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24. Mai 2012, 11:15 Uhr

Plagiatsfall Veronica Saß

Stoiber-Tochter unterliegt im Titelkampf

Sie inspirierte die Plagiatsjäger-Plattform VroniPlag zu ihrem Namen, jetzt verlor Veronica Saß den juristischen Kampf um ihren Titel: Die Tochter von Edmund Stoiber bekommt ihren Doktor nicht zurück. Ein Gericht wies ihre Klage gegen den Entzug ab.

Sie bleibt ohne Dr. vor ihrem Namen: Veronica Saß, die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), ist im Kampf um ihren Doktortitel unterlegen. Das Verwaltungsgericht Freiburg wies ihre Klage gegen den Titelentzug durch die Uni Konstanz ab. Damit bestätigt das Gericht die Entscheidung der Hochschule.

Eine Berufung ließ das Gericht nicht zu. Ganz ausgeschlossen ist allerdings nicht, dass der Rechtsstreit weitergeht: Saß könnte beim Verwaltungsgerichtshof Manheim, der nächsthöheren Instanz, beantragen, dass doch Berufung zugelassen wird.

Die Vorgeschichte: Saß hatte ihre Promotion zum Thema "Regulierung im Mobilfunk" im Jahr 2008 an der Uni Konstanz eingereicht. Nach der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nahmen sich anonyme Plagiatsjäger im Internet die Arbeit von Saß vor. Auf der Internetplattform VroniPlag, benannt nach dem Spitznamen der Juristin, inspizierten sie die Arbeit und wurden fündig. Am 14. Februar 2011 erfuhr die Uni Konstanz von den Vorwürfen und leitete die universitäre Überprüfung der Arbeit ein.

Die Uni entzog den Titel, Saß klagte

Ein Jura-Professor, der die Arbeit gelesen hat, sagte damals, für eine wissenschaftliche Karriere habe die Dissertation "nicht gereicht". Verbesserungsvorschläge und Anmerkungen habe die Doktorandin Saß ausgeschlagen, als klar war, dass es zum Titel reicht.

Im Mai 2011 entschied die Uni Konstanz: Saß verliert den Doktortitel. Der Promotionsausschuss des Fachbereichs Rechtswissenschaften hatte ihre Arbeit geprüft und kam zu dem Ergebnis, dass erhebliche Teile der Arbeit plagiiert wurden, wie es in einer Mitteilung hieß. "Der Doktorgrad wurde entzogen, da seinerzeit die rechtlichen Voraussetzungen für eine Verleihung nicht vorlagen", sagte der Rektor Ulrich Rüdiger damals.

Saß wollte die Entscheidung nicht hinnehmen und ließ dagegen klagen. Am Mittwoch, also gut ein Jahr nach dem Titelentzug, kam es zur Verhandlung. Vor Gericht argumentierten ihre Anwälte, Saß habe nicht vorsätzlich getäuscht, alle verwendeten Quellen würden im Literaturverzeichnis auftauchen. Zudem sei Saß nicht ausreichend betreut worden.

Der Argumentation der Saß-Anwälte folgte das Gericht nicht. Eine ausführliche Begründung für die Entscheidung ist allerdings noch nicht veröffentlicht, damit ist erst nach Pfingsten zu rechnen. Die Saß-Anwälte teilten mit, dass sie die Begründung abwarten und danach darüber entscheiden wollen, ob sie Rechtsmittel einlegen werden.

Die Uni Konstanz wiederum sieht sich bestätigt. Sprecherin Julia Wandt sagte: "Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts haben wir mit Erleichterung aufgenommen." Man gehe davon aus, "dass das Gericht unserer Argumentation vollständig gefolgt ist".

otr

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