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Vorsicht, Frau! Wie Studentinnen die Männer überholen

Von Merlind Theile

Erst hängten Mädchen die Jungs in der Schule ab, jetzt sind junge Frauen an der Uni auf dem Vormarsch: Schneller, schlauer, fleißiger als die Männer meistern sie das Studium. Aber auf dem Arbeitsmarkt zahlt sich der Bildungsvorsprung noch nicht aus.

Schon im Gymnasium lag die Hamburgerin vorn, im Abitur bekam sie die Note 1,0: Hilleken Zeineddine kann machen, was sie will, sie landet immer an der Spitze. Zurzeit absolviert die 26-Jährige, die mit einem Libanesen verheiratet ist, den Masterstudiengang Entrepreneurship an der Universität Hamburg. Sie will Unternehmerin werden. Ihre Professorin sagt, sie sei unter all ihren Studenten die Beste.

Weil sie von Asien so fasziniert war, studierte Susanne Zacharias, 28, in Konstanz Wirtschaftssinologie. Danach sprach sie fließend Mandarin und wollte beruflich aufsteigen können, deshalb fing sie bei BMW an. Seit eineinhalb Jahren arbeitet sie in Peking in der Abteilung Business Development und ist zudem die Assistentin des BMW-Chefs von China. Ihr deutscher Freund, ein Ingenieur, folgte ihr in die chinesische Hauptstadt. Er macht ein Praktikum, lernt Mandarin und ist auf Jobsuche.

Mit 25 Jahren hatte Sara Demer* ihr Ingenieursdiplom, zwei Wochen später einen gutdotierten Job bei einem Luftfahrtunternehmen. Inzwischen arbeitet die 27-Jährige direkt in der Flugzeugfertigung, wo sie "auch mal selbst die Schrauben festziehen" kann. Bei ihren Projekten trägt sie hohe Verantwortung, "der Druck ist enorm". 70-Stunden-Wochen sind keine Ausnahmen. Die Stelle, sagt Demer, sei ihr Traumjob.

Zeineddine, Zacharias und Demer sind drei junge Frauen einer Generation, die jetzt an deutschen Unis und in der Berufswelt Furore macht. Drei Jahrzehnte nach Frauenbewegung und Bildungsreform marschiert eine Kohorte von Alphamädchen ehrgeizig und selbstbewusst durch die Institutionen.

In der Bildung sind Frauen klar die bessere Hälfte

Den schulischen Olymp haben sie längst erobert. Anfang der sechziger Jahre gab es an Gymnasien noch zwei Fünftel Mädchen und drei Fünftel Jungs. Heute sind über die Hälfte der deutschen Abiturienten weiblich. Die Jungs liegen dafür bei den Schulabbrechern vorn, vor allem in Ostdeutschland.

Die Mädchen schließen sogar in den klassischen "Männerfächern" auf: Im Pisa-Test erzielten Schülerinnen in den Naturwissenschaften fast so gute Ergebnisse wie Schüler. In der Gesamtwertung haben sie ihre männlichen Mitstreiter bereits abgehängt - die Abschlussnote deutscher Abiturientinnen ist im Schnitt besser.

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DER SPIEGEL

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Die schlauen Mädels drängen stetig nach oben, so dass inzwischen an den deutschen Hochschulen zahlenmäßig bereits Gleichstand herrscht: Im Jahr 2005 lag die Studierquote von Männern und Frauen erstmals auf gleichem Niveau.

Beeindruckende neue Daten über die bessere Hälfte liefert die Online-Erhebung "Studentenspiegel 2", für die der SPIEGEL und das Beratungsunternehmen McKinsey 25.000 Berufseinsteiger befragten: Quer durch alle Fachrichtungen brauchen Studentinnen - bei gleich guten Abschlussnoten - weniger Semester, in denen sie zudem mehr Auslandsaufenthalte und Praktika absolvieren als ihre männlichen Kommilitonen (siehe Grafik).

Die Frage ist: Wird diese Girlpower auch in der Arbeitswelt die Machtverhältnisse verändern?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert den weiblichen Nachwuchstalenten jedenfalls eine rosige Zukunft: "Junge Frauen dürften künftig weiter aufholen", heißt es in einer Studie, denn sie "haben die Bildungsdefizite gegenüber den Männern in den letzten Jahrzehnten nicht nur verringert, sondern die Männer in weiten Bereichen der allgemeinen wie beruflichen Bildung bereits überholt".

"Männer gelten als kompetenter"

Die Gegenwart wirkt freilich noch ernüchternd. In barer Münze zahlt sich der weibliche Bildungsvorsprung bislang nämlich nicht aus. Die Ergebnisse des "Studentenspiegel" zeigen auch: Schon beim Einstiegsgehalt herrschen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. In fast allen Fachrichtungen verdienen männliche Absolventen im Durchschnitt mehr als ihre Kommilitoninnen - im ersten Job teilweise über 500 Euro brutto im Monat.

Zwar sagt Jutta Allmendinger, die Leiterin des IAB, dass diese Gehaltsunterschiede vor allem mit dem Arbeitszeitvolumen zusammenhingen: "Männer arbeiten einfach mehr als Frauen." Und sie steuern die zahlungskräftigeren Branchen an. Ein Politologe, der nach dem Abschluss bei einer Unternehmensberatung anheuert und dort 80 Stunden pro Woche malocht, verdient eben mehr als seine Kommilitonin, die bei einer Lokalzeitung anfängt.

Doch Fakt ist auch, dass Frauen sich oft schlechter verkaufen als Männer - und von Personalchefs geringer eingestuft werden. "Frauen haben mit einem Wahrnehmungsproblem zu kämpfen", sagt Sonja Bischoff. "Sie werden bei gleicher Qualifikation anders gesehen als Männer. Die gelten als kompetenter."


*Name von der Redaktion geändert

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© UniSPIEGEL 2/2007
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