Manche Talkshow gleicht einem Boxkampf, nur dass die Politiker sich nicht mit Fäusten, sondern mit Worten attackieren: Der Konservative nennt den Linken einen "Volksverhetzer", weil dieser Firmen verstaatlichen will. Und der Linke nennt den Konservativen einen "Knecht des Kapitals", weil dieser für die Freiheit der Unternehmer eintritt.
Die beiden beschimpfen einander. Albern? Jeder tut nur seinen Job: Der Konservative ist konservativ, der Linke ist links. Was ist daran verwerflich?
Doch solche "Talkshows" laufen auch in Ihrer Firma ab. Am Anfang prallen zwei Meinungen aufeinander. Zum Beispiel die des Controllers und die des Werbeleiters. Der eine will Geld sparen, der andere Geld für Werbung ausgeben. Jeder macht sich zum Anwalt seiner eigenen Position. Keiner weicht einen Schritt zurück. Je mehr die Fronten sich verhärten, desto lauter die Diskussion. Jeder tut so, als hätte er - nur er - die Weisheit gepachtet.
"Wenn wir kein Geld sparen", sagt der Controller, "dann sind wir bald pleite." - "Wenn unsere Werbung keine Kunden gewinnt", entgegnet der Werbeleiter, "dann können wir den Laden erst recht dicht machen."
Muss die Diskussion entgleisen? Üben Sie Verständnis
Das Schwert der Polemik, zunächst geschwungen, um die eigene Position zu verfechten, sticht jetzt nach dem Kollegen als Person. Der Controller schimpft: "Ihr Werbefritzen habt den Kopf voller Ideen, aber ihr habt keine Ahnung von betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen." Der "Werbefritze", mit seinem Berufsstand diffamiert, antwortet: "Und ihr Controller seid kleinkarierte Zahlenfuzzis, die über Geld bestimmen wollen, das andere Leute für die Firma verdienen."
Dabei wollte jeder nur seinen Job machen. Doch die legitime Absicht, die eigene Position durchzusetzen, ist zu einem Hauen und Stechen entartet. Das passiert auch innerhalb von Abteilungen.
Wollen Sie es wirklich zulassen, dass die Diskussion um eine Sache so entgleist? Klüger wäre es, die Eskalation rechtzeitig abzuwenden. Fünf Tipps dazu:
1. Überlegen Sie genau: In welcher Rolle spricht Ihr Kollege? Vertritt er eine Abteilung oder bestimmte Interessen? Muss er so sprechen, weil er diese Rolle einnimmt (ein Controller kann nicht für Mehrausgaben plädieren!)? Legen ihm sein Wissen oder seine Erfahrungen diesen Standpunkt nahe? Versetzen Sie sich in seine Haut: Kann es sein, dass Sie an seiner Stelle ähnlich argumentierten?
2. Auch wenn Ihnen der andere Standpunkt nicht gefällt: Prüfen Sie ihn gründlich. Kann es sein, dass Ihr Kollege einen Zipfel der Wahrheit erwischt hat? Wenn ja, wie könnten Sie ihm einen Schritt entgegenkommen? Und welche Zugeständnisse von seiner Seite erwarten Sie?
3. Ziehen Sie einen klaren Trennstrich: Die Rolle und die Position eines Menschen stehen auf einem anderen Blatt als seine Persönlichkeit. Wer einen Standpunkt vertritt, den Sie für idiotisch halten, muss deshalb kein Idiot sein; er ist nur anderer Meinung.
4. Weisen Sie, wenn nötig, lediglich die Position zurück - nicht die Person. Entwickeln Sie den Ehrgeiz, die Argumentation des Kollegen in Ihren Worten so gut zu wiederholen, dass er es nicht besser könnte. Dieses aktive Zuhören klärt den Inhalt. Vor allem zeigen Sie Respekt, denn Sie befassen sich mit seiner Sicht der Welt und achten ihn als Menschen. Sagen Sie bei Ihrer Ablehnung ausdrücklich Sätze wie: "Ich schätze Sie persönlich und verstehe, dass Sie diesen Standpunkt vertreten - nur in der Sache ..." Zwei Kollegen können verschiedener Meinung, aber doch im Einklang sein.
5. Helfen Sie dem anderen, Verständnis für Ihren Standpunkt zu entwickeln. Vertreten Sie nicht nur Ihre Position ("Der Etat bleibt, basta!"), sondern erläutern Sie, in welcher Rolle Sie sprechen und welche Gedanken Sie leiten: "Als Werbeleiter erwartet die Geschäftsleitung von mir gesteigerte Verkaufszahlen. Ich habe fürs neue Jahr drei Kampagnen angeschoben, die den ganzen Etat verbrauchen werden. Deshalb sehe ich im Moment keine Möglichkeit ..." Wollen wir wetten, dass Ihr Kollege nun mit sich reden lässt? Auf dieser Basis können Sie Lösungen mit zwei Gewinnern anstreben - und lächerliche Schaukämpfe wie in der Talkshow verhindern.
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