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Schavans Praktikanten-Ratgeber: Darum bekommt ihr nichts

Betreuung? Bezahlung? Urlaub? Nichts davon lernen viele Schüler und Studenten im Praktikum kennen. Eine Broschüre soll jetzt Klarheit schaffen und für Fairness werben. Doch sie stammt aus dem Bildungsministerium, das klare Regelungen bisher verhindert hatte.

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Die "Generation Praktikum" macht mobil: Protest gegen schlechte Arbeitsverhältnisse

"Nutzen für Praktikanten und Unternehmen" verspricht die 60-seitige Broschüre, die unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht wurde. Sie enthält rechtliche Hinweise und Musterverträge, dazu Erläuterungen zu Versicherungen, Bezahlung und Urlaubsansprüchen, weil, wie es im Vorwort heißt, "gar nicht selten Unsicherheit über die Rahmenbedingungen und konkreten vertraglichen Wirkungen" eines Praktikums bestehen.

Doch Praktikanten, die auf eine bessere rechtliche Absicherung ihrer häufig prekären Lage hoffen, sollten sich nicht zu früh freuen. Das Heft stellt nur bereits geltende Regelungen zusammen, belässt es aber sonst bei Empfehlungen.

Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Broschüre ausgerechnet vom BMBF kommt - denn es war Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die bisher mit ihrem Widerstand bessere Bedingungen für Praktikanten verhindert hatte. Auch andere Berliner Ministerien hatten sich früher beim Umgang mit Praktikanten nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Jetzt gibt es offenbar ein leichtes Umdenken: Mit dem neuen Heft soll allen Beteiligten klar gemacht werden, was ihnen zusteht. So können Praktikanten zum Beispiel Anspruch auf Urlaubstage haben. Das gilt, sofern sie kein Pflichtpraktikum machen, das etwa in der Schule oder in ihrem Studium vorgeschrieben ist. Wie viele Urlaubstage Hospitanten in einem freiwilligen Praktikum zustehen, richtet sich nach dessen Dauer und dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindesturlaub.

"Keine billigen Arbeitskräfte"?

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Arbeitnehmern bei einer 5-Tage-Woche mindestens 20 Urlaubstage im Jahr zustehen. Übertragen auf einen Praktikanten heißt das, dass ihm etwa bei einer Hospitanz von drei Monaten mindestens fünf Tage Urlaub zustehen. Allerdings muss der Arbeitgeber in zwei Ausnahmefällen auch bei freiwillig absolvierten Praktika keinen Urlaub genehmigen: Wenn die Hospitanz weniger als einen Monat dauert oder wenn der Praktikant nicht aktiv in den Arbeitsprozess eingebunden wird und keinen "wirtschaftlich verwertbaren Beitrag" leistet. Der Leitfaden, betont das Ministerium, "soll sicherstellen, dass in Wirtschaft und Verwaltung die klaren Regeln auch eingehalten werden".

"Praktikanten sind keine billigen Arbeitskräfte", wirbt das BMBF für einen ordentlichen Umgang mit den Mitarbeitern auf Zeit. Obwohl etwa für Pflichtpraktika, wie sie während eines Studiums verlangt werden, kein gesetzlicher Vergütungsanspruch besteht, heißt es in der Broschüre: "Selbstverständlich aber kann der Arbeitgeber das Engagement eines Pflichtpraktikanten honorieren und freiwillig eine Vergütung zahlen."

In eigener Sache ist es mit der Freiwilligkeit allerdings nicht allzu weit her. In seinem aktuell gültigen "Merkblatt über Praktika" schreibt das BMBF: "Eine Praktikantenvergütung kann nicht gewährt werden. Fahrt- und Unterbringungskosten werden nicht erstattet. Während des Praktikums besteht kein Urlaubsanspruch."

Auch so kann Transparenz und Klarheit aussehen.

him/dpa

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