Doppelte Abi-Jahrgänge, die Wehrpflicht abgeschafft - in den kommenden Jahren drängen Zehntausende Studenten mehr als sonst an die Hochschulen. Außerdem gehen viele Hochschuldozenten und Uni-Mitarbeiter in den Ruhestand. Beides bedeutet: Die Hochschulen müssen neue Leute einstellen, und zwar Tausende.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Politologin Silke Gülker vom Wissenschaftszentrum Berlin, erstellt im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung, die wiederum von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gegründet wurde. Die Wissenschaftlerin beziffert darin den Personalbedarf der Hochschulen für die nächsten 15 Jahren mit rund 30.000 Nachwuchswissenschaftlern, die neu eingestellt werden müssen. Darunter sind gut 16.000 Professoren.
Gülker hat verschiedene Szenarien entworfen und sich dabei auf den Bildungsbericht von Bund und Ländern gestützt. Sie räumt zwar ein, dass der "künftige Personalbedarf von einer Vielzahl von Faktoren abhängt" und dass nicht "alle in angemessener Weise eingeschätzt werden" können. Aber alle der von ihr durchgerechneten Varianten zeigen einen "erheblichen Mehrbedarf an wissenschaftlichem und künstlerischem Personal" in den kommenden Jahren.
Wie viele Professoren braucht man, um die Betreuung zu verbessern?
Seit vier Jahren strömen zu jedem Wintersemester mehr Studienanfänger an die deutschen Hochschulen, im Herbst knackte die Studentenzahl die 2,2-Millionen-Marke. Durch doppelte Abiturjahrgänge und nun auch noch den Wegfall der Wehrpflicht ist ein neuer Rekord zum Herbst 2011 ausgemachte Sache. Laut Politologin Gülker steigt die Studentenzahl mindestens in den kommenden zehn Jahren weiter an. Daraus ergibt sich ein kurzfristiger Mehrbedarf von 1600 bis 3800 Professoren. Zudem müssten, je nach Szenario, 2000 bis 14.000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden.
Die Wissenschaftlerin hat aber nicht nur die Studentenzahlen berücksichtigt, sondern auch das Alter der Professoren und Mitarbeiter. In den kommenden Jahren vollzieht sich demnach ein Generationenwechsel: Viele gehen in den Ruhestand, ihre Stellen müssen neu besetzt werden. So kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Hochschulen bis zu 16.000 neue Professoren und 14.000 neue wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter brauchen. Noch mehr werden es, wenn Studenten künftig besser betreut werden sollen, was Studentenvertreter und Gewerkschaften stets fordern und Bildungspolitiker oft versprechen. Dann müssten bis zum Jahr 2025 sogar bis zu 23.000 neue Professoren eingestellt werden.
Die GEW sah sich durch die Ergebnisse der Studie bestätigt. Sie will mit einer Kampagne gegen die "ausufernden" Zeitvertragsregelungen an den Hochschulen und einer "Entfristungsoffensive" für die betroffenen Wissenschaftler reagieren. Der notwendige Ausbau der Hochschulen müsse zugleich mit einer Stabilisierung der Beschäftigungsverhältnisse verbunden werden, sagte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. "Die Hochschulen brauchen nicht nur mehr Personal, sondern auch bessere Beschäftigung durch mehr unbefristete Arbeitsverhältnisse." Nur dann könnten sie dem Nachwuchs berechenbare berufliche Perspektiven eröffnen sowie im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte mit anderen Arbeitgebern bestehen.
otr/dpa
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