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Streit im Büro Wie man Kollegen und Bomben entschärft

Gute Laune, schlechte Laune im Büro: Jeder beeinflusst das Klima selbstZur Großansicht
Corbis

Gute Laune, schlechte Laune im Büro: Jeder beeinflusst das Klima selbst

3. Teil: Die Hölle, das sind die anderen... Soll am Arbeitsplatz Hoch- oder Tiefdruck herrschen? Jeden Tag entscheiden Sie es neu

Manche Talkshow gleicht einem Boxkampf, nur dass die Politiker sich nicht mit Fäusten, sondern mit Worten attackieren: Der Konservative nennt den Linken einen "Volksverhetzer", weil dieser Firmen verstaatlichen will. Und der Linke nennt den Konservativen einen "Knecht des Kapitals", weil dieser für die Freiheit der Unternehmer eintritt.

Die beiden beschimpfen einander. Albern? Jeder tut nur seinen Job: Der Konservative ist konservativ, der Linke ist links. Was ist daran verwerflich?

Doch solche "Talkshows" laufen auch in Ihrer Firma ab. Am Anfang prallen zwei Meinungen aufeinander. Zum Beispiel die des Controllers und die des Werbeleiters. Der eine will Geld sparen, der andere Geld für Werbung ausgeben. Jeder macht sich zum Anwalt seiner eigenen Position. Keiner weicht einen Schritt zurück. Je mehr die Fronten sich verhärten, desto lauter die Diskussion. Jeder tut so, als hätte er - nur er - die Weisheit gepachtet.

"Wenn wir kein Geld sparen", sagt der Controller, "dann sind wir bald pleite." - "Wenn unsere Werbung keine Kunden gewinnt", entgegnet der Werbeleiter, "dann können wir den Laden erst recht dicht machen."

Muss die Diskussion entgleisen? Üben Sie Verständnis

Das Schwert der Polemik, zunächst geschwungen, um die eigene Position zu verfechten, sticht jetzt nach dem Kollegen als Person. Der Controller schimpft: "Ihr Werbefritzen habt den Kopf voller Ideen, aber ihr habt keine Ahnung von betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen." Der "Werbefritze", mit seinem Berufsstand diffamiert, antwortet: "Und ihr Controller seid kleinkarierte Zahlenfuzzis, die über Geld bestimmen wollen, das andere Leute für die Firma verdienen."

Dabei wollte jeder nur seinen Job machen. Doch die legitime Absicht, die eigene Position durchzusetzen, ist zu einem Hauen und Stechen entartet. Das passiert auch innerhalb von Abteilungen.

Wollen Sie es wirklich zulassen, dass die Diskussion um eine Sache so entgleist? Klüger wäre es, die Eskalation rechtzeitig abzuwenden. Fünf Tipps dazu:

1. Überlegen Sie genau: In welcher Rolle spricht Ihr Kollege? Vertritt er eine Abteilung oder bestimmte Interessen? Muss er so sprechen, weil er diese Rolle einnimmt (ein Controller kann nicht für Mehrausgaben plädieren!)? Legen ihm sein Wissen oder seine Erfahrungen diesen Standpunkt nahe? Versetzen Sie sich in seine Haut: Kann es sein, dass Sie an seiner Stelle ähnlich argumentierten?

2. Auch wenn Ihnen der andere Standpunkt nicht gefällt: Prüfen Sie ihn gründlich. Kann es sein, dass Ihr Kollege einen Zipfel der Wahrheit erwischt hat? Wenn ja, wie könnten Sie ihm einen Schritt entgegenkommen? Und welche Zugeständnisse von seiner Seite erwarten Sie?

3. Ziehen Sie einen klaren Trennstrich: Die Rolle und die Position eines Menschen stehen auf einem anderen Blatt als seine Persönlichkeit. Wer einen Standpunkt vertritt, den Sie für idiotisch halten, muss deshalb kein Idiot sein; er ist nur anderer Meinung.

4. Weisen Sie, wenn nötig, lediglich die Position zurück - nicht die Person. Entwickeln Sie den Ehrgeiz, die Argumentation des Kollegen in Ihren Worten so gut zu wiederholen, dass er es nicht besser könnte. Dieses aktive Zuhören klärt den Inhalt. Vor allem zeigen Sie Respekt, denn Sie befassen sich mit seiner Sicht der Welt und achten ihn als Menschen. Sagen Sie bei Ihrer Ablehnung ausdrücklich Sätze wie: "Ich schätze Sie persönlich und verstehe, dass Sie diesen Standpunkt vertreten - nur in der Sache ..." Zwei Kollegen können verschiedener Meinung, aber doch im Einklang sein.

