Titel für 15.000 Euro: Ermittler fahnden nach falschen Doktoren
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Osnabrücker Geschäftsmann, weil er mit Doktortiteln der TU Warschau gehandelt haben soll. Mindestens 70 Mal hat er den Fahndern zufolge 14.800 Euro für gefälschte Urkunden kassiert.
Es war ein offenbar einträgliches Geschäft für den Osnabrücker Geschäftsmann Reinhard K., bis ihm die Steuerfahnder auf die Schliche kamen - und jetzt müssen auch mindestens 70 Träger eines Doktortitels der Technischen Universität Warschau fürchten, strafrechtlich verfolgt zu werden.
Denn K. hat wohl, so legen es die Erkenntnisse der zuständigen Staatsanwaltschaft Osnabrück nahe, mit gefälschten Doktortiteln der Polnischen TU gehandelt. Wer bereit war, 14.800 Euro auf ein Konto bei der Postbank Hannover einzuzahlen, bekam eine Promotionsurkunde zugeschickt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück sagte, das Konto gehöre zu einer Schweizer Firma, der Geschäftsmann K. habe aber Verfügungsgewalt über das Konto. Und die Firma ist ihm offenbar auch zuzurechnen.
Auf die Schliche gekommen seien die Ermittler dem mutmaßlichen Titelhändler, weil ein Steuerstrafverfahren gegen ihn laufe. Der Sprecher bestätigte damit einen Bericht des NDR, wonach die Ermittler 70 verdächtige Titelträger überprüfen. Gegen den Mann werde wegen Anstiftung zum Titelmissbrauch, Betrug und eben Steuerhinterziehung ermittelt.
Nach NDR-Recherchen soll der 64 Jahre alte Kaufmann auch hinter falschen Ehrendoktortiteln einer erfundenen "Yorkshire University" in Großbritannien stecken. Die Urkunden seien offenbar in Osnabrück produziert und von dort auch verschickt worden.
Die "Yorkshire University" wiederum ist eine alte Bekannte: Zahlreiche deutsche Träger dieses falschen Titels sind in den vergangenen Jahren zu Geldstrafen verurteilt worden. Die vermeintliche Uni firmierte in der Karibik, auf Tortola, einer der britischen Jungferninseln. Sie ist deutschen Gerichten gut bekannt, weil ihre Ehrendoktorwürde en masse in Spam-Schreiben gegen Geld angeboten wurde. Im Mai 2006 verurteilte das Amtsgericht Nordhausen einen Dr. h. c. der Yorkshire University wegen Titelmissbrauchs, im Juli 2007 das Amtsgericht Cham eine Heilpraktikerin - sie hatte sich den Titel für 3800 Euro gekauft. Die Kultusministerkonferenz in Bonn hatte dazu in einem Gutachten festgestellt, dass "Grade bzw. Ehrengrade der Yorkshire University nicht zur Führung genehmigt werden".
otr/dpa
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- Bericht des NDR: "Falsche Doktortitel made in Osnabrück"
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