Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Hilfe für studentische Unternehmer: Bitte gründen Sie jetzt

Studentische Unternehmer: Meine Firma, mein Liebling Fotos
my Boo / Miguel Ferraz

Irgendwann verliebten sie sich in diese Fahrräder aus Bambus, stabil und besonders. Also gründeten Jonas Stolzke und Maximilian Schay noch im Studium ihr eigenes Unternehmen. Keine schlechte Idee, sagen Experten. Schließlich bekommen junge Gründer von vielen Seiten Hilfe.

Die beiden BWL-Studenten haben keine Zeit, trotz Semesterferien. Jonas Stolzke und Maximilian Schay haben vor kurzem ihr Unternehmen eröffnet, eine Fahrradmanufaktur. "Wir sind optimistisch", sagt Stolzke und streicht mit der Hand über den Holzrahmen eines Fahrrads, das an der Wand des Büros lehnt. Die beiden wollen Fahrräder mit Bambusrahmen auf deutschen Radwegen etablieren. Gefertigt werden die Rahmen in Ghana, montiert in Deutschland.

Auf die Idee brachte die beiden Gründer ein Freund, der sein Freiwilliges Soziales Jahr in Afrika absolvierte; er erzählte ihnen von diesen ungewöhnlichen Rädern. "Das klang so verrückt, dass wir uns genauer darüber informierten", erinnert sich Stolzke. Gründungsaffin waren beide schon länger, es fehlte nur die richtige Idee. Sie recherchierten im Internet und begeisterten sich mehr und mehr für das äußerst stabile Material - und so entschieden sie sich, es zu versuchen.

Im Studium ein Unternehmen zu gründen - das sei eher ungewöhnlich, sagt Marc Evers, Experte für das Thema Gründungen beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Von den Gründern mit Hochschulabschluss hätten die meisten vor dem Schritt in die Selbständigkeit mehrere Jahre in einem Unternehmen gearbeitet, Berufserfahrung gesammelt und im Idealfall Kundenkontakte geknüpft. Ein schlechter Zeitpunkt für die Existenzgründung sei das Studium trotzdem nicht. "Die Freiheiten des Studentenlebens können bei einer Gründung durchaus helfen", sagt er.

Viele Studenten bekommen finanzielle Unterstützung von ihren Eltern. Sie haben meist noch keine Familie und können sich ihre Zeit relativ frei einteilen - zumindest dann, wenn es im Studium keine strenge Anwesenheitspflicht gibt.

Gründungslehrstühle: Start-up-Feeling an der Uni

Wer sich dafür entscheidet, steht nicht allein da: An rund hundert Hochschulstandorten gibt es mittlerweile Gründungslehrstühle. Hier können Studenten Seminare belegen zu Themen wie Businessplan, Marketing oder Sponsorensuche; auch Grundkenntnisse in Betriebswirtschaft werden oft vermittelt. Einige Hochschulen bieten auch günstige Büroräume für Start-ups an und helfen bei der Vermittlung von Experten wie Patentanwälten oder Mentoren.

Manchmal können Studenten sich die Existenzgründerseminare auch als Credit Points für das reguläre Studium anrechnen lassen. Daneben bieten viele Industrie- und Handelskammern sowie regionale Wirtschaftsverbände teils kostenlose, teils kostengünstige Existenzgründerseminare an. Die beiden Kieler holten sich regelmäßig Rat bei der Wirtschaftsförderung und dem Technologietransfer Schleswig-Holstein. Mit Unterstützung des regionalen Wirtschaftsförderers schrieben sie ihren Businessplan.

Finanzierung: Ran an die Stipendien

Insgesamt gibt es für Existenzgründer rund 200 verschiedene Förderprogramme in Deutschland, sagt Evers. Das größte Programm zur universitären Gründungsförderung ist Exist vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Viele der geförderten Gründer haben ihre Idee aus einer Abschlussarbeit heraus entwickelt. Der Anteil der Stipendiaten mit einer technologischen Geschäftsidee ist hoch - das Spektrum reicht von Datenverschlüsslungen bis zu drahtlosen Steuerungsmodulen für Solaranlagen. Wer als Student ein Gründungsstipendium ergattert, kann dort ein Jahre lang eine monatliche Förderung von 800 Euro bekommen.

Jonas Stolzke und Maximilian Schay hatten bei der Finanzierung Glück. Sie konnten einen befreundeten Unternehmer als Geldgeber gewinnen. Mit seiner Hilfe fanden sie einen Rahmenhersteller in Ghana und Partner in Deutschland und brachten so ihre Idee auf den Weg. Umweltschonend produziert kostet jedes Rad knapp 2000 Euro - eher Liebhaberstücke also. Auch wenn sie noch nicht wissen, wie sich die Firma entwickelt, auch wenn sie wegen der Gründung manche Vorlesung verpasst haben, sagen sie: Die Erfahrung, ein eigenes Unternehmen zu gründen, wollten sie nicht missen.

Birk Grüling/dpa/fln

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
"Elevator Pitch"-Wettkampf: Survival of the quickest