5. Helfen Sie dem anderen, Verständnis für Ihren Standpunkt zu entwickeln. Vertreten Sie nicht nur Ihre Position ("Der Etat bleibt, basta!"), sondern erläutern Sie, in welcher Rolle Sie sprechen und welche Gedanken Sie leiten: "Als Werbeleiter erwartet die Geschäftsleitung von mir gesteigerte Verkaufszahlen. Ich habe fürs neue Jahr drei Kampagnen angeschoben, die den ganzen Etat verbrauchen werden. Deshalb sehe ich im Moment keine Möglichkeit ..." Wollen wir wetten, dass Ihr Kollege nun mit sich reden lässt? Auf dieser Basis können Sie Lösungen mit zwei Gewinnern anstreben - und lächerliche Schaukämpfe wie in der Talkshow verhindern.

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insgesamt 9 Beiträge
maipiu 21.06.2010
Sorry, Herr Wehrle, aber die Ratschläge sind banal. Können Sie schon bei Jesus oder Ghandi nachlesen. Wer dieses Wissen nicht hat oder nicht berücksichtigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn dicke Luft am Arbeitsplatz herrscht. [...]
Sorry, Herr Wehrle, aber die Ratschläge sind banal. Können Sie schon bei Jesus oder Ghandi nachlesen. Wer dieses Wissen nicht hat oder nicht berücksichtigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn dicke Luft am Arbeitsplatz herrscht. Ob Leute, die bereits in der Mobbing-Falle sitzen, davon allerdings profitieren, das wage ich zu bezweifeln.
dotd 21.06.2010
... die Arbeitnehmer sollen also untereinander lösen was ihnen die Unternehmenskultur einer Gleichschaltung und Gesichtslosigkeit, einer Betrachtung des Mitarbeiters als farblose, austauschbare Ressource vorgibt? Selbst wenn ein [...]
... die Arbeitnehmer sollen also untereinander lösen was ihnen die Unternehmenskultur einer Gleichschaltung und Gesichtslosigkeit, einer Betrachtung des Mitarbeiters als farblose, austauschbare Ressource vorgibt? Selbst wenn ein Gruppe dies umsetzen könnte, wäre sie im Makrokosmos der "Teams" und Abteilungen der ausgegrenzte Sonderling. Ich habe in den letzten Jahren viel im Bereich Mitarbeiterbindung, Talent Management, Mitarbeiterentwicklung, Performance gearbeitet. Als ich einmal etwas unbedarft den Spruch brachte: "Die erste Regel im erfolgreichen Umgang mit Mitarbeitern ist stets Mitarbeiter als Menschen zu sehen und zu behandeln" wäre ich von einem wilden Mob an Führungskräften und Personalern bald gelyncht worden. Ich denke das sagt alles! So lange kein Unternehmen wirklich eine Vielfalt will, die über die übliche "ein weisses, ein gelbes, ein braunes Gesicht" auf der Marketingbroschüre hinaus geht, wird sich so etwas nicht einstellen. Aber soweit weicht ja da die Arbeitswelt nicht vom restlichen Leben ab. Auch da verhalöten wir uns ja nicht anders.
unbehagen 21.06.2010
Wehrles Beitrag ist nichts anderes als das gleiche banale "habt Euch doch alle lieb"-Dummgeschwätz zahlloser anderer selbsternannter Personalberater. Bemerkenswert ist an Wehrle nur, daß er sich, nachdem er [...]
Wehrles Beitrag ist nichts anderes als das gleiche banale "habt Euch doch alle lieb"-Dummgeschwätz zahlloser anderer selbsternannter Personalberater. Bemerkenswert ist an Wehrle nur, daß er sich, nachdem er "Führungskraft in einem Unternehmen war" nun als Buchschreiber selbständig gemacht hat. Vermutlich hat er selbst den permanenten Druck in seiner "Führungsposition" nicht ausgehalten. Was soll der Blödsinn, Spiegel! Die Ursachen für Mobbing, Stress und Arbeitshölle sind doch in der von Unternehmern und Politik geschürten Angst vor dem eigenen Arbeitsplatz, der eigenen Existenz und schließlich Hartz IV begründet! DASI IST DOCH SO GEWOLLT!
kreuzkam 21.06.2010
Nur, weil die Ratschläge Wehrles nicht auf jeden individuellen - und sicherlich sehr wichtigen - Fall jedes einzelnen Lesers zutreffen, bzw. konkrete Lösungen vorschlagen, sind sie kein Unfug. Die Kommentare zeigen, was auch [...]
