Der Chauffeur wartet bereits, als der Präsident nebst Gattin das Büro verlässt. Jetzt aber schnell, in weniger als einer Stunde spielt die Bayerische Staatsoper das neue Werk des Komponisten Jörg Widmann. Der Präsident lässt sich auf den Beifahrersitz des Audi A8 fallen. Der Fahrer hält der Gattin die Hintertür auf. Dann braust die Limousine durch den Herbstabend davon.
Wolfgang Anton Herrmann, seit 17 Jahren Präsident der Technischen Universität (TU) München, verkörpert wie kein anderer den barocken Campus-König: Die Universität, das bin ich!
Herrmann, 64, regiert über 13 Fakultäten, 478 Professoren und 32.000 Studierende. In seinem Stab arbeiten knapp 30 Mitarbeiter. Herrmann hat eine Außenstelle in Singapur und ein Lobbybüro in Brüssel gegründet. Während seiner Regentschaft errang die Uni zweimal den Exzellenztitel.
Der Chauffeur stoppt vor den korinthischen Säulen der Staatsoper. Im Zuschauerraum, umgeben von goldenem Zierrat, nimmt Herrmann neben seinen Gästen Platz; es ist eine Gruppe von Wissenschaftlern, sie haben die Fakultät für Bauwesen begutachtet und ihm am Nachmittag ihren Bericht vorgestellt. Zur Belohnung hat Herrmann sie auf TU-Kosten in die Oper eingeladen, die Karte kostet 118,50 Euro pro Stück. "Das muss man sich schon mal gönnen", sagt Herrmann.
Willkommen in der Glitzerwelt der Hochschulpräsidenten. Sie messen ihre Häuser an den Spitzen-Unis weltweit, antichambrieren in den Ministerien, treiben Drittmittel auf und Prestigeprojekte voran. Während Juniorprofessoren um ihre Zukunft bangen und Studenten in überfüllten Hörsälen Credit Points sammeln, verfügen ihre Präsidenten über luxuriöse Dienstwagen, geben bei Stararchitekten Protzbauten in Auftrag und führen sich insgesamt so auf, als wären sie CEOs von Dax-30-Unternehmen.
Die Hochschulreformer wollten, dass die Unis selbständiger handeln, sich selbst um ihre Finanzen und ihre Exzellenz kümmern können. Gute Idee. Sie wollten auch, dass nicht mehr alles in den Gremien der Universitäten blockiert werden kann. Gute Idee. Offenbar vergaßen die Politiker jedoch, dass die neuen Machthaber strenge Kontrolleure brauchen. Jetzt kommen die Auswüchse der Reformen zum Vorschein. Die Habsucht mancher Präsidenten beispielsweise.
In Thüringen hat der Landesrechnungshof in seinem letzten Jahresbericht die steigenden Gehälter der Hochschulpräsidenten gerügt. An sieben von neun Thüringer Unis sei ihre Besoldung unangemessen hoch. Der "gravierende Anstieg" lasse sich auch nicht mehr mit der neuen Bedeutung der Hochschulen begründen. An einer Uni in Niedersachsen lag das Gehalt eines Präsidiumsmitglieds gleich vier Besoldungsstufen über den Vorgaben des Ministeriums. "Wir bemerken eine gewisse Selbstbedienungsmentalität", sagt Herrmann Palm vom niedersächsischen Landesrechnungshof.
Doch wie konnte es dazu kommen? Und warum tun die Ministerien nichts dagegen?
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