Mächtige Uni-Präsidenten: Das süße Leben der Campus-Könige

Von Sven Becker

3. Teil: Die Herrscher bauen ihre Paläste

Zur Großansicht
Sebastian Iwohn

Der Campus der Universität von Lüneburg liegt auf dem Gelände einer alten Bundeswehrkaserne. Seit dem Abzug der Soldaten gehört die Hochschule zu den wenigen großen Arbeitgebern der Stadt; die hübschen Backsteingebäude wurden zu Büros und Hörsälen umgebaut. Vor acht Jahren suchte die Universität einen neuen Präsidenten, der sie von der Zwangsfusion mit einer Fachhochschule heilen sollte. Zahlreiche Lehrstühle mussten gestrichen werden. Monatelang fand sich kein Kandidat, der die Aufgabe lösen wollte. Am Ende entschied sich die Hochschule für den 36 Jahre alten Sascha Spoun.

Der Wirtschaftswissenschaftler krempelte die Stiftungsuniversität um. Spoun verpasste ihr einen neuen Namen, "Leuphana", ein neues Logo und ein modernes Studienmodell. Er machte Fächer dicht - und bei der Europäischen Union 64 Millionen Euro für regionale Wirtschaftsförderung locker.

Spoun zeigte ein Gespür für große Namen, zum Semesterbeginn lud er den früheren US-Präsidenten Jimmy Carter ein und erklärte in einem "Zeit"-Interview, die Universität müsse ein Ort sein, dem man mit Respekt begegne. Die Politik feierte seine hemdsärmlige Art, vor vier Jahren war die Leuphana Station der "Bildungsreise" von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Weniger zufrieden zeigten sich einige Professoren der Leuphana mit ihrem neuen Dienstherrn. Viele rümpften die Nase, schon weil Spoun nicht mal einen ordentlichen Professorentitel trug. Ihnen schmeckte auch nicht, dass Spoun Dutzende Professuren von externen Berufungskommissionen besetzen ließ. Besonders umstritten war eine Personalie, die bundesweit Aufsehen erregte. Eine Berufungskommission tagte 2007 im noblen Ritz-Carlton in Wolfsburg. Sie schlug den Stararchitekten Daniel Libeskind als Professor für Architektur vor - dabei gibt es das Studienfach in Lüneburg überhaupt nicht.

Wenig später gab die Universität bekannt, dass Libeskind das neue Zentralgebäude der Leuphana entwerfen sollte. Einen futuristischen Neubau für stolze 60 Millionen Euro, finanziert zum großen Teil aus Mitteln des Landes und der EU. Bald wurde der Vorwurf der Mauschelei laut.

Im Mittelpunkt der Kritik stand Spouns Vizepräsident Holm Keller. Der ehemalige McKinsey-Manager kannte Daniel Libeskind schon länger. Eine mittlerweile aus dem Handelsregister gelöschte Firma, an der Keller beteiligt war, vermarktete Designervillen von Libeskind. Die Fassaden produzierte die Firma Rheinzink aus Datteln. Genau diese Firma kam nun auch als Sponsor beim neuen Zentralgebäude in Lüneburg zum Zuge. Voriges Jahr statteten Ermittler der EU-Anti-Korruptionsbehörde "Olaf" der Hochschule einen Besuch ab. Keller streitet jede Form von Interessenkonflikt ab. Die Uni verweist auf die damalige Wissenschaftsministerin, die den Ablauf als unbedenklich bezeichnet hätte.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Stäffelesrutscher 30.01.2013
Zitat von sysopIm Zuschauerraum, umgeben von goldenem Zierrat, nimmt Herrmann neben seinen Gästen Platz; es ist eine Gruppe von Wissenschaftlern, sie haben die Fakultät für Bauwesen begutachtet und ihm am Nachmittag ihren Bericht vorgestellt. Zur Belohnung hat Herrmann sie auf TU-Kosten in die Oper eingeladen, die Karte kostet 118,50 Euro pro Stück. "Das muss man sich schon mal gönnen", sagt Herrmann. Uni-Präsidenten regieren ihre Hochschulen wie Königreiche - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/uni-praesidenten-regieren-ihre-hochschulen-wie-koenigreiche-a-871965.html)
Abgesehen davon, dass Herrmann »sich« nichts gönnt, sondern die Tickets vom Staat oder den Studierenden (per Studiengebühr} bezahlt werden, dürfte es sich um Bestechung handeln (also sooo bekommt man den Titel Exzellenzuni!!!), ferner ist zu fragen, ob die so verwöhnten »Gutachter« den Kartenpreis und den vielleicht noch folgenden Besuch im Edelpuff auch als geldwerten Vorteil versteuern.
2. Unglaublich
olsche 30.01.2013
Herr Herrmann mit seinen 64 Jahren war bestimmt nicht einer von den Studenten die 1967 auf Transparenten auf darauf aufmerksam machten: "Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren". Irgendwie drängt sich mir beim Lesen des Artikels der Eindruck auf, die Menschen haben sich nicht weiterentwickelt. Zumindest nicht seine Magnifizenz Herrmann und weitere ähnliche Herrschaften.
3. auch in Niedersachsen ?
urdemokrat 30.01.2013
Die Abwahl der Unipräsidentin in Hannover durch ihre Professoren soll hintergründig unter anderen mit nicht ausgezahlten Geldern an die Magnificenzen zusammenhängen. Das würde in das Bild passen
4. Gehälter
Axel Schön 30.01.2013
Irre ich mich, oder werden in Ihrem Artikel einfach mal die hohen Gehälter nur in der Überschrift anmoderiert, dann aber weiter nicht konkretisiert oder gar mit Zahlen untermauert? Hätte ich gern gelesen, wieviel denn "HOCH" ist....
5. Der Begriff "Gastfreundschaft" ...
westerwäller 30.01.2013
Zitat von StäffelesrutscherAbgesehen davon, dass Herrmann »sich« nichts gönnt, sondern die Tickets vom Staat oder den Studierenden (per Studiengebühr} bezahlt werden, dürfte es sich um Bestechung handeln (also sooo bekommt man den Titel Exzellenzuni!!!), ferner ist zu fragen, ob die so verwöhnten »Gutachter« den Kartenpreis und den vielleicht noch folgenden Besuch im Edelpuff auch als geldwerten Vorteil versteuern.
... scheint ihnen genauso fremd zu sein, wie die Beträge , die für eine Bestechung aufgewendet werden müssten ... Wahrscheinlich noch immer in der Wulff&Co-Diskussion verhangen, wo die Leute glaubten, mit der Bezahlung einer Hotelübernachtung oder eines opulenten Abendessens könnte man jemanden für ein Millionengeschäft bestechen ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Job & Beruf
RSS
alles zum Thema Universitäten
RSS

© UniSPIEGEL 6/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Mittwoch, 30.01.2013 – 11:02 Uhr
  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 56 Kommentare
Titelbild
Heft 6/2012 Warum die Uni-Präsidenten so mächtig sind wie nie
Fotostrecke
Hochschulstudie: So zufrieden sind deutsche Uni-Chefs

Fotostrecke
Hochschulrektorenkonferenz: KIT-Präsident wird oberster Hochschulchef

Professoren-Tarot
Fotostrecke
Gerichtsurteil: Professorengehälter sind zu niedrig


Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...