Wenn der Kunstprofessor Pierangelo Maset sein Büro auf dem Campus in Lüneburg verlässt, steht er nach wenigen Schritten vor einer gewaltigen Baugrube. Hier soll bis Ende 2014 das neue Zentralgebäude entstehen. Für den geplanten Protzbau hat er nur noch Sarkasmus übrig: "Auf das Libeskind-Audimax freue ich mich", sagt er. "Damit werden wir ein Mahnmal für die grausamen Bildungsreformen der letzten Jahre haben, das uns lebenslang daran erinnern wird, was hier geschehen ist."
Maset saß mehrere Jahre im Senat der Hochschule und geriet mehrfach mit dem Präsidium aneinander. Die Atmosphäre ist vergiftet. In einem Artikel für das Magazin der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International schrieb Maset Kritisches über den Libeskind-Bau. Die Hochschulleitung setzte juristisch durch, dass die Korruptionshüter sich nicht mehr so darüber äußern dürfen. "Hier herrschen mittlerweile Verhältnisse, die ich als totalitär empfinde", sagt Maset.
Sascha Spoun, der Präsident, sagt, das Zentralgebäude sei dringend erforderlich gewesen. Er setze jetzt nur um, was er vor seiner Wahl angekündigt habe. "Die starke Position muss man nutzen, aber man darf sie nicht ausnutzen", sagt Spoun. "Ich sage den Kritikern immer, sie sollen die Leute an ihren Leistungen messen." Seit Amtsantritt habe die Leuphana beispielsweise die Drittmittel für die Forschung verdreifacht.
Für Spoun ist es ein Konflikt zwischen altem und neuem Denken. "Die einen vergleichen uns mit der Gruppenuniversität der siebziger Jahre. Ich sehe uns dagegen im Wettstreit mit den Universitäten in Südkorea oder China. Diese Länder haben dramatisch aufgeholt", sagt Spoun.
Das war die Idee: den neuen Präsidenten mehr Verantwortung zu übertragen, damit sie die deutschen Hochschulen für den internationalen Wettbewerb rüsten. Die Frage ist, wie souverän die neuen Herrscher ihre Ideen umsetzen.
In Lüneburg schreiben anonyme Blogger Suaden gegen die Arbeit des Präsidenten. Sascha Spoun sagt, dass jeder in Lüneburg offen seine Meinung äußern dürfe. Die Blogger sehen das anders: Auf Anfrage wollen sie anonym bleiben, sie stünden im "Abhängigkeitsverhältnis zu Akteuren innerhalb der Universität".
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