Frauen in der Wissenschaft: Kann Kinderkriegen Sünde sein?

Frauen bleiben beim Wettlauf um Professorenposten oft auf der Strecke. Biophysik-Professorin Petra Schwille empfiehlt deshalb: erst Karriere und dann Kinder machen. Die Anthropologinnen Victoria Hegner und Anna-Carolina Vogel widersprechen: Wer solche Ratschläge gibt, passt sich an.

Akademiker-Nachwuchs: Ist frühes Kinderglück eine Karrierebremse?
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Akademiker-Nachwuchs: Ist frühes Kinderglück eine Karrierebremse?

Mehr Frauen als Männer schließen ein Studium ab, doch danach kippt das Verhältnis zugunsten der Männer: Waren 2010 gut die Hälfte der Absolventen weiblich, waren es bei den Promovierten 44 und bei den Habilitierten nur 25 Prozent. Unter den Professoren in der höchsten Besoldungsstufe waren sogar nur 15 Prozent Frauen, bemängelte kürzlich der Wissenschaftsrat.

Damit sich das endlich ändert, fordert nicht nur der Wissenschaftsrat eine Frauenquote für Hochschulen. Eine solche Quote wollen auch die Biophysikerin Petra Schwille und die Anthropologinnen Victoria Hegner und Anna-Carolina Vogel - doch davon abgesehen haben die drei Frauen unterschiedliche Ansichten darüber, was für mehr Chancengleichheit in der Wissenschaft getan werden muss.

Schwille wurde mit 34 Jahren Professorin und ermutigt junge Frauen, es ihr nachzutun - um danach unbesorgt eine Familie gründen zu können. Je früher begabte Frauen in eine Führungsposition aufsteigen können, desto besser.

Frauen sollten beim Wettlauf an die Spitze nicht mitmachen müssen, finden die Göttinger Anthropologinnen Hegner und Vogel. Stattdessen müsse das System so verändert werden, dass auch Frauen in weniger prestigeträchtigen Jobs guten Gewissens eine Familie gründen können.

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insgesamt 40 Beiträge
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1. optional
u30 01.08.2012
Ich habe das Gefühl, dass es bei diesen Kind und Karriere Artikeln irgendwie aussschliesslich um Mütter geht. In Finnland ist mir aufgefallen wie viele junge Väter sich dort um ihre Kleinen kümmern (und wieviel Freude sie dabei hatten). Dort ist es normal, dass erst die Frau und dann der Mann ein Jahr Auszeit nehmen. Ich glaube, dass wir anfangen müssen, diese Diskussion als ganze Gesellschaft zu führen, in der es normal wird ein Jahr (bzw. alle zwei Jahr ein Jahr) zu fehlen. Denn ich glaube schon, dass auch viele Männer sich um ihre Kiddies kümmern möchten, und dass der Ausfall aus dem Beruf kein ausschliesslich weiblich Problem bleiben wird. Die Strukturen aus den 50ern müssen einfach aufgweicht werden.
2. Kinder während des Studiums...
vogtnuernberg 01.08.2012
Wer Kinder während des Studiums mit 20 bekommt, der kann sicher sein, dass sie wenn die Karriere startet mit 26 bis 30 die Kinder aus dem Gröbsten raus sind.
3. Oder die akademische Laufbahn vermeiden?
Dieter Weber 01.08.2012
Es gibt Alternativen zur Wissenschaft. Dann muss man sich auch nicht jahrelang mit befristeten Stellen rund um den Globus über Wasser halten, bis man VIELLEICHT eine Festanstellung hat. Eine akademische Karriere ist nicht familienfreundlich, nicht für Männer und nicht für Frauen.
4. Wie praktisch, dass Frau Schwille keine Söhne hat
gumbofroehn 01.08.2012
Zitat von sysopDas heißt vermutlich, dass begabte Männer eine Weile benachteiligt werden.
Der Wunsch nach Benachteiligung der Männer wird Frau Schwille schon heute erfüllt, nämlich durch das Professorinnenprogramm des BMBF (BMBF › Ministerium › Frauen im Wissenschaftssystem (http://www.bmbf.de/de/494.php/)). Indem man dort den Bewerberinnen im Verfahren buchstäblich ein Schnitzel um den Hals hängt, schafft man für Hochschulleitungen starke Anreize, die Qualifikationen der Kandidatinnen und Kandidaten im Feld nicht zum entscheidenden Kriterium bei der Berufungsentscheidung zu machen. Man liest bisweilen schon Ausschreibungen, in denen "vorbehaltlich des Erhalts von Mitteln aus dem Professorinnenprogramm" ausgeschrieben wird. Das heißt dann im Klartext: "Männer, spart Euch die Bewerbung, wir berufen eine Frau." Im Grunde ist das sogar noch die faire Variante, weil man(n) wenigstens noch erkennen kann, dass er sich den Aufwand sparen kann. Angenommen, Frau Schwille hätte Söhne: Wie würde sie es finden, wenn diese aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt würden?
5. Genauso isse!
schmunda 01.08.2012
[QUOTE=u30;10664933]. Die Strukturen aus den 50ern müssen einfach aufgweicht werden.[/QUOTE Diese ewige Debatte offenbart nämlich das eigentlich "Problem". Es scheint in vielen Ländern noch selbstverständlich, dass Frauen naturgegeben der Löwenanteil an der Aufzucht des Nachwuchs' zusteht. Ich möchte die Leistung der Frauen nicht herabwürdigen, aber abgesehen von den letzten 2, 3 Monate Schwangerschaft, die echt anstrengend sind, der eigentlichen Geburt und dem Stillen, kann der andere Partner alles mitübernehmen. Der Tipp von Frau Dr. Schwille ist geradezu perfide, da ja Professorestellen und andere permanente Beschäftigungsverhältnisse an Universitäten geradezu von den Bäumen wachsen und (auch sehr bezeichnend) eine Professorenstelle ein Hafen der Ruhe ist. Ich schätze 80% der Frauen, die dieser Empfehlung folgen haben mit 40 dann eine gescheiterte akademische Laufbahn, einen vergrätzen Partner und gute Aussichten auf ein Kind mit Trisomie 21. Das klingt hart. Härter allerdings ist, wie wenig wert man in Deutschland auf Nachwuchs zu legen scheint. Mein Vorschlag: Flucht nach vorn. Kinder während des Studiums oder der Doktorarbeit. Selbst erlebt und für gut befunden!
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