SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Dezember 2012, 16:06 Uhr

Studie über Promotionen

Jeder zweite Doktorand zweifelt  

Promovieren kann hart sein. So hart, dass fast die Hälfte der Doktoranden gelegentlich Abbruchgedanken wälzt. An den harschen Abschlussnoten liegt das allerdings kaum, zeigt eine aktuelle Umfrage. Viele Doktoranden finden die Noten zu milde.

Fast jeder zweite Doktorand hat schon einmal darüber nachgedacht, seine Promotion abzubrechen. Das geht aus einer Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) in Hannover hervor. Besonders hoch ist der Anteil demnach bei Nachwuchswissenschaftlern, die neben der Promotion noch als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Hochschule oder in einem Forschungsprojekt tätig sind: 47 Prozent von ihnen haben bereits Abbruchgedanken gewälzt. Unter Doktoranden aus Graduiertenkollegs waren es nur 37 Prozent, unter Doktoranden mit einem Stipendium 31 Prozent.

Jeder zweite Zweifler stellte dabei in Frage, ob er generell für eine Promotion geeignet ist. Fast genauso viele klagten über die hohe Arbeitsbelastung im Wissenschaftsbetrieb, etwa jeder dritte Abbruchwillige fühlte sich schlecht betreut. Für die Studie wurden 2850 Promovierende an Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in Stipendienprogrammen befragt.

Mehr als die Hälfte der befragten Doktoranden ist alles in allem mit der Betreuung der Promotion zufrieden. Jeder Dritte hat einmal die Woche oder öfter Kontakt mit dem Promotionsbetreuer. Die meisten tauschen sich seltener, aber immer noch mehrmals pro Semester mit ihm oder ihr aus. Jeder fünfte hat nur einmal im Semester oder noch seltener Kontakt mit dem Betreuer.

Eine frühere Befragung des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) hatte ergeben, dass ein Drittel der Doktoranden die fehlende Unterstützung bei inhaltlichen und methodischen Fragen bemängelt.

Zu gute Noten

Die HIS-Studie zeigt außerdem, dass viele Doktoranden die Abschlussnoten von Promotionen für zu gut halten - 45 Prozent denken so. Vor allem Mathematiker und Naturwissenschaftler sind der Meinung, dass bei Doktorarbeiten zu gute Noten vergeben werden. In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist diese Ansicht weniger verbreitet.

An der generellen Qualität von Promotionen zweifeln die meisten Doktoranden aber nicht, und das trotz bekannter Plagiatsaffären um Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin. So sind 80 Prozent der Doktoranden der Meinung, die allermeisten Promotionen genügten den wissenschaftlichen Standards.

Die Fragestellung, über die sie promovieren wollen, sucht sich jeder zweite Doktorand selbst aus. Die anderen lassen sich das Thema vom Professor vorschlagen oder müssen sich an das halten, was die Doktorandenstelle vorgibt, einige der Befragten hatten noch gar kein Thema.

Geisteswissenschaftler sind dabei besonders selbstbestimmt: Acht von zehn entscheiden selbst, wovon ihre Dissertation handeln soll. Ähnliches gilt auch für die Wahl des Erstgutachters. Unter den Geisteswissenschaftlern suchen sich 93 Prozent ihren Erstgutachter selbst aus.

son/dpa

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH