Von Sara Weber
Landet eine Abmahnung im Briefkasten, kann das zwischen 500 und 1400 Euro kosten - für lediglich ein angebotenes Lied. Der Betrag setzt sich aus Anwaltskosten, Ermittlungskosten - also dem Geld, das Pro Media bekommt - und dem mutmaßlich entstandenen Schaden zusammen. Beträge von etwa tausend Euro sind viel Geld, vor allem für Studenten, die wenig verdienen. Die Musikindustrie rechtfertigt das mit den Verlusten, die ihr durch illegale Downloads entstehen. 2008 sollen es laut BVMI 1,2 Milliarden Euro gewesen sein, auch hier fehlen aktuelle Daten.
Mittlerweile hat sich eine eigene Branche rund um das Abmahnen entwickelt: Einige Anwaltskanzleien sind auf illegale Downloads spezialisiert und verschicken Briefe mit Forderungen nach Summen in vierstelliger Höhe. Firmen wie Pro Media, die als Dienstleister für Musikkonzerne arbeiten, dürften ebenfalls ein gutes Geschäft machen, auch wenn sie keine Umsatzzahlen nennen. Wie viel die Musiker selbst von dem eingetriebenen Geld bekommen, ist abhängig von ihren Verträgen. Im schlimmsten Fall gehen sie leer aus.
Dieses systematische Abmahnen, an dem sich Peter selbst beteiligt, ist ein Grund dafür, warum er seinen Namen hier nicht lesen möchte. Er sei es leid, sich für seinen Job zu rechtfertigen, sagt er. Schließlich hinterfrage auch niemand Kaufhausdetektive oder Alarmsysteme, mit denen Diebe beim Stehlen überführt werden. "Der Unterschied besteht nur darin, dass ein Musikstück offenbar von vielen nicht als wertvolles Gut wahrgenommen wird, sondern als allgemeines Gedankengut, welches jedem frei zugänglich sein sollte", sagt er. Was das für den Wert eines Musikers oder seiner Arbeit bedeute, mache sich hingegen kaum jemand bewusst.
"So geht das nicht"
Für ihn als Hobbymusiker hat das Thema Urheberrecht, das sich derzeit durch die Zeitungen zieht, auch eine persönliche Bedeutung. Mit seiner ersten Band nahm Peter eine EP auf, sie verkauften das Mini-Album nach ihren Konzerten für drei Euro. "Zwei Wochen später hatte jeder in unserem Freundeskreis die EP, auch Leute, von denen wir wussten, dass sie sie nie gekauft haben", erzählt Peter. "Das war der Moment, in dem ich dachte: So geht das nicht."
Er sagt, er sei froh darüber, dass die Piratenpartei die Debatte über das Urheberrecht losgetreten hat. Bevor sie die Diskussion in die Schlagzeilen brachte, habe man ja nur vom sogenannten Abmahnwahn gehört, so der Student. Jetzt würden sich Musiker wenigstens trauen, ihre Meinung laut zu äußern und sich gegen illegale Downloads auszusprechen - selbst wenn sie sich damit nicht nur Freunde machen. "Ich halte nicht viel von der Politik der Piraten", sagt Peter. "Als Musiker fühle ich mich von ihnen degradiert." Die Forderung nach einer Novelle des Urheberrechts würde Musikern ihre Lebensgrundlage entziehen.
Er selbst kann zwar nicht von seiner Musik leben, doch das Album seiner Band liegt derzeit bei einigen Major Labels auf dem Tisch, erzählt er. Die Songs schreibt er größtenteils selbst.
Früher, das gibt Peter zu, stand er auf der anderen Seite des Kampfes, vor über zehn Jahren. Damals wählte er sich noch über ein 56k-Modem ins Internet ein. Heute bezeichnet er das als Jugendsünde: "Jeder, der behauptet, noch nie etwas heruntergeladen zu haben, lügt."
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Job & Beruf | RSS |
| alles zum Thema Copyrights | RSS |
© UniSPIEGEL 3/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH