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Über 40 Prozent kinderlos: "Akademikerinnen finden oft keinen Partner"

Der Anteil studierter Frauen ohne Kinder ist enorm. Eine Magdeburger Professorin sieht einen überraschenden Grund: Der Kinderwunsch scheitert nicht etwa am Balanceakt zwischen Familie und Karriere, sondern am Heiratsmarkt - der gibt kaum gescheite Kerle her.

Akademikerin: Courage, Mütter
Shell

Akademikerin: Courage, Mütter

Magdeburg - Deutsche Akademikerinnen sind besonders häufig kinderlos: Von den 37- bis 40-jährigen Frauen mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss haben neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge 43 Prozent in Westdeutschland und 24 Prozent in Ostdeutschland keine Kinder. Viel ist in den letzten Jahrzehnten debattiert worden über den schwierigen Spagat zwischen Kindern und Beruf, über fehlende Kindergartenplätze als Karrierebremse, über den Verzicht auf Kinder wegen all der widrigen Umstände. Aber den Hauptgrund ortet die Magdeburger Wissenschaftlerin Christiane Dienel ganz woanders - es ist die Partnersuche.

"Die studierten Frauen haben Kinder genauso gern wie ihre Altersgenossinnen", sagte Dienel, Professorin für Europäische Politik und Gesellschaft an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal. Wenn Hochschulabsolventinnen den passenden Ehemann oder Lebensgefährten fänden, erfüllten sie sich auch ihren Kinderwunsch. "Verheiratete Akademikerinnen sind ebenso selten oder häufig kinderlos wie alle anderen Frauen", so die Wissenschaftlerin mit Blick auf entsprechende Studien. Doch eben der fehlende Partner sei oft das Problem: "Denn der Heiratsmarkt wird für studierte Frauen immer enger."

Schuld ist die "Homogamie"

Akademikerinnen wünschten sich in der Regel für ihre Kinder einen Vater mit Abitur beziehungsweise mit abgeschlossenem Studium. Doch männliche Akademiker heirateten nicht selten unter ihrem Bildungsstand, etwa der Chef seine Sekretärin oder der Arzt die Krankenschwester. Eine umgekehrte Entscheidung, also wenn beispielsweise die Chefin ihren Chauffeur als Ehemann auswähle, werde dagegen von der Gesellschaft kaum akzeptiert, sagte die Wissenschaftlerin.

Grafik: Mütter mit Examen
Deutscher Instituts-Verlag

Grafik: Mütter mit Examen

Weiter verwies Dienel auf die "wechselseitige Attraktivität der Partner". Während auf dem Heiratsmarkt bei den Männern Einkommen und berufliche Position als Statussymbole zählten, müsse die Frau mit Jugend und Schönheit punkten.

Als "Homogamie" bezeichnen Wissenschaftler die Einhaltung der sozialen Grenzen bei der Partnersuche, die zu DDR-Zeiten kaum eine Rolle gespielt hätten, so Dienel. Dort habe der Meister fast ebenso viel verdient wie der Kombinatsdirektor, der Arbeiter neben dem Handwerker im Plattenbau gewohnt, der Landwirt den "Trabbi" ebenso gefahren wie der Künstler. Eine Eheschließung über soziale Grenzen hinweg sei nicht selten gewesen.

"Mittlerweile haben sich die Verhältnisse in Ost und West aber angeglichen", sagt die Magdeburger Expertin. Sie hat im Auftrag der Landesregierung von Sachsen-Anhalt eine Studie zur Entwicklung einer regionalen Bevölkerungsstrategie gegen Abwanderung und für Familiengründung erarbeitet.

Ost und West gleichen sich an

Die Ergebnisse relativieren auch die jüngsten Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, nach denen westdeutsche Frauen deutlich häufiger auf Kinder verzichten als ostdeutsche: In den alten Bundesländern waren danach im März vergangenen Jahres 30 Prozent der 37- bis 40-jährigen deutschen Frauen kinderlos, in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin dagegen nur 22 Prozent. Doch die Kinder der 37- bis 40-jährigen Ostdeutschen seien zumeist noch zu DDR-Zeiten geboren worden, sagte Dienel. In der DDR hätten damals nahezu alle Frauen, die dazu körperlich in der Lage gewesen seien, Kinder bekommen.

Idealpartner: Der kann's
DDP

Idealpartner: Der kann's

Doch inzwischen gebe es zwischen den neuen und alten Ländern kaum noch Unterschiede, fügte die Wissenschaftlerin mit Blick auf entsprechende Statistiken hinzu. Danach waren die ostdeutschen Frauen des Jahrgangs 1955 nur zu 6,2 Prozent kinderlos, während die 1965 Geborenen voraussichtlich zu 26 Prozent kinderlos bleiben werden. Im Westen dagegen haben rund 23 Prozent der 1960 geborenen und voraussichtlich 31 Prozent der 1965 geborenen Frauen keine eigenen Kinder, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.

In keinem anderen europäischen Land bleiben so viele Frauen kinderlos wie in der Bundesrepublik. Doch die Entwicklung sei kein unabänderlicher schicksalhafter Prozess. "Politik gestaltet den Rahmen für das Kinderkriegen genauso wie etwa für umweltbewusstes Verhalten oder die Altersvorsorge", meinte Christiane Dienel. Eine neue Bevölkerungspolitik sollte indes nicht nur aus Angst vor leeren Rentenkassen auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Von Birgitt Pötzsch, AP

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