Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Geschäftsmann aus Osnabrück: 800 Mal falsch promoviert, 800 Mal kassiert

Anklage gegen Geschäftsmann: Obskure Ehrendoktortitel einer Yorkshire University, die es gar nicht gibt Zur Großansicht
DPA

Anklage gegen Geschäftsmann: Obskure Ehrendoktortitel einer Yorkshire University, die es gar nicht gibt

Bis zu 800 falsche Doktortitel soll er verkauft haben, satte 5,6 Millionen Euro kassierte ein Geschäftsmann aus Osnabrück für die Fake-Urkunden. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Als Professor Carlos Niemeyer trat er auf und verscherbelte frei erfundene akademische Urkunden an geltungssüchtige Kunden. Zwischen 2003 und 2010 soll er auf diese Weise 5,6 Millionen Euro eingenommen und nicht versteuert haben. Deshalb erhebt die Staatsanwaltschaft Osnabrück jetzt Anklage gegen den Geschäftsmann. Sie wirft ihm vor, mindestens 1,8 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Mindestens 500, wahrscheinlich aber bis zu 800 solcher Urkunden soll er verkauft haben, schätzen die Ermittler. "Das Verfahren wegen Betrugs gegen den Mann wegen des Handels mit den Doktortiteln wurde aber eingestellt", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer, am Mittwoch. Es habe nicht nachgewiesen werden können, dass die Käufer der Doktorurkunden ernsthaft geglaubt hätten, echte Titel zu erwerben.

Hohe kriminelle Energie

Nach Recherchen von NDR Info und der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hatte der 65-Jährige Titelhändler aus Osnabrück Ehrendoktortitel einer frei erfundenen Hochschule namens Yorkshire University sowie gefälschte Doktorurkunden der Technischen Universität Warschau angeboten. Die Titel gingen zu Preisen von bis zu knapp 15.000 Euro über den Tisch.

Der 65-Jährige soll, heißt es in dem Bericht, seine Einnahmen über ein Firmengeflecht in der Schweiz und in Panama geschleust haben. Angesichts der hinterzogenen Summe und der kriminellen Energie beim Umleiten der Gelder müsse der Angeklagte mit einer Haftstrafe ohne Bewährung rechnen, so die Staatsanwaltschaft.

Fotostrecke

12  Bilder
Doktorarbeiten von Prominenten: Wie Merkel, Gysi, Ratzinger zum Dr. wurden

him/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
braintainment 15.07.2015
"Es habe nicht nachgewiesen werden können, dass die Käufer der Doktorurkunden ernsthaft geglaubt hätten, echte Titel zu erwerben." Ähhh, bei 15.000 Euro pro "Titel"... Wo genau lebt diese Staatsanwaltschaft? Auch in Panama?
2. Buahaha!
Bueckstueck 15.07.2015
Man kriegt ihn also nur deshalb dran, weil er nicht versteuert hat? Das ist ja ein Ding! Damit ist er ja noch blöder als die Tölpel die sich mit gefälschten Urkunden schmücken wollten!
3. Das....
HerrDietrich 15.07.2015
Beste an der Sache ist ja dass das Verfahren wegen Betrugs und des Handels mit den Doktortiteln eingestellt worden ist. Hätte er alles normal versteuert wäre er jetzt rechtlich korrekt Millionär. Würde ja im Umkehrschluss heißen, das es jeder machen kann
4.
c.PAF 15.07.2015
Anklage wegen Steuerhinterziehung. Also nichts besonderes...
5. ,8 Millionen Euro an Steuern hinterzogen
99luftballons 15.07.2015
Sie wirft ihm vor, mindestens 1,8 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Na, wenn das dann gerecht zugeht, duerften das dann ja 2.52 monate Haft, wegen der 'hohen kriminellen energie' dann eben ohne Bewaehrung geben. Ok, plus 1.8 Millionen plus Zinsen, plus Strafzinsen. Bin gespannt, wie lange der wirklich ins Loch muss. Und ob der auch auf die Krankenstation kommt, und, wegen alter, vielleicht nach kurzer Zeit, Tagesausgang bekommt. Nicht? Nicht!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH