Von Laura Gitschier
Wer so clever ist wie Markus Weigl, 26, der gerade erst die Handelshochschule in Leipzig absolviert hat, macht einfach sein Hobby zum Beruf. Er verdient sein Geld mit der Liebe oder, na ja, eher mit Liebeskitsch: Seine Hochzeitstauben GmbH lässt das weißgefiederte Friedenssymbol-Geflügel bei Hochzeitsfeiern in den Himmel steigen. Der Sachse hatte sich bereits als kleiner Junge leidenschaftlich der Taubenzucht verschrieben. Während des Studiums gründete er dann sein Start-up, heute arbeitet Markus Weigl hauptberuflich in der Firma. Seine Vögel flattern, beispielsweise zum Programmpunkt "Märchenhafte Pfautaubenzeremonie", unter anderem in Dresden, Chemnitz und Berlin durch die Lüfte.
Zunehmend unterstützen die Universitäten das Gründerfieber ihrer Studenten, das hat eine Studie von Wirtschaftsgeografen der LMU München festgestellt: Deutschland verfüge mittlerweile über eine etablierte Start-up-Kultur an den Hochschulen. Trotzdem gibt es noch große Unterschiede von Uni zu Uni. Am besten schneidet im Ranking die Technische Universität München ab. Es folgen die TU Berlin und die Bergische Universität Wuppertal, die sogar eigene Gründungslehrstühle eingerichtet haben.
An vielen Universitäten helfen Gründerbüros den Studenten bei den ersten Schritten. Etwa an der Uni Köln: Hier überprüfen zwei Mitarbeiter kostenlos die Geschäftsidee und klären Fragen wie: Welche Rechtsform sollte die Firma haben? Wie sieht ein ordentlicher Businessplan aus? Die Zahl der Interessierten steige, berichtet Mitarbeiter Marc Kley.
Es reicht nicht, nur besser, schneller, billiger zu sein
Die Güte der Ideen allerdings schwankt wohl sehr. Ungefähr zwei ernsthafte Gespräche in der Woche führt das Kölner Team. "Die Hälfte der Interessierten sieht man nur einmal und dann nie wieder, nachdem wir im Erstgespräch die Idee bewusst kritisch hinterfragt haben", erzählt Kley. Dafür seien die anderen 50 Prozent dann aber erst recht angefixt und kommen, gut vorbereitet, zu den weiteren Beratungen.
Manche scheitern schon am "Pitch", also daran, ihre Geschäftsidee klar und interessant darzustellen und das Gegenüber zu überzeugen. Es geht dabei im Grunde um die vermeintlich schlichte Frage: Wer braucht das eigentlich? Einfach nur besser, schneller oder billiger zu sein, erklärt Kley, reiche nicht aus - denn das behauptet jeder Gründer. Wichtiger sei es, konkrete Zahlen nennen zu können: dass sich beispielsweise 20 Prozent der sonst üblichen Kosten durch den Einsatz einer neuen Technologie sparen ließen.
Viele Junggründer planen zu ungenau oder unterschätzen den Arbeitsaufwand, den eine Gründung mit sich bringt. Der eine setzt die Anfangspreise zu gering an, der andere vergisst, den eigenen Lohn mitzukalkulieren. Dabei zeigen sich BWL-Studenten kaum besser vorbereitet als Ingenieure oder Naturwissenschaftler.
Zwei Studenten glauben an die Wurst-Toast-Kultur
Wirtschaftsstudent Marco Bruns, 29, und Ingenieur Felix Rennies, 26, haben sich ihren Talenten entsprechend die Arbeit geteilt. Der eine ist zuständig für die technische Raffinesse, der andere für wirtschaftliche Strategien und Marktanalysen. Das Bremer Duo entwickelte noch während der Studentenzeit einen Wursttoaster. In ihre Edelstahlmaschine steckt man senkrecht zwei Bratwürste in die runden Öffnungen, wartet drei Minuten, und, voilà, gleichmäßig gebräunt poppen die Würstchen wieder hoch.
Die Idee entstand auf einer Reise durch Großbritannien. Die Studenten fanden, dass die Engländer einfach keine gute Wurst zubereiten können. Das müsse man automatisieren, witzelten die beiden. Ihre Idee sei, so sagt es Felix, einfach nur "schön doof" gewesen. "Uns war aber schnell klar: Nur weil es witzig ist, kauft das Ding niemand." Also machten sie sich an die Arbeit. Zwei Jahre brauchte es, da waren die beiden bei der fünften Version des Geräts angelangt und zogen los, einen 100-seitigen Businessplan in der Tasche.
Seit der Markteinführung vor fünf Monaten haben sie schon mehr als hundert Snack-Toaster verkauft, an Tankstellen, Spielotheken und Kneipen - und das für einen Preis von 600 Euro. Sogar nach Singapur, Holland und Israel gingen Geräte. Heute können Marco und Felix von ihrer Smartwurst GmbH leben und sich selbst ein kleines Gehalt auszahlen. Beide hatten in der Zwischenzeit gute Jobangebote. Sie lehnten ab, um die internationale Wurst-Toast-Kultur weiter voranzubringen.
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