Nur, weil die Ratschläge Wehrles nicht auf jeden individuellen - und sicherlich sehr wichtigen - Fall jedes einzelnen Lesers zutreffen, bzw. konkrete Lösungen vorschlagen, sind sie kein Unfug. Die Kommentare zeigen, was auch als "typisch deutsch" gelte kann: Der andere, größere, mächtigere, "der da oben" ist Schuld und nur wenn der sich ändert, dann wirds besser. Ich selber warte ab, was er tut, um dann wieder zu meckern. Es selbst in die Hand zu nehmen ist so unglaublich schwer, weil es Eigeninitiative ebenso voraussetzt wie die Positionierung des Selbst in der Gesellschaft, was Selbstkritik mit einschließt. Genau das beherrschen viele nicht, ganz im Gegensatz zur Kritik am Anderen. Selbst wenn schon Ghandi ähnliche Dinge gesagt hat, schwächt es die Punkte nicht ab, sondern wertet sie auf. Und ein Hinweis zum Verstehen des Artikels: Es sind Ideen, wie Abhilfe in den genannten Fällen aus der eigenen Selbst- und Fremdwahrnehmung heraus geschaffen werden kann. Es sind keine allgemeingültigen Formeln zum Erlangen des firmeninteren Hei-tei-tei. Und es wird auch klargestellt, wie die eigene Wahrnehmung die Realität der Situationen verfälschen kann. JEDER kann etwas zur besseren (eigenen) Stimmung am Arbeitsplatz beitragen, die Kleinen, aber selbstverständlich auch die Großen. Das ist keine Wir-haben-uns-alle-lieb-Träumerei, sondern ein Ziel.
GM64 21.06.2010
Wenn ihr Vorgesetzter zu den Leuten gehört, die wenn sie sich eine Eis kaufen, die Waffel so voll füllen, dass überhaupt kein Platz mehr drauf ist, bei der Kasse dann Kleingeld zückt und der Kassierin erklärt, dass ihm die 5 [...]
Wenn ihr Vorgesetzter zu den Leuten gehört, die wenn sie sich eine Eis kaufen, die Waffel so voll füllen, dass überhaupt kein Platz mehr drauf ist, bei der Kasse dann Kleingeld zückt und der Kassierin erklärt, dass ihm die 5 Pfennige jetzt fehlen und ob sie ihm die dann nicht schenkt, dann können sie von diesem Menschen nichts erwarten. Er ist grenzenlos gierig. Er wird Sie um Geld anpumpen, wo er nur kann und wird es nie zurück zahlen. Wie man so einen, zu einem Team Spieler macht, ist mir ein Rätsel. Wenn Sie dann auch noch aufgrund ihrer Erfahrung ein größeres Gehalt haben, dann können Sie nur noch auf eine Kündigung warten. Auch da können Sie dann auf jede Fairness vergeblich warten. Sie müssen sich beeilen beim verlassen der Firma, weil Sie zu ihren guten Beurteilungen dann nur noch ein "Sie hat sich sehr bemüht" bekommen. Und je länger Sie dabei sind, um so länger waren Sie unfähig. Weil der Gierige hasst seine Mitmenschen, weil er in jedem einen Feind sieht, den er über den Tisch ziehen muss. Wer zum Freizeitspiel ins Röthelheim Bad einlädt, wo man nach seinen Regeln ein schwedisches Spiel spielt, wo natürlich er dann der große Sieger sein wird, der wird Ihnen nie eine Perspektive einräumen, und wer will schon ein Leben lang sich sehr bemüht haben. Für diesen Menschen ist das Bescheißen seiner Mitmenschen ein Sport und er jagt diesem nach, wie ein Apple Fan einem iPad. Man muss pervers sein um mit so jemanden zusammen arbeiten zu wollen. Man soll zwar nicht richten, aber man soll auch keine Perlen vor die Säue werfen. Beim Einstellungsgespräch müssen Sie Ihrem zukünftigen Chef genau beobachten, ist er unfähig Ihnen zuzuhören, so sollten Sie den Job nicht annehmen. Mit einem Radio kann man nicht chaten. Und auf einen Herd, sollte man sich auch nicht freiwillig setzen. Wer nicht zuhören kann, kann einem nur schaden. Und ändern kann man so einen nicht. Er ist auf seinen Vorteil fokussiert wie eine Mücke auf das Licht. Wahrlich, man soll immer das gute im Menschen suchen, aber in manchen Situationen ist es unmöglich.
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Zum Autor
Martin Frommann
Martin Wehrle, geboren 1970, war Führungskraft in einem Konzern, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde. Als Buchautor veröffentlichte er unter anderem die Titel "Geheime Tricks für mehr Gehalt" und "Der Feind in meinem Büro", zuletzt erschien 2009 sein "Lexikon der Karriere-Irrtümer".

Buchtipp

Martin Wehrle:

Am liebsten hasse ich Kollegen

Wie man den Büroalltag überlebt.

Droemer Knaur; 219 Seiten; 8,95 Euro.

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