentlich seltener am Ansehen des Berufes als ältere: Von den Jüngeren sagt nur etwa jeder Dritte, Lehrer seien in der Gesellschaft eher schlecht angesehen, bei den Älteren sagt es jeder Zweite. Dabei gehört der Lehrerberuf in der Bevölkerung insgesamt zu den angesehensten Berufen: Er landet auf Platz vier - hinter Arzt, Krankenschwester und Polizist.
  • Junglehrer sehen für sich noch eine andere berufliche Perspektive als ältere: So ist die Lust auf eine Rektorenstelle bei ihnen deutlich ausgeprägter als bei älteren Kollegen: 34 Prozent der Lehrer, die seit weniger als fünf Jahren unterrichten, sagen, sie würde ein solcher Posten reizen. Von den Kollegen, die schon seit 20 Jahren im Klassenraum stehen, stimmen dem nur 14 Prozent zu. Rund zwei Drittel aller Lehrer sagen, die Verwaltungsaufgaben, die mit dieser Leitungsposition verbunden sind, schrecke sie ab. Rund die Hälfte aller Lehrer stört, dass sie dann kaum noch unterrichten würden. Etwa ein Drittel der Lehrer verspürt demnach keine große Lust, so viel Verantwortung zu tragen. Etwa ein Fünftel findet den Rektorenposten nicht angemessen bezahlt.

Damit ihre Arbeit nicht gleich mit einem Praxisschock beginnt, fordert der Vorsitzende des Philologenverbandes Meidinger eine Reform der Lehrerausbildung. Vor dem Lehramtsstudium sollte seiner Meinung nach eine Art Assessment Center stehen, und während der Ausbildung sollten Hochschule und Schule enger zusammenarbeiten: Schulpraktika sollten tatsächlich studienbegleitend sein und intensiv betreut werden. Und das Referendariat sollte nicht losgelöst von, sondern in Zusammenarbeit mit der Hochschule stattfinden.

Während Gehard Schröder, damals noch Ministerpräsident in Niedersachsen, Schülerzeitungsredakteuren einst zuraunte: "Ihr wisst doch ganz genau, was das für faule Säcke sind", schauen junge Lehrer heute der Studie zufolge ganz anders auf ihren Beruf. Meidinger führt das gewachsene Selbstbewusstsein auf die Debatte zurück, die unter anderem die Pisa-Studie vor über zehn Jahren angestoßen hat: Für die Gesellschaft spiele Bildung heute eine wesentlich größere Rolle als früher. "Bildung ist der Schlüssel zum Aufstieg", sagt Meidinger, "dieses Bewusstsein war früher nicht so ausgeprägt." Jüngere Lehrer hingegen wüssten sehr wohl, was die Gesellschaft von ihnen erwartet - und dem würden sie sich gern stellen.

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1.
dinkybash 24.04.2012
"Dabei gehört der Lehrerberuf in der Bevölkerung insgesamt zu den angesehensten Berufen: Er landet auf Platz vier - hinter Arzt, Krankenschwester und Polizist. " Aha, und was ist die Quelle für diese Aussage? Ich studiere selbst auf Lehramt und muss mich andauernd vor Freunden und Bekannten rechtfertigen. Es sei schließlich "nur" Haupt- bzw. Realschullehramt, außerdem muss man da ja nur Halbtags arbeiten und Ferien hat man auch zur Genüge. Abgesehen davon ist so ein Lehramtsstudium ja auch "nichts ganzes und nichts halbes" und so weiter und so fort. Die wenigsten Leute begegnen einem mit weniger Vorurteilen - es gibt sie, aber ich würde doch mal behaupten, dass es Berufsbilder gibt, die in Deutschland weitaus höher angesehen sind als der des Lehrers.
2.
dinkybash 24.04.2012
"Dabei gehört der Lehrerberuf in der Bevölkerung insgesamt zu den angesehensten Berufen: Er landet auf Platz vier - hinter Arzt, Krankenschwester und Polizist. " Aha, und was ist die Quelle für diese Aussage? Ich studiere selbst auf Lehramt und muss mich andauernd vor Freunden und Bekannten rechtfertigen. Es sei schließlich "nur" Haupt- bzw. Realschullehramt, außerdem muss man da ja nur Halbtags arbeiten und Ferien hat man auch zur Genüge. Abgesehen davon ist so ein Lehramtsstudium ja auch "nichts ganzes und nichts halbes" und so weiter und so fort. Die wenigsten Leute begegnen einem mit weniger Vorurteilen - es gibt sie, aber ich würde doch mal behaupten, dass es Berufsbilder gibt, die in Deutschland weitaus höher angesehen sind als der des Lehrers.
3.
ron888 24.04.2012
Das eigentliche Defizit der Lehrerausbildung besteht in der Praxisferne. Statt in Seminaren schlicht mal ein Schülerbuch aus der Praxis aufzuschlagen und zu überlegen, wie könnte man aus dem Stoff eine tolle Stunde machen, geht es meist um abstraktes und hochtrabendes Wissen, das leider so nicht nutz- und umsetzbar ist.
4.
Einweckglas 24.04.2012
Ich sehe immer noch nicht den Sinn, warum Lehrer verbeamtet werden müssen. Angestellte Lehrer sind sicherlich keine schlechteren Lehrer und von der "Sicherheit" der verbeamtung gehten auch negative Signale hinsichtlich der Leistungsbereitschaft aus. Wenn ist denn mal endlich Schluss mit dem Bematentum im Bildungsbereich und den damit einhergehenden Privilegien???
5.
koernbach 24.04.2012
Leider wird während der Ausbildungszeit an vielen Stellen einfach zu viel des Guten getan! Schulleiter versuchen „gute Klassen“ bereit zu stellen, Mentoren versuchen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, Klassenlehrer „drohen ihren Klassen Strafen an“, um gutes Verhalten zu erzielen, da sie sich selbst auf dem Prüfstand fühlen und die Auszubildenden versprechen Belohnungen für gutes Verhalten: Mohrenköpfe, Eis essen, etc. … Dazu kommen eine begrenzte Stundenzahl und viel Hilfe von Ausbildern und Kollegen bei den Vorbereitungen und der Zurverfügungstellung von Materialien oder Medien. Das entfällt nach der 2. Staatsprüfung und plötzlich hat man alleine 26 oder 26 h zu bestehen, Vorbereitungen alleine zu machen und Auseinandersetzungen mit Schülern, Eltern und Kollegen zu bestehen. Hat man dazu noch die „richtigen Fächer“ und eine Schülerzahl von fast 30, dann hat man schnell über 500 Klassenarbeiten im Halbjahr zu korrigieren. Diese Aufgaben strengen ALLE an, ein Neuanfänger verzweifelt aber anfangs leicht unter dieser Last!
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