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Plädoyer für Härte im Job: Nicht geschimpft ist Lob genug

Disziplin und Kontrolle statt Eigenverantwortung und netter Worte: Nur so kann eine Firma im Wettbewerb bestehen, glaubt Sachbuchautor Roland Springer. Im manager-magazin-Interview erklärt er, warum Chefs ihre Mitarbeiter streng erziehen sollten - und warum liberale Führungsmodelle gescheitert seien.

Strengste Disziplin: Sollte ein Chef immer nur freundlich mit den Mitarbeitern sprechen? Zur Großansicht
Corbis

Strengste Disziplin: Sollte ein Chef immer nur freundlich mit den Mitarbeitern sprechen?

Frage: Herr Springer, warum muss man Erwachsene noch erziehen?

Springer: Weil wir uns in der Wirtschaft auf verschärften Wettbewerb einstellen müssen. Die Anforderungen werden immer komplexer, die Konkurrenz immer kostengünstiger. Unternehmen brauchen effiziente und fehlerlose Prozesse, wenn sie da mithalten wollen. Und wenn an diesen Prozessen Menschen beteiligt sind, dann ändert man nur mit Disziplin etwas. Die Mitarbeiter müssen genau definierte Standards einhalten: welches Auftragsformular wie auszufüllen ist, welche Information wann weitergegeben werden muss. So vermeidet man Fehler, die zu Zeitverlust und höheren Kosten führen.

Frage: Aber muss man gleich von Erziehen sprechen?

Springer: Wenn sich die Mitarbeiter falsche Verhaltensweisen angewöhnt haben, dann muss man sie umerziehen. Das gehört zum lebenslangen Lernen dazu, ob es einem gefällt oder nicht.

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Frage: Klingt autoritär...

Springer: Autoritär war die Führungskultur in den sechziger Jahren. Dahin will ich nicht zurück. Früher bekam man Vorgaben und hatte danach zu arbeiten. Heute müssen die Regeln mit den Mitarbeitern zusammen entwickelt werden. Denn nur die haben ja im Detail das Wissen, wie die Prozesse funktionieren. Das liberale Führungsmodell, das in den letzten 20, 30 Jahren galt - laufen lassen und hoffen, dass der Mitarbeiter aufblüht - das funktioniert in der heutigen Wirtschaftswelt nicht mehr.

Frage: Also müssen die Mitarbeiter an die kurze Leine?

Springer: Es geht darum, Standards zu trainieren und auf ihre Einhaltung zu achten. Jogi Löw macht die ganze Zeit nichts anderes. Damit sein Fußballteam unplanbare Prozesse beherrschen kann, schaut er sich jeden einzelnen Spieler an: Spielt der die Freistöße oder die Flanke so, wie er sie spielen soll? Das akribische, fehlerfreie Arbeiten muss sitzen.

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Frage: Und wie bringt man es den Mitarbeitern bei, die Standards einzuhalten?

Springer: Indem man Grundsätze formuliert und beispielsweise systematisch auf Ordnung und Sauberkeit hinweist. Und indem man immer wieder deutlich macht, dass die Einhaltung dieser Standards der Geschäftsführung sehr wichtig ist. Leider ist es vielen Führungskräften unangenehm, hinter ihren Mitarbeitern her zu sein. Das lernen die in ihrer Ausbildung auch nicht. In den Curricula von Führungskräfteschulungen in Deutschland werden Sie nicht einmal das Wort "Disziplin" finden.

Frage: Würden Sie behaupten, den Mitarbeitern gefalle Disziplin?

Springer: Wenn erst einmal die Probleme auf den Tisch kommen und dann Regeln für den Umgang damit entwickelt werden - dann sind viele regelrecht begeistert. Denn sie haben ja zuvor immer die Probleme ausbaden müssen. Viele Mitarbeiter ärgern sich jeden Tag, wenn die Dinge nicht funktionieren. Ich habe noch nie erlebt, dass größere Teile der Belegschaft sich gegen mehr Disziplin stellen. Dass eine verschärfte Kontrolle zu Problemen führt, das kann natürlich passieren. Aber Fußballtrainer werden ja auch nicht immer nur freundlich mit ihren Mitarbeitern sprechen. Da geht es auch mal richtig zur Sache.

Frage: Vertrauen ist also von gestern und Kontrolle besser?

Springer: Unter den heutigen Bedingungen: ja. Ich bin felsenfest davon überzeugt: In den Investmentbanken weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut. Auch das ist ein Grund für die Finanzkrise. Die haben nicht nur die Produkte nicht mehr verstanden, sondern auch die Prozesse. Natürlich muss eine Führungskraft auch selbst Disziplin an den Tag legen und nicht nur kontrollieren. Eine Führungskraft, deren Büro ein Sauladen ist, muss nicht anfangen, von Ordnung und Sauberkeit zu reden.


