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Wanka-Plan: Studienabbrecher sollen Handwerker werden

Bundesbildungsministerin Wanka (CDU): Bildungsministerin plant Pilotprojekte für Studienabbrecher Zur Großansicht
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Bundesbildungsministerin Wanka (CDU): Bildungsministerin plant Pilotprojekte für Studienabbrecher

Jedes Jahr brechen Tausende Deutsche ihr Studium ab - Bildungsministerin Wanka will sich jetzt um sie kümmern: In Pilotprojekten sollen die gescheiterten Akademiker Handwerksberufe lernen.

Hamburg - Abiturienten steuern nach der Schule oft automatisch die Hochschule an. Doch für viele stellt sich diese Entscheidung bald als falsch heraus: Fast 30 Prozent der Bachelor-Studenten beenden derzeit ihren anfangs eingeschlagenen Studienweg nicht. Um diese Abbrecher will sich Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) jetzt verstärkt kümmern: "Wir brauchen einen engeren Kontakt zwischen Studienabbrechern sowie den Kammern und Unternehmen, damit diese schnell zueinander finden", sagte Wanka der "Welt am Sonntag".

Die Ministerin plant dem Bericht zufolge Pilotprojekte: "Wir wollen es Studienabbrechern ermöglichen, eine verkürzte Ausbildung in Unternehmen zu absolvieren", sagte sie. Dazu müssten die von ihnen erbrachten Studienleistungen besser anerkannt werden.

Dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gefällt diese Idee: Das Handwerk brauche diese ausbildungsstarken Jugendlichen, sagte der ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer der Zeitung. Denn durch den technologischen Wandel seien die Anforderungen in vielen Berufen gestiegen. "Ihnen bieten sich ausgezeichnete Berufschancen." Der Verband weist darauf hin, dass in den kommenden zehn Jahren 200.000 Handwerksunternehmer einen Nachfolger suchen. Die Karrierechancen seien bemerkenswert, sagte Wollseifer.

Noch immer ist in Deutschland ein Studium die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. So zeigte im vergangenen Sommer eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung erneut: Zehn Jahre nach ihrem Abschluss sind nur ein Prozent der befragten Absolventen arbeitslos, vier von fünf Akademikern haben der Studie zufolge ein Einkommen, das über dem Durchschnitt aller Beschäftigten liegt. Wobei die Gehaltsunterschiede von Fach zu Fach stark variieren: Das niedrigste Durchschnittsgehalt erzielen demnach Sozialarbeiter, die eine Fachhochschule besucht haben (40.300 Euro). Und es gibt natürlich auch Akademiker, die sich von einem befristeten Job zum nächsten hangeln und zu Niedriglöhnen arbeiten. Das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen errechnete jüngst: Fast jeder zehnte Akademiker erhielt im Jahr 2012 nicht mehr als 9,30 Euro brutto pro Stunde.

fln

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1. ...
Newspeak 26.01.2014
Frau Wanka sollte sich vielleicht zuerst um die Akademiker kümmern, die erfolgreich ihr Studium abgeschlossen haben, hochqualifiziert sind und trotz "Fachkräftemangel" keine Stelle an einer deutschen Uni bekommen, weil die Grundfinanzierung immer weiter reduziert wird und der akademische Mittelbau bereits zerstört wurde.
2. Huch...
kölschejung72 26.01.2014
Wo gibt es bitte 40.300 Euro Durchschnittsgehalt für staatlich anerkannte Sozialpädagogen (FH)? Selbst im TvÖD kommen sie am Ende der Karriere bestenfalls auf 36.000. Und bei den freien Trägern, die die Masse an Stellen haben, können sie sich glücklich schätzen wenn sie über 30.000 Euro bekommen. Im Bereich der Bildungsträger liegt es gar nur bei ca. 20.000 Euro. Auf die 40.300 kommt man vielleicht dann, wenn man die Sozialpädagogen mit Universitätsdiplom dazurechnet. Wir wollen ja nicht, dass sich Studienanfänger mit völlig illusorischen Erwartungen für den Beruf des Sozialpädagogen entscheiden.
3. Das ist schon großartig........
h0wkeye 26.01.2014
erst versuchen wir, immer mehr Menschen das Abitur machen zu lassen, dann verkürzen wir dieses und dann schicken wir ein Drittel der Abiturienten in eine verkürzte Lehre - anstatt sie mit sechzehn auf diesen Weg zu bringen. Schilda war ein höchst rationaler Ort im Vergleich zu dem, was unsere Politiker u.a. unter falsch verstandenem Harmonisierungsdruck durch den sog. Bologna-Prozess aus Europa machen.
4.
frutsch 26.01.2014
Sehr löblich. Allerdings sollte sie vielleicht dafür sorgen, dass solche Leute erst gar nicht studieren können. Leider lässt heutzutage die "allgemeine Hochschulreife" keinen Schluß zu, ob eine Person ein Studium überhaupt bewältigen kann. Oft gibt es erhebliche Defizite in Mathematik, in Naturwissenschaften und besonders in Ausdrucksweise und Rechtschreibung.
5. Das ist mal wieder typisch....
fuzzy010 26.01.2014
in der Bananenrepublik. Erst sollen allen studieren und dann, wenn auf einmal gar nicht alle in der Lage sind, hilft man Ihnen zu einer Ausbildung. Alle die studieren sind volljährig sie müssen nicht immer an die Hand genommen werden. Das Leben ist kein "Betreutes Wohnen" es gibt Höhen und Tiefen und jeder der diese meistert wird gestärkt daraus hervorgehen, denn das ist Lebenserfahrung. Und diese Höhen und Tiefen haben alle, sei es im Bereich des Privaten, Beruflichen usw.. Es gibt natürlich Leute die hiermit besser udn schlechter umgehen können, aber wie schon gesagt das Leben ist kein Wunschkonzert.
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