Studentenjobs: "Wir können alles" - sofort

Von Hermann Horstkotte

Die Arbeitsmarktkrise hat bisher Nebenjobs für Studenten kaum erfasst. Im Gegenteil: Die Chancen auf eine Beschäftigung im Café, Supermarkt oder in der Fabrik wachsen sogar leicht. Spezielle Internet-Börsen erleichtern die Suche am Studienort.

Frank Z. hat zwei Berufe gelernt - und jobbt derzeit trotzdem als Einräumer in Lebensmittelgeschäften. Der ausgebildete PTA, also Apothekenhelfer, machte im Februar an der Fachhochschule Bonn zusätzlich noch den Bachelor in Chemie und Materialwissenschaft.

Nebenjob im Supermarkt: Krisenfest dank stabilem Konsum
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"Aber die Stellenangebote in der Chemiebranche sind im Augenblick rar", sagt Frank. "Ich bekomme viele Absagen wegen der großen Zahl von Mitbewerbern." Die Autokrise trifft die chemische Industrie, die Hersteller von Lacken, Kunst- und Klebstoffen direkt.

Zudem konkurriert jeder Bachelor allemal mit Chemikanten, die ihre praktische Berufsausbildung im Unternehmen gemacht haben. "Bis ich die richtige Stelle habe", so Frank, "fülle ich weiter auf 400 Euro-Basis die Regale auf. Das habe ich schon im Studium nebenher gemacht und ist mir lieber als ein unsicheres Praktikum."

Den Minijob hat der Student beim Einkaufen gefunden, durch einen Aushang an der Kasse. Sonst schaut er schon mal in der deutschlandweiten Suchmaschine Monster nach. Dass es spezielle Jobbörsen für Studenten gibt "ist mir neu", sagt Frank.

Markt für Millionen

So ist etwa seit November Jobmensa.de online, verschwistert mit StudiVZ. "Wir starteten just in time mit der laufenden Wirtschaftskrise", bemerkt Geschäftsführer Andreas Wels und verweist auf inzwischen mehr als 30.000 angemeldete Studenten und gut tausend Firmen, die ständig auf seiner Plattform suchen. Jobmensa verspricht: "Studenten können alles."

Schon ein paar Jahre länger auf dem Markt ist das Jobportal Stellenwerk.de, hervorgegangen aus einem Servicebetrieb der Hamburger Universität. Beide großen Anbieter arbeiten sich schrittweise von einer Hochschulregion in die nächste vor. "Jede Marktanalyse über das Studenten- und Arbeitgeberpotential erfordert ja immer Zeit und einige Finanzinvestitionen", sagt Jobvermittler Wels. "Und wir müssen auch die Stärke lokaler Konkurrenten einschätzen."

Die Nachfrage ist jedenfalls groß. Nach der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks haben zwei Drittel aller rund zwei Millionen Studierenden einen Nebenjob. An der Spitze liegt die Uni Köln, die zahlenmäßig größte in Deutschland, mit 78 Prozent Werkstudenten. Sie werden mit erfasst von der amtlichen Minijob-Zentrale, die zur Zeit insgesamt rund sieben Millionen Beschäftigungsverhältnisse zählt.

Laut dem jüngsten Quartalsbericht von Ende 2008 ist das Angebot auch in der Wirtschaftskrise seit vergangenem Herbst ganz stabil geblieben - und für unter 30-Jährige, mithin nicht zuletzt Studenten, sogar geringfügig angewachsen. "Minijobs sind seltener in der Industrie und in Exportbranchen zu finden und häufiger im Handel und bei Dienstleistungen", erläutert Jens Stephani, Experte bei der Bundesagentur für Arbeit. "Bislang hat die Konsumentennachfrage generell nicht auf die Krise reagiert. Das könnte ein Grund sein, dass auch Minijobs eher verschont geblieben sind."

Der gläserne Bewerber

Das VW-Werk in Wolfsburg beispielsweise bietet Praktikanten, Diplomanden und Doktoranden unverändert rund 2000 Stellen im Jahr. Andererseits hat aber der weltweit gefragte Zulieferer ZF Friedrichshafen, spezialisiert auf Getriebe, Achsen und andere Bauteile, seit Jahresbeginn keine Werkstudenten mehr eingestellt, wie Firmensprecher Martin Demel SPIEGEL ONLINE sagte. Festangestellte müssen kurzarbeiten. Die Stellen für Diplomanden, also die innovativen Ingenieure von morgen, liegen aber unverändert bei 500.

Jedoch wurde die Vergütung in der Krise um ein Drittel gesenkt. In Allerweltsjobs wie beim Kellnern drängen die Arbeitgeber inzwischen oft sogar auf den Verzicht von Pausenzeiten, klagt Fabienne Mainz, Sozialreferentin der Kölner Studentenvertretung. Es kommt auch darauf an, wie gut sich jeder am Markt verkaufen kann.

Gerade die Jobportale im Internet helfen bei der persönlichen Marktpositionierung, kostenlos. Die Agenturen kassieren allein von denen, die willige Helfer suchen. Einräumer Frank hat gleich mal beim Stellenwerk für den Großraum Köln nachgeschaut. Zum Beispiel braucht eine Lehramtsstudentin Chemienachhilfe im Nebenfach, Stundenlohn zwölf Euro - mehr als am Regal, alles weitere telefonisch mit der Anbieterin selbst.

Ziel der Börsen: Auf die erste Seite der Suchmaschinen

Anders läuft es bei Jobmensa. Hier füllt der Jobber einen Standardfragebogen aus (etwa über bisherige Tätigkeiten, Studium, Fremdsprachen, Führerschein), den die Vermittler mit dem Anforderungsprofil von Firmenkunden vergleichen. Wenn's passt und der Bewerber mit einem Klick Ja sagt, gehen seine Daten an die potentiellen Arbeitgeber.

"Die Firmen sind für unsere Vorauswahl dankbar", sagt Geschäftsführer Wels, "weil ihnen das viel Zeit spart." Sie zahlen entweder für jede elektronische Anzeige oder auf Erfolgsbasis für jeden wirklichen Abschluss.

Vivian Winkelmann vom Stellenwerk bleibt gegenüber diesem Geschäftskonzept skeptisch. Wegen eines Minijobs gebe ja nicht jeder gern ein persönliches Profil in fremde Hände. Aber erst damit sei eine genaue Suche möglich, hält Jobmensa dagegen. "Bei unserem Verfahren erhält der Bewerber nur Zusagen, nie frustrierende Absagen", so Manager Wels.

Irgendwo zwischen diesen Wegen suchen andere Vermittler nach einer eigenen Variante, zum Beispiel mit einem Lebenslauf ohne vorgeschriebene Angaben. Das Ziel aller Jobbörsen: dank ihres benutzerfreundlichen Angebots auf Seite 1 der großen Suchmaschinen wie Google platziert zu werden. Um möglichen neuen Klienten wie Frank Z. aufzufallen.

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