Arbeitsmarktstudie: Jedes Jahr Bildung bringt fünf Prozent mehr Lohn

Bildung lohnt sich - doch wie sehr? Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgerechnet. Fazit: Jedes Jahr, das jemand zusätzlich in Schule, Ausbildung oder Studium steckt, bringt später fünf Prozent mehr Lohn. Woanders in Europa ist die Bildungsrendite noch größer.

Wer länger studiert, bekommt später im Durchschnitt mehr Lohn, haben Forscher errechnet Zur Großansicht
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Wer länger studiert, bekommt später im Durchschnitt mehr Lohn, haben Forscher errechnet

Knapp 14 Jahre haben deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich im Bildungssystem verbracht, also in der Schule, in der Berufsausbildung oder im Studium. Und jedes Jahr, das sie länger bleiben, erhöht ihr späteres Einkommen um fünf Prozent. Das haben Concetta Mendolicchio und Thomas Rhein vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berechnet. Für die am Mittwoch veröffentlichte Studie ermittelten sie die sogenannte Bildungsrendite für zwölf europäische Länder.

Deutschland liegt demnach im Mittelfeld: Jemand, der 16 Jahre in seine Bildung investiert hat, erhält hier über sein ganzes Erwerbsleben hinweg im Durchschnitt ein um 25 Prozent höheres Einkommen als jemand, der das Bildungssystem nach elf Jahren verlassen hat. Noch mehr lohnt sich Bildung in Portugal, Luxemburg oder Irland. Hier liegt die Rendite pro Jahr bei mehr als acht Prozent.

In neun der zwölf Länder profitieren Frauen stärker von mehr Bildung als Männer. Die Autoren erklären das so: Geringqualifizierte Frauen haben oft besonders schlecht bezahlte Jobs, weil sie zum Beispiel aus familiären Gründen keine Nacht- und Schichtarbeit übernehmen können. Mit steigendem Bildungsniveau nähern sich ihre Gehälter dann denen der Männer zunehmend an. Der Lohnzuwachs ist unter Frauen also größer, je besser sie qualifiziert sind. Trotzdem verdienen hochqualifizierte Frauen meist weniger als hochqualifizierte Männer.

"Bummelstudenten verdienen nicht mehr"

In Deutschland erzielen Frauen und Männer in etwa die gleiche Bildungsrendite. Es handelt sich dabei stets nur um rechnerische Durchschnittswerte: Wer nach drei Jahren sein Studium ohne Abschluss abbreche, profitiere natürlich weniger als jemand, der in der gleichen Zeit seinen Abschluss mache, schreiben die Arbeitsmarktforscher. "Bummelstudenten verdienen nicht mehr als die anderen Studierenden, Sitzenbleiber nicht mehr als diejenigen, die ohne Wiederholung das Schulsystem durchlaufen."

Verschiedene Faktoren sind in die Berechnungen eingeflossen. So haben die Macher untersucht, wie viel Lohn jemandem im Durchschnitt entgeht, der länger studiert, und wie sich mit steigendem Einkommen die Steuersätze verändern.

