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Interview zu MBA-Studenten: "Barbies und Kens im Businesslook"

Sind MBA-Studenten wirklich High-Potentials? Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger lässt an Absolventen mit dem wohlklingenden Wirtschaftsabschluss kein gutes Haar: Ihnen fehle es an Loyalität, und ihre Ausbildung sei einzig auf die Vermehrung von Macht und Geld ausgelegt.

Ex-Telekom-Personalchef Sattelberger: "Selbsternannte High-Potentials" Zur Großansicht
REUTERS

Ex-Telekom-Personalchef Sattelberger: "Selbsternannte High-Potentials"

UniSPIEGEL: Werden deutsche Unternehmen derzeit von MBAlern überrannt, die in den USA keinen Job finden?

Sattelberger: Seit ungefähr zwei Jahren nehmen die Bewerbungen zu. Wer im Ausland einen MBA erworben hat, hatte wahrscheinlich darauf spekuliert, längere Zeit nicht nach Deutschland zurückzukehren. Doch der Arbeitsmarkt in den USA und in Großbritannien läuft schlecht, vor allem in der Finanzwirtschaft und der Beratung. Diese häufig monetär getriebenen Absolventen können aber nicht erwarten, dass wir deshalb jetzt die Arme ausbreiten.

UniSPIEGEL: Warum nicht?

Sattelberger: Nicht wenige große deutsche Unternehmen haben schlechte Erfahrungen mit der Loyalität und Treue von angelsächsisch ausgebildeten MBAlern gemacht. Die Skepsis gegenüber diesen häufig selbsternannten High-Potentials ist daher groß: Sie gelten als Job-Hopper, die nur nach Eigenoptimierung streben. Jeder Personalchef weiß, dass sich Arbeitnehmer weiterentwickeln wollen, aber wenn Status und Gehaltszettel zum Wichtigsten werden, muss es zu Irritationen kommen.

UniSPIEGEL: Ein teurer MBA-Abschluss aus Übersee ist also hierzulande keine Jobgarantie?

Sattelberger: Nein. Wer dachte, mit einem US-amerikanischen oder britischen MBA-Abschluss könne man in jedem deutschen Unternehmen Karriere machen, hat sich verzockt. Auch aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung: Das Studium ist häufig nur darauf angelegt, Geld und Macht zu vermehren. Das zählt vielleicht für die Investmentbranche, aber nicht für Unternehmen, die mit realer Wertschöpfung zu tun haben.

UniSPIEGEL: Welche Kernkompetenzen zählen denn für Sie?

Sattelberger: Konzerne müssen zum Teil sehr schnell schwierigste Umwälzungsprozesse bewältigen, doch die Barbies und Kens im einheitlichen Businesslook predigen häufig nur Wirtschaftsweisheiten aus der Vergangenheit. Wir brauchen aber Talente mit unterschiedlichen Hintergründen und einem Verständnis von Soziologie, Psychologie oder Geschichte. Bildung, Verlässlichkeit und nachhaltiges Wirtschaften sind nämlich wichtiger als Shareholder-Value.

Das Interview führte Lena Greiner

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insgesamt 84 Beiträge
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    Seite 1    
1. Wow...
captainpetrov 25.05.2012
...selten so klare Worte eines "Betroffenen" gehört. Ich könnte meine Gefühle gegenüber den MBAlern nicht besser ausdrücken!
2. Wow...
captainpetrov 25.05.2012
...selten so klare Worte eines "Betroffenen" gehört. Ich könnte meine Gefühle gegenüber den MBAlern nicht besser ausdrücken!
3. O.k.
Duke_NewCam 25.05.2012
Er hat Recht: "Bildung, Verlässlichkeit und nachhaltiges Wirtschaften sind nämlich wichtiger als Shareholder-Value" - aber wer glaubt schon da dran und lebt danach? Unsere DAX-Vorstände gehen lieber "'dran Glauben" als dem Gott des Shareholder Value abzuschwören. Brauchen Sie auch nicht: Es gibt genug Gierige und Willige ohne MBA Abschluss. Wirklilch!
4.
horst.vogel 25.05.2012
Zitat von sysopREUTERSSind MBA-Studenten wirklich High-Potentials? Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger lässt an Absolventen mit dem wohlklingenden Wirtschaftsabschluss kein gutes Haar: Ihnen fehle es an Loyalität und ihre Ausbildung sei einzig auf die Vermehrung von Macht und Geld ausgelegt. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,834218,00.html
wie kann ein führender Personalmanager mit solchen Vorurteilen überhaupt in einer Institution geduldet werden, das ist ja Bildzeitung pur, ich bin sehr enttäuscht von solchen kadern, nein Danke!!
5. Mit einem guten MBA und ...
karhu1 25.05.2012
... einem guten Lebenslauf muss man schon bescheuert sein, um in so einer traegen Beamtenbude wie der Telekom einzusteigen.
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© UniSPIEGEL 3/2012
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Titelbild
Heft 3/2012 Universitäten trainieren die CSI-Ermittler von morgen
Zur Person
  • Deutsche Telekom
    Thomas Sattelberger, Jahrgang 1949, ist seit 2007 Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Deutschen Telekom. Die gleiche Position hatte er zuvor beim Autozulieferer Continental. Im Mai schied Sattelberger bei der Telekom aus und wird nun für die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) als Themenbotschafter für Personalführung arbeiten. Die INQA wurde 2002 als gemeinsame Initiative von Bund, Ländern, Sozialversicherungsträgern, Gewerkschaften und Arbeitgeber-Verbänden gegründet. Sie erarbeitet Lösungsvorschläge und Gesetzesvorlagen zum Themea Arbeitswelt.

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