Studentenjobs: "Als Weihnachtsmann habe ich schweinegut verdient"

Ho ho ho, die Saison ist eröffnet: Ab sofort werden wieder Weihnachtsmänner vermittelt, die sich zum Fest weiße Bärte umhängen und Kinder bespaßen - ein Klassiker unter den Studentenjobs. Heiligabend kann das 400 Euro bringen, dabei kommt man aber auch ordentlich ins Schwitzen.

Schöne Bescherung: Studenten als Weihnachtsmänner gesucht Fotos
TMN

Geschenke verteilen und eine Gage von 30 bis 50 Euro pro Auftritt verdienen - für diesen Lohn nehmen es manche Studenten gern in Kauf, an Heiligabend zu arbeiten. Sie jobben als Weihnachtsmann-Darsteller und lassen sich von Familien engagieren. Wenn es gut läuft, sind strahlende Kinderaugen ein zusätzlicher Lohn. Läuft es nicht so gut, flüchten verschüchterte und verschreckte Zwerge weinend in Mutters Arme. Und wenn es ganz schlimm kommt, dann zupfen vorwitzige Erstklässler kräftig am Bart des Gastes und lassen die schöne Tarnung auffliegen.

Vor allem Studenten werden im Dezember zu alten Männern mit schlohweißen Bärten. Das ist ein lukrativer Job. Aber auch ein anstrengender. Wer als Weihnachtsmann überzeugen will, muss eine vertrauenswürdige Ausstrahlung haben und gut mit Kindern umgehen können. Und darf die Arbeit nicht unterschätzen: Denn häufig kommt der Miet-Weihnachtsmann ganz schön ins Schwitzen.

Viele Arbeitsagenturen bieten zur Weihnachtszeit eine Weihnachtsmannvermittlung an. Los geht es schon jetzt: Die Vermittlung beginne im November, "manche Familien fragen aber auch noch an Heiligabend an", erklärt Anja Huth von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Der Vermittler der Arbeitsagentur nimmt nicht nur Anfragen von Familien, sondern auch von Firmen oder Krankenhäusern entgegen. Außerdem betreut er Bewerber, die den Job machen möchten. "Der Bewerberpool ist sehr durchmischt", sagt Huth. Studenten seien stark vertreten, daneben auch Rentner.

"So viel Geld verdient man in keinem anderen Job"

Einige Arbeitsagenturen - etwa in Hamburg - haben sich allerdings wieder aus dem Vermittlungsgeschäft zurückgezogen. Die Sache sei "zu personalintensiv" geworden, bedauert Knut Böhrnsen, Sprecher der Agentur in Hamburg. Mehrere Mitarbeiter seien zuletzt damit beschäftigt gewesen, über 1000 Termine an Heiligabend für ihre Weihnachtsmänner zu koordinieren.

Das Studentenwerk ist in einigen Universitätsstädten eine weitere Anlaufstelle für Weihnachtsmann-Darsteller. Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk (DSW) in Berlin kennt sich damit aus: Er selbst habe als Student Ende der neunziger Jahre als Weihnachtsmann "schweinegut" verdient, erzählt Grob. 40 bis 50 Mark habe damals die Grundgage betragen, dazu kamen Trinkgelder und auch mal der eine oder andere größere Schein für ein spontanes Engagement. Bis zu 600 Mark am Tag seien für ihn drin gewesen. "So viel Geld verdient man in keinem anderen Job."

Es sei aber auch harte Arbeit, mit Bart und Mütze vor den Kindern aufzutreten. "Ich war noch nie in meinem Leben so platt wie nach dem einen Tag als Weihnachtsmann", erinnert sich Grob. Bis zu 20 Familien habe er an Heiligabend ab dem Nachmittag abgeklappert. Die Weihnachtsmänner müssen die Sache ernst nehmen - nicht immer einfach, es kann zu kuriosen Situationen können. Aber die Kinder müssten einem die Rolle abnehmen, betont Grob.

In Berlin ist die studentische Arbeitsvermittlung "Heinzelmännchen" ein Riese im Weihnachtsgeschäft. Nach eigenen Angaben vermakelt sie jedes Jahr rund 300 bis 400 Weihnachtsmänner und Engel, die an Heiligabend 3000 bis 5000 Familien bescheren. Dafür schaltet das Studentenwerk ab November eine Hotline, bei der Familien einen Termin buchen können. Ab Oktober ist außerdem ein Weihnachtsmann-Büro auf dem Campus geöffnet.

Casting für angehende Weihnachtsmänner

Beim Berliner Studentenwerk sei die Nachfrage groß, erzählt Stephan Antczack von den "Heinzelmännchen"; er tritt auch selbst als Weihnachtsmann auf. "Uns fehlt männliches Personal." Zwar wollten mittlerweile auch viele Studentinnen den Job machen. Gebucht würden jedoch vor allem Männer. Im Schnitt kommen die Darsteller unter den Berliner Studenten auf zwölf Familien.

Einen guten Draht zu Kindern brauchen die Weihnachtsmänner allemal, außerdem müssten sie vertrauenswürdig sein, sagt Anja Huth von der Bundesagentur. "Dann werden sie mit Bart, Mantel und Mütze ausgestattet. Da haben wir mittlerweile einen kleinen Theaterfundus." Darsteller sollten außerdem gut deutsch sprechen und einige Weihnachtslieder singen können, ergänzt Stephan Antczack. Und sie müssten sich gut in die Situation in den jeweiligen Familien einfühlen können - "man braucht Empathie". Damit das gelingt, machen die "Heinzelmännchen" ein Casting und schulen Darsteller in einem Workshop.

Aus den finanziellen Dingen hält sich die Arbeitsagentur heraus. "Was zwischen Auftraggeber und Bewerber vereinbart wird, ist deren Sache", so Huth - etwa die Höhe der Gage oder wie der Auftritt bei der Bescherung im Detail ablaufen soll. In der Regel liege der Verdienst zwischen 30 bis 50 Euro pro Auftritt.

Beim Berliner Studentenwerk verdienen Weihnachtsmänner für einen Auftrag nach Abzug der Vermittlungsgebühr rund 26 Euro. Wird der Zeitaufwand für Vorgespräche mit den Familien eingerechnet, kämen Studenten auf einen Stundenlohn von etwa 18 Euro, sagt Antczack. 300 bis 400 Euro könne man Heiligabend durchaus nach Hause bringen, "das ist für Studenten doch ein ordentlicher Verdienst".

Von Felix Rehwald, dpa/jol

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