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Urteil in Würzburg: Zahnärzten wurde rechtmäßig der Dr. entfernt

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Zahnarzt bei der Arbeit: Spott über die "Würzburger Doktorenfabrik" Zur Großansicht
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Zahnarzt bei der Arbeit: Spott über die "Würzburger Doktorenfabrik"

Geklaut, arglistig getäuscht, keine wissenschaftliche Leistung: Zwei Zahnärzte aus Würzburg sind mit einer Klage gegen die Aberkennung ihrer Doktortitel gescheitert. Die Uni hatte die Grade zu Recht entzogen, urteilte ein Verwaltungsgericht.

Pflaster und Salben, Öle und geheimnisvolle Pulver: Damit mussten sich Wundärzte um 1500 auskennen. Damals entstand die "Würzburger Wundarznei", ein chirurgisches Handbuch des Spätmittelalters. Knapp 500 Jahre später schrieben zwei Würzburger Medizinstudenten über das Traktat ihre Doktorarbeiten - oder eben auch nicht.

Denn die Uni ließ nach dem Hinweis einer anonymen Gruppe "Freunde des Instituts für Geschichte der Medizin" die zur Jahrtausendwende entstandenen Promotionen überprüfen. In den 26 und 40 Seiten schmalen Doktorarbeiten fanden die Gutachter etliche Passagen, die aus anderen Arbeiten stammten. Die Universität entzog den Medizinern daraufhin ihre akademischen Grade.

"Arglistige Täuschung"

Doch die beiden Zahnärzte klagten - und scheiterten am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht. Die Uni habe richtig gehandelt, urteilten die Richter, es handele sich um einen Fall von arglistiger Täuschung. Die Mediziner hätten "entgegen ihrer ehrenwörtlichen Erklärung wesentliche Passagen aus anderen Promotionsschriften übernommen, ohne diese als Zitate zu kennzeichnen", heißt es in einer Erklärung des Verwaltungsgerichts Würzburg. Eine selbständige wissenschaftliche Leistung habe es "nicht gegeben". Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, wollen die beiden Zahnärzte in Berufung gehen. (AZ: W 2 K 13.954/ W 2 K 14.228)

Uni-Präsident Alfred Forchel zeigte sich in einer Stellungnahme "erfreut" über die Entscheidung des Gerichts: "Die Universität Würzburg wird auch in Zukunft Täuschungen in Dissertations- und sonstigen Prüfungsverfahren mit der nötigen Nachhaltigkeit und Konsequenz begegnen", so Forchel.

"Würzburger Doktorfabrik"

Die Verfahren vor dem Verwaltungsgericht werfen ein Schlaglicht auf eine ganze Reihe fragwürdiger Promotionsverfahren am medizinhistorischen Institut. Ein mittlerweile emeritierter Professor hatte etliche Arbeiten externer Doktoranden betreut, die häufig nur zwischen 30 und 40 Seiten umfassten - daraufhin machte das Schlagwort von der "Würzburger Doktorfabrik" die Runde.

2007 hatte eine uni-interne Untersuchungskommission Hinweise darauf gefunden, dass im Umfeld des Lehrstuhls "Zahlungen zum Vorteil jedenfalls der Medizinhistorischen Gesellschaft als Gegenleistung für die Ausgabe von Dissertationen und für wesentliche Hilfestellungen bei ihrer Erstellung" überwiesen wurden.

Die Würzburger medizinhistorische Gesellschaft war Teil des Instituts für Medizingeschichte der Uni und ist seit 2011 abgewickelt. Eine wichtige Rolle spielte darin der verdächtige Professor. Er soll, so der damalige Vorwurf, die schmalen Promotionen gegen Spenden gleich selbst geschrieben haben. 2009 hatte der Mediziner einen Strafbefehl erhalten, weil er in sechs Fällen Geld von einem Promotionsvermittler angenommen hatte.

Vor diesem Hintergrund hat das aktuelle Urteil aus Hochschulsicht Signalwirkung: Die Universität hat bereits zwei weiteren Medizinern ihre Titel wegen Täuschungen aberkannt und geht jetzt davon aus, dass auch diese Verfahren zu ihren Gunsten entschieden werden. Außerdem würden derzeit weitere Fälle überprüft, so Uni-Präsident Alfred Forchel.

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insgesamt 63 Beiträge
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1. An der Universität Göttingen läuft es anders
foniplag 26.03.2015
Dort wurde ein Student promoviert, obwohl die Beteiligten vorher wussten, dass seine Arbeit zahlreiche Plagiate enthält. Die ursprünglichen Betreuer sagten dies laut und sollten mundtot gemacht werden. Wenn sich die Präsidentin, Frau Prof. Beisiegel doch so verhalten würde wie Herr Prof. Forchel... -> www.foniplag.com
2. Dr. med. Dr. dent.
fx33 26.03.2015
Die medizinischen Doktortitel sind eh das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben werden. Die Promotion wird doch nur notgedrungen geschrieben, weil die Patineten immer noch lieber von "Herrn Doktor" behandelt werden statt vom richtig guten Arzt ohne Dr. Deutsche Titelhörigkeit eben. Als würde der Dr. irgendetwas über die Qualität aussagen.
3. 26 Seiten?
Sumiciu 26.03.2015
Sollte ich meinem Doktorvater (Geisteswissenschaften) allen Ernstes ein Traktat von 26 oder auch 40 Seiten als meine fertige "Doktorarbeit" andrehen wollen, würde er wahrscheinlich erstmal lauthals lachen und dann nach der versteckten Kamera suchen...
4. ...
jujo 26.03.2015
Der beste Zahnarzt bei dem ich in Behandlung war hatte den Titel nicht, da stand schlicht Zahnarzt auf dem Schild! Er überzeugte durch Leistung nicht durch den Titel Dr.Dentist
5.
asdfred 26.03.2015
Zitat von fx33Die medizinischen Doktortitel sind eh das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben werden. Die Promotion wird doch nur notgedrungen geschrieben, weil die Patineten immer noch lieber von "Herrn Doktor" behandelt werden statt vom richtig guten Arzt ohne Dr. Deutsche Titelhörigkeit eben. Als würde der Dr. irgendetwas über die Qualität aussagen.
So siehts aus. Kein Wunder das die meisten Mediziner ihre Doktorarbeit kurz nach dem Physikum mal eben schnell auf 50 Seiten über irgend ein Statistikthema raus rotzen. Mit 3 Jahren forschen, Studenten betreuen, Praktikas leiten, Klausuren korigieren, Papers veröffentlichen und Laborarbeit wie bei den MINTlern hat das nichts zu tun. Das wissen aber auch die meisten Medizinstudenten. Die machen die Promotion halt nur weil der Michel so auf Doktortitel steht.
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