Krasse Schweizer Studiengebühren: HSG, bald bist du dein Klischee

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Wer an der Elite-Uni St. Gallen studieren will, sollte ein pralles Bankkonto mitbringen: Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit plant die Lokalregierung eine Gebührenerhöhung. Für Deutsche könnte ein Jahr an der HSG dann bald mehr als 5000 Euro kosten - denn Nicht-Schweizer zahlen extra.

Schweizer Studiengebühren: St. Gallen plant erneute Erhöhung Fotos
St. Galler Tagblatt/Urs Jaudas

Für die Studenten an der Universität St. Gallen (HSG) kann ein Hochschulbesuch demnächst richtig teuer werden. Das sogenannte Sparpaket II bedeutet für die angehenden Akademiker nichts Gutes. Anfang Mai hatte die Kantonregierung auf 117 Seiten ihre neusten Sparpläne für die Stabilisierung des Staatshaushalts präsentiert. Botschaft: Rund 200 Millionen Franken (etwa 167 Millionen Euro) sollen eingespart werden.

Auch für die Schweizer Universität ist eine Mehrbelastung angedacht, die sich wie folgt zusammenfassen lässt: Höhere Gebühren für Masterstudierende, höhere Gebühren für Langzeitstudierende, höhere Gebühren für Ausländer. Gleichzeitig soll bei der Lehre kräftig gespart werden.

Neben Kürzungen im Bildungsbereich soll das "Sparpaket II" nicht nur sparen, es soll auch zusätzliche Einnahmen sprudeln lassen - und die möchte der Kanton auch von seinen Studenten haben. Besonders für ausländische Studenten sehen die Pläne eine drastische Studiengebührenerhöhung von jährlich 2000 bis 3000 Franken (etwa 1665 bis 2500 Euro) vor.

Dabei wurden schon im vergangenen Jahr die Gebühren für ein Studium in der Schweiz deutlich angezogen: Für einheimische Studenten von 1600 auf 2000 Franken (1330 auf 1665 Euro) im Jahr, für Hochschüler aus dem Ausland von jährlich 1900 auf 3800 Franken (1582 auf 3164 Euro) sogar fast verdoppelt.

Die nun vorgestellten Zahlen des Bildungsdepartements schlagen eine weitere Erhöhung von 400 bis 800 Franken (333 bis 666 Euro) für heimische Masterstudenten und 2900 bis 4800 Franken (2415 bis 3996 Euro) für Langzeitstudenten vor. Richtig zugelangt wird bei ausländischen Studenten. In der Schweiz ist es üblich, dass die jeweiligen Heimatkantone für die Ausbildung ihrer Studenten innerhalb des Landes aufkommen. Bei Nicht-Schweizern sind diese Ausgleichzahlung nicht möglich, daher die höheren Gebühren.

"Generelle Chancengleichheit bedroht"

Zusätzlich wurde mit dem Sparpaket ein Verzichtsplan für Lehre und Verwaltung an der Universität ausgearbeitet. Lehrveranstaltungen, Projektfinanzierungen und Fremdsprachenförderungen sollen in St. Gallen gestrichen werden. Anstehende Gebäudereperaturen würden laut Plan in die Zukunft verschoben. Die Lehrbelastung für Dozenten möchte die Kantonregierung allerdings erhöhen.

Gegen die Kürzungen demonstrierten Hunderte von Studenten Anfang der Woche mit einem Flashmob in der Innenstadt von St. Gallen. "Es ist für viele Studenten ein Problem, wenn sie mit dem Studium beginnen und nicht wissen, wie viel es schließlich kostet", sagte ein Student der Schweizer Regionalzeitung St. Galler Tagblatt.

Die Studenten befürchten, die Atmosphäre an der Hochschule könnte sich nachhaltig verändern, wenn in St. Gallen nur noch studieren kann, wer finanziell bessergestellt ist. Philipp Wellstein, Präsident der Studentenschaft der HSG, erinnerte an die angedachten Qualitätsverbesserungen der Universität. Diese seien durch die zusätzlichen Einnahmen im vergangenen Jahr versprochen worden: "Jetzt soll aber mit einer Verzichtsplanung Qualität abgebaut werden, und gleichzeitig sollen Studenten mehr bezahlen. Das weckt schon großen Unmut."

Auf der Homepage der Studentenschaft heißt es, eine erneute Erhöhung der Gebühren sei "nicht nachvollziehbar", eine "generelle Chancengleichheit bedroht". Die Studenten der HSG hätten nun die Möglichkeit, sich in den Prozess einzuschalten. Ein Sprecher der Universität sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Wir sollen grundsätzlich Einsparungen vornehmen, aber die genannten Zahlen sind nicht verbindlich. Noch ist nichts fix."

Zustrom aus Deutschland macht Ärger

Für die international ausgerichtete Universität wäre eine erneute Belastungen in so kurzer Zeit kein gutes Zeichen. Laut dem Schweizerischen Bundesamt für Statistik besuchten im vergangenen Wintersemester knapp 135.000 Studenten eine Hochschule. Fast 24 Prozent kamen aus dem Ausland, die größte Gruppe ist aus Deutschland.

Ein Studium in der Schweiz bedeutete lange Zeit das Studieren unter hervorragenden Bedingungen: Die Gebühren waren vergleichsweise niedrig und viele Studiengänge hatten keine Zulassungsbeschränkungen.

Weil aber immer mehr ausländische Studenten in die Schweiz strömten, wurden die Zugangsbedingungen an diversen Universitäten durch Gebühren und Zulassungsprüfungen verschärft. St. Gallen hat schon lange eine Quote von 25 Prozent für ausländische Studenten festgelegt.

