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Lehrergeständnisse: Zentrale Krankheitstage-Kontrolle? Wunderbar!

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Corbis

Lehrer im Stress: Ein Drittel geht wegen Krankheit frühzeitig in Pension

Nordrhein-Westfalen will die Fehltage seiner Lehrer wegen Krankheit zentral erfassen. Genau richtig, findet Lehrer Jan-Martin Klinge - aber nur, wenn das Ministerium daraus die richtigen Schlüsse zieht.

Zur Person
In Nordrhein-Westfalen sollen zukünftig, so der Plan, die Krankheitstage aller Lehrer zentral von den Behörden erfasst und kontrolliert werden. Die Landesregierung will wissen: Wie viele Lehrkräfte sind kurz-, mittel- oder langfristig erkrankt - und zwar landesweit und je nach Schulform. Eine derart großflächige Datenerfassung ist ein gewagter Schritt - auch da uns Lehrern andererseits aus Datenschutzgründen zum Beispiel verboten wird, Facebook "zur Organisation von Unterrichtsprojekten" zu nutzen.

Der Schritt ist trotzdem notwendig, denn: Von den Lehrern, die im Jahr 2013 in NRW pensioniert wurden, schied ein Drittel frühzeitig aus - wegen Dienstunfähigkeit oder Schwerbehinderung. Ein weiteres Drittel quittierte den Dienst vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze. Nur ein Drittel hielt bis zum Schluss durch. Es kann zwar darüber gestritten werden, ob eine behördliche Sammlung aller Krankheitstage daran etwas ändert oder eher den Druck weiter erhöht, im System funktionieren zu müssen.

Die Intention aber ist richtig: Die Verantwortlichen müssen erfahren, wenn einzelne Angestellte den Beruf kaum oder gar nicht mehr ausüben können und wer, wenn nicht die Schulen sollen sie darüber informieren? Es kann nicht sein, dass man als Lehrer immer wieder sporadisch fehlt und sich so bis zur Pension schleppt. In keinem Betrieb der Welt würde das akzeptiert werden.

Wenn in meiner Klasse einzelne Schüler auffällig oft fehlen, dann forsche ich ja auch nach. Was sind die Gründe? Welche Hilfen kann ich geben? Es gibt Gespräche. Wenn jedoch zwei Drittel der Schüler vor dem Schulabschluss aufgeben, dann reichen Gespräche nicht - dann wird es Zeit, dass ich mich und meinen Unterricht hinterfrage. Sind meine Anforderungen zu hoch? Sind die Lernbedingungen schlecht? Was kann ich tun, um den Schülern den Alltag zu erleichtern?
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Es ist zu wünschen, dass das Schulministerium in Zukunft nicht nur die Krankheitsdaten verwaltet, sondern auch die nächsten Schritte geht - indem es sich zunächst die richtigen Fragen stellt: Kann es sein, dass Klassen mit 30 Kindern unterschiedlicher Herkunft vielleicht zu groß sind? Ist es möglich, dass die durchgedrückte Inklusion viele Lehrer auslaugt? Sind Kollegen womöglich überlastet, weil sie einen Teil ihrer Zeit als Sozialarbeiter, Eheberater oder Techniker verbringen müssen? Fallen womöglich so viele Stunden aus, weil es zu wenig Lehrer gibt?

Dann stünden weniger die einzelnen Lehrer im Fokus der neuen Datensammelei, sondern das System Schule würde überprüft. Und das wäre eine gute Sache.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Auf zum lustigen Datensammeln....
anitaoinch 13.10.2014
Darf ich dann auch dem Ministerium die Tage melden, an denen ich wegen Krankheit eigentlich besser zu Hause geblieben wäre, aber trotzdem zur Schule gegangen bin, weil Klausuren anstanden, die Qualitätsanalyse drohte, Elternabend oder -sprechtag war, ich eine Konferenz leiten musste oder schlicht und einfach wegen eher sinnloser Dienstveranstaltungen schon die letzte Doppelstunde in dem Kurs ausgefallen war?! So, nun liebe Foristen: viel Spaß beim Lehrer-Bashing, das wird hier ja sehr gerne betrieben. Ich kann nur jedem raten, der sich drüber aufregt, dass wir Lehrer einen ach-so-lauen Job haben: Werdet Lehrer, in vielen Fächern werden Quereinsteiger gesucht. Komischerweise wollen das die meisten Meckerer dann doch nicht...
2. keine Krankheit
FrankDr 13.10.2014
Gerade bei meiner Frau in der Schule sind wieder zwei Kollegen in Pension. Beide hatten in der GESAMTEN KARRIERE KEINEN EINZIGEN KRANKHEITSTAG. Aber wenn bei uns im Betrieb einer mal wieder Montags krank feiert, bekommen das eben nur die fünf Kollegen seines Teams mit. Bei einem Lehrer gehen (6 Stunden a 30 Schüler) 180 Schüler nach Hause und erzählen, es war mal wieder einer krank.
3. Nur Statistik...
fatherted98 13.10.2014
...was solls. Konsequenzen daraus werden eh nicht gezogen, weder zum Wohl der Lehrer noch zum Wohl der Schüler...noch werden schwarze Schafe aussortiert. Die meisten Lehrer sind beamtet..ihnen kann also nix passieren. Und krank ist krank...gelber Schein ist gelber Schein...da kann der Arbeitgeber Staat nix gegen machen...na gut...Vertrauensarzt...aber der wird auch nix machen. Letztlich dient das nur einer Statistik...die dann in irgendeiner Schublade verschwindet...daran arbeiten werden aber Hundertschaften von fleißigen Beamten die woanders wohl besser eingesetzt wären...
4. Was ist daran neu?
jr101 13.10.2014
Ich frage mich, wo die Neuerung ist? Bereits jetzt fragt (zumindest die BzRg Düsseldorf) die Krankheitstage der Kollegen halbjährlich ab und legen die entsprechende Sammlung der Krankheitstage in der Personalakte ab- die der angestellten Lehrkräfte sind sogar monatlich zu melden. Bei Erkrankungen von mehr als 1-2 Wochen ist die BzRg noch während der Erkrankung zu benachrichtigen. Wenn man wollte, wären diese Daten bereits vorhanden, übrigens ebenso wie die aufgrund der Krankheit durchgeführten Überstunden/Mehrbelastung der Kollegen und der damit verbundene Vertretungsunterricht/bzw. Unterrichtsausfall. Mit fehlt viel mehr die Frage, was man zu tun gedenkt, wenn klar wird, in welch großem Maße Unterricht ausfällt oder Mehrarbeit geleistet werden muss. Werden dann entsprechend mehr Kollegen eingestellt?
5. Netter Versuch . . .
vielniks 13.10.2014
. . . bei Nicht-Lehrern Verständnis zu wecken. Aber ehrlich gesagt, kann man mit Worten nicht erklären, was es heißt, 6 Stunden vor heutigen Schülern zu stehen. Diejenigen, die es mal ausprobieren (ja, das gibt's), die sagen: "Um Gottes willen, ich geh wieder Steine klopfen." Die nervliche Belastung ist das A und O. Alles andere ist Pillepalle.
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