Das Interview führte Marike Frick für manager-magazin.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 202 Beiträge
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1. .
frubi 04.08.2010
Zitat von sysopDisziplin und Kontrolle statt Eigenverantwortung und netter Worte: Nur so kann eine Firma im Wettbewerb bestehen, glaubt Sachbuchautor Roland Springer. Im manager-magazin-Interview erklärt er, warum Chefs ihre Mitarbeiter streng erziehen sollten - und warum liberale Führungsmodelle gescheitert seien. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,709995,00.html
Wenn der Chef einen klaren, offen Kurs vorgiebt und den Mitarbeitern klare Anweisungen erteilt, dann darf es bei Fehlern auch etwas härter zugehen. Wenn der Chef jedoch keine Führungsfähigkeit ausstrahlt und die Mitarbeiter nie genau wissen, wass Sie denn als nächsten machen sollen, dann darf der Chef nicht noch oben drauf hauen.
2. Buch für`n Mülleimer
christiane006, 04.08.2010
Zitat von sysopDisziplin und Kontrolle statt Eigenverantwortung und netter Worte: Nur so kann eine Firma im Wettbewerb bestehen, glaubt Sachbuchautor Roland Springer. Im manager-magazin-Interview erklärt er, warum Chefs ihre Mitarbeiter streng erziehen sollten - und warum liberale Führungsmodelle gescheitert seien. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,709995,00.html
der Typ ist offensichtlich auf Kindergartenniveau stecken geblieben. Ich empfehle ihm deshalb ein paar Semester im Fachbereich Organisations Psychologie zu belegen. Auch über Konditionierung sollte sich dieser Uninformierte einmal schlau machen. Es ist ganz einfach. Lob und Tadel müssen angemessen verteilt werden. Lob bedeutet grundsätzlich einen Motivationsschub. Tadel führt in die innere Kündigung. Frustration am Arbeitsplatz führt zu Minderleistung, dies ist eindeutig belegt. Wer gern zur Arbeit geht, der leistet auch mehr, dies ist ebenso belegt. Aber dummerweise kann in Dtld. jeder Klugscheißer seine überflüssigen Ergüsse an den Mann bringen. Jetzt weiß ich auch, auf welche Grundlage, die vielen Bespitzelungsfälle in den Betrieben, zurückzuführen sind, die Forderung, dass der Arbeitnehmer Eigentum des Unternehmers zu sein hat, führt auch zu kriminellen Machenschaften dieser Art. Na dann Prost Mahlzeit.
3. .
kuchenbob, 04.08.2010
Mir gefällt das Wort "Erziehung" nicht. Zudem hat der Artikel meiner Meinung nach auch überahupt nichts mit Härte zu tun. Die Phrase "Nicht geschimpfst ist Lob genug" hat mhiermit auch nichts zu tun. Aber natürlich hat er Recht. Ich habe zehn Jahre in einem Unternehmen gearbeitet, in dem nach und nach verbindliche Standards eingeführt wurden. Das hat allen das Leben erleichtert. Weniger Irritationen, weniger Kompetenzgerangel, weniger Unruhe. Es fühlt sich zunächst schon merkwürdig an, da man zunächst das Gefühl hat in seiner Arbeit eingeschränkt zu werden, aber rückblickend muss ich sagen, dass für alle verbindliche Standards hilfreich sein können. Jetzt arbeite ich seit ein paar Jahren in einer kleinen Firma in der so ziemlich überhaupt nichts verbindlich organisiert ist. Dinge die einmal besprochen wurden sind am Tag drauf hinfällig und sogar falsch weil der Chef auf einmal der Meinung ist man wäre mit einer verbindlichen Organisation weniger flexibel. Jeder Tag wird das Rad neu erfunden, niemand weiss was der andere macht, wieder Kompetenzgerangel, Chaos, Streit. Es ist zum Heulen. Zunächst wurde mein Ordnungssinn und mein Willen Dinge zu organisieren gelobt, nach kurzer Zeit jedoch stand ich als Querulant da, der auf irgendwelchen, angeblich blödsinnigen Prinzipien herumreitet. Schrecklich, schrecklich, schrecklich.
4. Blödsinn!
theorie 04.08.2010
Selten so einen Blödsinn gelesen! Wer keine Eigeninitiative, Engagement und Ideen von seinen Mitarbeitern erwartet, der kann sich solch einen Führungsstil gerne zulegen.
5. Tolle Idee!
blue_plasma, 04.08.2010
Selten so einen großen Blödsinn gelesen. Ich arbeite in einer Abteilung, in der so "geführt" wird. Was ist das Ergebnis? Hoher Krankenstand, Selbstherrlichkeit des Chefs, Mitarbeiter die Medikamente brauchen damit (nicht nur) das Arbeiten Spaß macht, jeder verpisst sich wo es nur möglich ist, alle werden für ihre Arbeitskarft "entgolten", KEINE Identifikation mit dem Laden mehr. Toll.... wirklich. Das Problem ist der Chef und seine Art. Ich kenne die Abteilung nämlich noch unter anderen Chefs und bezüglich der Arbeitsleistung der Mitarbeiter es ist kein Vergleich...
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