Mächtige Uni-Präsidenten: Das süße Leben der Campus-Könige
3. Teil: Die Herrscher bauen ihre Paläste
Der Campus der Universität von Lüneburg liegt auf dem Gelände einer alten Bundeswehrkaserne. Seit dem Abzug der Soldaten gehört die Hochschule zu den wenigen großen Arbeitgebern der Stadt; die hübschen Backsteingebäude wurden zu Büros und Hörsälen umgebaut. Vor acht Jahren suchte die Universität einen neuen Präsidenten, der sie von der Zwangsfusion mit einer Fachhochschule heilen sollte. Zahlreiche Lehrstühle mussten gestrichen werden. Monatelang fand sich kein Kandidat, der die Aufgabe lösen wollte. Am Ende entschied sich die Hochschule für den 36 Jahre alten Sascha Spoun.
Der Wirtschaftswissenschaftler krempelte die Stiftungsuniversität um. Spoun verpasste ihr einen neuen Namen, "Leuphana", ein neues Logo und ein modernes Studienmodell. Er machte Fächer dicht - und bei der Europäischen Union 64 Millionen Euro für regionale Wirtschaftsförderung locker.
Spoun zeigte ein Gespür für große Namen, zum Semesterbeginn lud er den früheren US-Präsidenten Jimmy Carter ein und erklärte in einem "Zeit"-Interview, die Universität müsse ein Ort sein, dem man mit Respekt begegne. Die Politik feierte seine hemdsärmlige Art, vor vier Jahren war die Leuphana Station der "Bildungsreise" von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Weniger zufrieden zeigten sich einige Professoren der Leuphana mit ihrem neuen Dienstherrn. Viele rümpften die Nase, schon weil Spoun nicht mal einen ordentlichen Professorentitel trug. Ihnen schmeckte auch nicht, dass Spoun Dutzende Professuren von externen Berufungskommissionen besetzen ließ. Besonders umstritten war eine Personalie, die bundesweit Aufsehen erregte. Eine Berufungskommission tagte 2007 im noblen Ritz-Carlton in Wolfsburg. Sie schlug den Stararchitekten Daniel Libeskind als Professor für Architektur vor - dabei gibt es das Studienfach in Lüneburg überhaupt nicht.
Wenig später gab die Universität bekannt, dass Libeskind das neue Zentralgebäude der Leuphana entwerfen sollte. Einen futuristischen Neubau für stolze 60 Millionen Euro, finanziert zum großen Teil aus Mitteln des Landes und der EU. Bald wurde der Vorwurf der Mauschelei laut.
Im Mittelpunkt der Kritik stand Spouns Vizepräsident Holm Keller. Der ehemalige McKinsey-Manager kannte Daniel Libeskind schon länger. Eine mittlerweile aus dem Handelsregister gelöschte Firma, an der Keller beteiligt war, vermarktete Designervillen von Libeskind. Die Fassaden produzierte die Firma Rheinzink aus Datteln. Genau diese Firma kam nun auch als Sponsor beim neuen Zentralgebäude in Lüneburg zum Zuge. Voriges Jahr statteten Ermittler der EU-Anti-Korruptionsbehörde "Olaf" der Hochschule einen Besuch ab. Keller streitet jede Form von Interessenkonflikt ab. Die Uni verweist auf die damalige Wissenschaftsministerin, die den Ablauf als unbedenklich bezeichnet hätte.
- 1. Teil: Das süße Leben der Campus-Könige
- 2. Teil: Die Uni-Könige erklimmen den Thron
- 3. Teil: Die Herrscher bauen ihre Paläste
- 4. Teil: Der Kampf der Rebellen
- 5. Teil: Der Aufstand gegen die Sonnenkönige bleibt aus
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