Weil der Zustrom aus Deutschland für manche Politiker und Hochschulen zum Problem wurde, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen zwischen den Ländern. Vor kurzem wetterte eine Abgeordnete der nationalkonservativen Schweizer Volkspartei gegen deutsche Zuwanderer: "Einzelne Deutsche stören mich nicht, mich stört die Masse", sagte Natalie Rickli der Zeitung "Sonntags-Blick".

Im Juni 2012 wird der Regierungsrat in St. Gallen endgültig verkünden, welche Kosten direkt auf die Studenten zukommen und was auf die Universität und Lehre abgewälzt wird: "Jetzt müssen wir abwarten. In der Verwaltung haben wir unsere Budgets jedenfalls bis 2016 schon zusammengestrichen", sagt ein Sprecher der Universität.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hatte es geheißen, die Universität St. Gallen habe auf ihrer Homepage die erneute Gebührenerhöhung kritisiert. Die Zitate stammen jedoch von der Homepage der Studentenschaft.

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insgesamt 99 Beiträge
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1. Nur bei uns....
kezia_BT 10.05.2012
kann jeder umsonst studieren! Die Unis platzen aus allen Nähten, die Qualität der Lehre ist nur noch durch weit über das Normale hinausgehende Engagement der Professoren einigermaßen zu halten - und ganze Heerscharen von Studierenden mit teils abschreckendem Niveau kommen von irgendwoher um ebenfalls an der schönen kostenlosen Bildung teilzuhaben. Unsere Politiker finden's gut, und nennen es "Internationalisierung", und deswegen sollen Veranstaltungen auch noch am besten nur auf Englisch angeboten werden (damit die Einheimschen erst recht benachteiligt sind). Lernt von der Schweiz - laßt Einheimische preiswert (nicht umsonst!) studieren, bittet EU-Angehörige moderat und Angehörige anderer Länder sehr saftig zur Kasse!
2.
oxygenx 10.05.2012
Zitat von kezia_BTkann jeder umsonst studieren! Die Unis platzen aus allen Nähten, die Qualität der Lehre ist nur noch durch weit über das Normale hinausgehende Engagement der Professoren einigermaßen zu halten - und ganze Heerscharen von Studierenden mit teils abschreckendem Niveau kommen von irgendwoher um ebenfalls an der schönen kostenlosen Bildung teilzuhaben. Unsere Politiker finden's gut, und nennen es "Internationalisierung", und deswegen sollen Veranstaltungen auch noch am besten nur auf Englisch angeboten werden (damit die Einheimschen erst recht benachteiligt sind). Lernt von der Schweiz - laßt Einheimische preiswert (nicht umsonst!) studieren, bittet EU-Angehörige moderat und Angehörige anderer Länder sehr saftig zur Kasse!
Wie der Beitrag formuliert ist, könnte fast meinen er wäre nicht sarkastisch.... nächstes mal besser aufpassen sonst geht der schuss nach hinten los
3. die schweizer sollten sich schämen
Gebetsmühle 10.05.2012
Zitat von sysopSt. Galler Tagblatt/Urs JaudasWer an der Eliteuni St. Gallen studieren will, sollte ein pralles Bankkonto mitbringen: Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit plant die Lokalregierung eine Gebührenerhöhung. Für Deutsche könnte ein Jahr an der HSG dann bald mehr als 5000 Euro kosten - denn Nicht-Schweizer zahlen extra. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,832271,00.html
wenn ausländer anders behandelt werden als einheimische, dann ist das blanker rassismus. man stelle sich mal vor, in deutschland wäre für ausländer alles extra höher ausgepreist. ich halte das für verfassungswidrig. das geschrei wäre jedenfalls riesig, wenn die schweizer bei uns im museum, teater oder der oper den dreifachen eintritt zahlen müßten. schließlich ist das alles subventioniert. andrerseits ist das in vielen ländern gängige praxis. als ich mal in den usa war, mußte ich in einen nationalpark 4mal so viel eintrittsgebühren zahlen wie ein amerikaner und sogar die privatunterkünfte waren teurer. hier zählt offenbar nicht der mensch, sondern seine herkunft. beschämend für ein land, sag ich da nur!
4.
ajf00 10.05.2012
Zitat von kezia_BTkann jeder umsonst studieren! Die Unis platzen aus allen Nähten, die Qualität der Lehre ist nur noch durch weit über das Normale hinausgehende Engagement der Professoren einigermaßen zu halten - und ganze Heerscharen von Studierenden mit teils abschreckendem Niveau kommen von irgendwoher um ebenfalls an der schönen kostenlosen Bildung teilzuhaben. Unsere Politiker finden's gut, und nennen es "Internationalisierung", und deswegen sollen Veranstaltungen auch noch am besten nur auf Englisch angeboten werden (damit die Einheimschen erst recht benachteiligt sind). Lernt von der Schweiz - laßt Einheimische preiswert (nicht umsonst!) studieren, bittet EU-Angehörige moderat und Angehörige anderer Länder sehr saftig zur Kasse!
Einheimische und EU-Angehoerige duerfen nicht unterschiedlich behandelt werden. Ansonsten wundere ich mich auch ueber die Ueberschrift und den Alarmismus. Hier in England kostet ein Studium mittlerweile um die 9000 Pfund pro Jahr. Nicht das ich das gut finde, aber 5000 Franken oder Euro oder was auch immer ist nichts besonders ausergewoehnliches und wahrscheinlich noch nicht kostendeckend.
5. War er nicht
cor 10.05.2012
Zitat von oxygenxWie der Beitrag formuliert ist, könnte fast meinen er wäre nicht sarkastisch.... nächstes mal besser aufpassen sonst geht der schuss nach hinten los
Der Beitrag war nicht sarkastisch gemeint und wenn's nach mir geht hat kezia_BT vollkommen Recht.
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