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Plagiatsvorwurf gegen Lammert: Vorprüfung an Uni Bochum dauert an

Bundestagspräsident Lammert: Hängepartie um Plagiatsvorwürfe Zur Großansicht
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Bundestagspräsident Lammert: Hängepartie um Plagiatsvorwürfe

An der Uni Bochum hat das Rektorat getagt, aber noch nicht entschieden, ob es ein Plagiatsverfahren gegen Bundestagspräsident Norbert Lammert geben soll. Der zuständige Ombudsmann hat seine Vorprüfung noch nicht abgeschlossen - eine Hängepartie.

Fast auf den Tag genau ist es einen Monat her, dass ein anonymer Plagiatsjäger mutmaßlich verdächtige Stellen in der Doktorarbeit von Norbert Lammert veröffentlichte. Die Aufregung war groß, der Bundestagspräsident beteuerte, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet zu haben, er ließ seine Dissertation auf seiner Website veröffentlichen und bat die Uni Bochum um Prüfung der Vorwürfe.

Der zuständige Ombudsmann nahm die Arbeit auf; der Uni-Rektor, Elmar Weiler, sagte im Interview mit SPIEGEL ONLINE, er gehe davon, dass sich an diese Vorprüfung ein offizielles Plagiatsverfahren anschließe. Doch genau das ist noch immer nicht klar: Denn nach wie vor ist die Plausibilitätsprüfung durch den Ombudsmann nicht abgeschlossen, eine Empfehlung von ihm gibt es nicht. Bei einer Rektoratssitzung am Dienstag dieser Woche konnten die Teilnehmer daher nicht darüber entscheiden, ob sie weitere Schritte einleiten. Lammert muss weiter warten, das Verfahren droht, zur Hängepartie zu werden.

Es handelt sich um ein mehrstufiges Verfahren. Erst prüft der Ombudsmann, ein Mediziner, die Arbeit von Lammert, der in Politikwissenschaft promoviert hat (hier als PDF). Uni-Rektor Weiler sagte dazu: Der Ombudsmann sei "ein angesehener und erfahrener Wissenschaftler, der zunächst nur eine Plausibilitätsprüfung durchführt. Er prüft nicht inhaltlich, sondern sagt uns lediglich, ob eine weitere Untersuchung nötig ist, und davon gehe ich aus". Wann es so weit ist, bleibt unklar. Die Uni ließ lediglich mitteilen, dass sie die Öffentlichkeit darüber informieren werde.

Lammert wurde von den Vorwürfen vor einem Monat völlig überrascht, er erfuhr erst durch eine Zeitungsanfrage davon. Politiker aller Parteien mahnten in der Folge zur Zurückhaltung und warnten vor Vorverurteilungen, neben Koalitionsabgeordneten auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck.

otr

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1.
Pat-Riot 28.08.2013
Ein Artikel der mit "fast genau" anfängt, ist schon verloren. Es gibt nix Gutes im Falschen.
2. Nun ja
ein-berliner 28.08.2013
Zitat von sysopDPAAn der Uni Bochum hat das Rektorat getagt, aber noch nicht entschieden, ob es ein Plagiatsverfahren gegen den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert geben soll. Der zuständige Ombudsmann hat seine Vorprüfung noch nicht abgeschlossen - eine Hängepartie. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/plagiatsaffaere-um-lammert-vorpruefung-an-uni-bochum-dauert-an-a-919074.html
Wenn schon die VOR-prüfung noch nicht abgeschlossen werden konnte, was passiert eigentlich bei einer inhaltlichen NACH-prüfung?
3. Lieber echte Professoren als falsche Doktoren
Guduli 28.08.2013
Lieber eine Partei mit echten Professoren als eine Partei mit falschen Doktoren.
4. Wer weiß, denkt nicht und wer denkt, weiß nicht!
wibo2 28.08.2013
Zitat von sysopDPAAn der Uni Bochum hat das Rektorat getagt, aber noch nicht entschieden, ob es ein Plagiatsverfahren gegen den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert geben soll. Der zuständige Ombudsmann hat seine Vorprüfung noch nicht abgeschlossen - eine Hängepartie. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/plagiatsaffaere-um-lammert-vorpruefung-an-uni-bochum-dauert-an-a-919074.html
Lammert habe die Auseinandersetzung mit politikwissenschaftlichen Texten in einigen Fällen lediglich simuliert, indem er aus Überblickstexten abschrieb oder umschrieb, ohne dies durch Nennung dieser Texte kenntlich zu machen. Handelt es es sich bei Lammert, wie bei vielen anderen um nichtmehr als einen banalen Bürokraten? Einen Macher? Um jemanden, der selber nicht ... (viel und tief) ... denkt. Obwohl er als Professor auftritt und sich als Intellektueller in der Öffentlichkeit darstellt. Das größte Problem an Lammerts Arbeit sei, dass sie sich einer etablierten wissenschaftlichen Methode bediene. Etwa im Sinne von ... "Die Wissenschaft denkt nicht, ..."wie Heidegger meinte? Die Lehren aus unserer unseligen politischen Vergangenheit scheinen klar zu sein: Selber denken sollen wir! Aber haben sich nicht Verleumdung, Isolation und finanzieller Druck als effektive Mechanismenherausgestellt, die in der Praxis viele von uns auch heute noch vom kritischen Denken in der Öffentlichkeit abhalten? Insbesondere für Doktorarbeiten und Doktoren sollte eigenständiges Denken als Bildungsziel gelten, im Sinne der gerne zitierten "Bildung durch Wissenschaft"? Darf eigenständige Diskussion und wissenschaftkiche Argumentation ersetzt werden durch paraphrasierte Lehrbuchtexte? Die Frage ist: Was würde denn passieren, wenn einfach jeder Doktorand eigenwillig mitdenken würde? Ist das eigenständige Denken im Sinne einer originellen Theoriebildung bei deutschen Doktoranden überhaupt erwünscht? Die Fälle Lammert und Schavan werfen grundsätzliche und alarmierende Fragen an die deutsche Wissenschaft und deren Repräsentanten systemrelevant auf. Armes Deutschland! siehe https://erbloggtes.wordpress.com/2013/08/01/norbert-lammert-plagiator-ohne-plagiate/#more-2997
5. Und wem hilft dieser Zwischenbericht...
BettyB. 28.08.2013
Nichts Neues in Waldhagen, aber Zeilenhonorar? Seltsamer Journalismus...
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