Es gibt zwei Formen von Eheglück: echtes und vorgetäuschtes. Interessanterweise präsentieren diejenigen, die in einer wirklich erfüllten Partnerschaft leben, ihr Glück den Kollegen nicht wie einen Tennispokal. Sie müssen niemandem etwas beweisen - sie genießen stumm. Nur winzige Spuren, etwa funkelnde Augen am frühen Morgen, deuten am Arbeitsplatz auf ihre harmonische Zweisamkeit hin.
Andere Kollegen drehen den Lautstärke-Regler voll auf: Sie singen dreimal am Tag die Hymne "Mein Partner ist ja so toll!" Da gibt es den Kollegen, der dauernd erwähnt, seine Frau würde auf der Straße von Fotografen angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, die Nachfolge von Claudia Schiffer anzutreten (was sie freilich, mit Hinweis auf ihren Göttergatten, resolut zurückweist).
Da gibt es die Kollegin, die von ihrem Mann schwärmt wie ein Teenager von einem Popstar. Jeden Tag bringe er ein kleines Vermögen nach Hause (denn er ist Großverdiener), jeden Abend zaubere er das Abendessen auf den Tisch (denn er will seine Gemahlin schonen). Seine Rosensträuße sind angeblich so groß, dass er sie nur mit offenem Verdeck transportieren kann. Und natürlich ist er "auch als Heimwerker ein Genie", das nur deshalb die Glühbirne nicht erfindet, weil sie schon erfunden ist.
Bei so viel Schwärmerei werden die umstehenden Kollegen schmerzlich daran erinnert, dass ihr Partner ein kleineres Gehalt, ein größeres Bäuchlein und auch sonst ein paar Macken hat, die ihn als Supermann (oder -frau) disqualifizieren. Und war genau dieser Effekt, das Wecken von Neid, nicht auch beabsichtigt?
Allerdings fällt auf: Die Haltbarkeit dieser hymnisch besungenen Ehen wird oft von frischen Erdbeeren übertroffen (während das stille Glück über Jahrzehnte hält). Aber flugs schließen die Glücks-Lautsprecher eine neue Ehe - und ihre Hymne beginnt von vorn.
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