Außerdem spielte eine Rolle, wie viele Jahre jemand insgesamt arbeitet. Frauen legen zum Beispiel eher eine Pause für die Erziehung von Kindern ein. Auch staatliche Leistungen wie Arbeitslosen- und Elterngeld wurden berücksichtigt, um das Durchschnittseinkommen während des gesamten Berufslebens zu ermitteln.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. ...unsere tägliche Studie gib uns heute.
zynik 04.04.2012
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn2.spiegel.de/images/image-335891-thumb-jeji.jpg" /><span class="spCredit">DPA</span></span><span id="sysopText">Bildung lohnt sich - doch wie sehr? Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgerechnet. Fazit: Jedes Jahr, das jemand zusätzlich in Schule, Ausbildung oder Studium steckt, bringt später fünf Prozent mehr Lohn. Woanders in Europa ist die Bildungsrendite noch größer. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,825783,00.html</span></div>
Wenn ich schon "Bildungsrendite" hören. Ich erinnere mich noch vage an Zeiten in denen "Bildung" noch mit unterschiedlichsten Inhalten gefüllt und nicht zum Selbstzweck verkommen war, möglichst viel Kohle abzugreifen. Ich wäre ja mal für eine klare Studie, was genau die diversen Forschungsinstitute so unter dem Begriff "Bildung" zusammenfassen. Andernfalls haben diese Studien immer den Beigeschmack, dass Menschen die nicht auf der Gewinnerseite der "neoliberalen" Arbeitsmarktpolitik stehen entweder zu doof und/oder zu ungebildet sind.
2. Hirnakrobaten
semaphil 04.04.2012
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn2.spiegel.de/images/image-335891-thumb-jeji.jpg" /><span class="spCredit">DPA</span></span><span id="sysopText">Bildung lohnt sich - doch wie sehr? Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgerechnet. Fazit: Jedes Jahr, das jemand zusätzlich in Schule, Ausbildung oder Studium steckt, bringt später fünf Prozent mehr Lohn. Woanders in Europa ist die Bildungsrendite noch größer. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,825783,00.html</span></div>
Bildung bringt nur dann etwas, wenn einen die Arbeitgeber auch haben wollen. Wieso das jedoch mit Bildung zusammenhängen soll, ist mir ein Rätsel. Alle die Bildungsoffensiven verwässern die Erkenntnis, daß die Anzahl freier Stellen begrenzt ist - und auch gern begrenzt gehalten wird. Da hilft Bildung überhaupt nicht weiter. Deshalb wird ja unter anderem die Frauenquote gefordert, da Bildung ( von der Frauen angeblich mehr, als Männer haben ) wohl nicht ein Einstellungskriterium ist. Wie verträgt sich das ergebnis der Studie damit, daß Bildungszeiten in der gymnasialen Oberstufe und beim Studium massiv gekürzt wurden?
3.
haspelbein 04.04.2012
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn2.spiegel.de/images/image-335891-thumb-jeji.jpg" /><span class="spCredit">DPA</span></span><span id="sysopText">Bildung lohnt sich - doch wie sehr? Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgerechnet. Fazit: Jedes Jahr, das jemand zusätzlich in Schule, Ausbildung oder Studium steckt, bringt später fünf Prozent mehr Lohn. Woanders in Europa ist die Bildungsrendite noch größer. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,825783,00.html</span></div>
Das laesst noch viele Fragen offen: a) Haben Menschen mit einem hoeheren Einkommenspotential einen groesseren Hang zur laengeren Bildung, oder besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen? b) Sollte tatsaechlich dieser kausaler Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen bestehen, so waere es interessant zu wissen, was ihn denn ausmacht. Sind es tatsaechlich die Inhalte oder der mit der Bildung erworbene gesellschaftliche Status?
4. ....
DerKritische 04.04.2012
Zitat von zynikWenn ich schon "Bildungsrendite" hören. Ich erinnere mich noch vage an Zeiten in denen "Bildung" noch mit unterschiedlichsten Inhalten gefüllt und nicht zum Selbstzweck verkommen war, möglichst viel Kohle abzugreifen. Ich wäre ja mal für eine klare Studie, was genau die diversen Forschungsinstitute so unter dem Begriff "Bildung" zusammenfassen. Andernfalls haben diese Studien immer den Beigeschmack, dass Menschen die nicht auf der Gewinnerseite der "neoliberalen" Arbeitsmarktpolitik stehen entweder zu doof und/oder zu ungebildet sind.
Bildungsrendite.. Was für ein Begriff. Ich bin immer wieder erstaunt über solche sinnentleerten Wortschöpfungsketten. Irgendwie beissen sich da immer Wunsch und Realität.
5.
smartphone 04.04.2012
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn2.spiegel.de/images/image-335891-thumb-jeji.jpg" /><span class="spCredit">DPA</span></span><span id="sysopText">Bildung lohnt sich - doch wie sehr? Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgerechnet. Fazit: Jedes Jahr, das jemand zusätzlich in Schule, Ausbildung oder Studium steckt, bringt später fünf Prozent mehr Lohn. Woanders in Europa ist die Bildungsrendite noch größer. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,825783,00.html</span></div>
Der "Nährwert" der Studie konvergiert gegen Null Was nutzt Ihnen eine Topuniausbildung ,wenn sie auf eine Firmenlandschaft stoßen , die gerade Hochqualifizierte behandelt wie akademischen Sondermüll und das seit 1990 circa Solange wir Firmen haben wie Daimler die wörtlich - Keine Ings brauchen und das auf Dauer ; Bei Audi Ings laut Personalchef nur für Produktionsspitzen ... Und überhaupt : Heute schallt es aus den HR-Hallen : Wie schon 4 Monate auf Jobsuche, können Sie überhaupt noch arbeiten... Angesichts solcher Szenarios wundert es doch nicht ,wenn zB die Piraten dermassen zulauf haben ....
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Top 5, Flop 5: Fächer und ihre späteren Stundenlöhne

Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in ausgewählten Berufen
Bürokaufleute
Bürokauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen mit 1782 Euro nur rund 1,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die auf 1813 Euro kommen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren steigt der Rückstand auf 10,7 Prozent.
Industriekaufleute
Industriekauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen im Schnitt 11,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (1962 statt 2216 Euro), in den folgenden Jahren (vier bis zehn Berufsjahre) schwächt sich die Einkommensdifferenz etwas ab; sie beträgt dann noch 10,3 Prozent.
Großhandelskaufleute
In diesem Beruf beträgt der Einkommensabstand der Frauen gegenüber den Männern gut 14 Prozent. In den ersten drei Jahren bedeutet dies einen Rückstand von durchschnittlich 286 Euro, bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst er absolut auf 335 Euro.
Buchhalter
In den ersten drei Berufsjahren liegen Frauen acht Prozent hinter den Männern zurück. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst dieser Rückstand auf 14,9 Prozent. Bei den Frauen steigt das durchschnittliche Einkommen von 2053 auf 2317 Euro, bei den Männern von 2230 Euro auf 2722 Euro.
Bankkaufleute
Bankkauffrauen verdienen in den ersten drei Jahren im Schnitt mit 2462 Euro insgesamt 105 Euro (4,1 Prozent) weniger als Bankkaufmänner. Dieser Abstand wächst in der Gruppe der Beschäftigten mit vier bis zehn Berufsjahren auf 217 Euro (7,4 Prozent).
Sozialpädagogen
Berufsanfängerinnen liegen mit einem Einkommen von 2211 Euro in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 5,6 Prozent vor ihren männlichen Kollegen (2093 Euro). Weibliche Angestellte mit vier bis zehn Berufsjahren verdienen dagegen im Schnitt 9,4 Prozent weniger als männliche Sozialpädagogen.
Mathematiker und Statistiker
Mathematikerinnen starten mit einem kräftigen Einkommensrückstand von 15,7 Prozent gegenüber ihren männlichen Kollegen. Sie verdienen im Schnitt in den ersten drei Jahren 3100 Euro, Männer 3677 Euro. In der Folgezeit (vier bis zehn Berufsjahre) steigern die Frauen ihr Durchschnittseinkommen auf 4237 Euro. Männer verdienen in dieser Zeitspanne im Schnitt 4187 Euro und liegen damit 1,2 Prozent hinter den Frauen.
Juristen
Zu Beginn ihrer Berufskarriere verdienen Juristinnen im Schnitt 7,3 Prozent weniger als Männer. Sie verdienen in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 3207 Euro, rund 252 Euro weniger als ihre Kollegen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst der Abstand sogar auf 12,4 Prozent. Juristinnen verdienen dann im Schnitt 3845 Euro, Juristen 4391 Euro.