Weihnachten und Ökonomie: "Wer schenkt, muss leiden"

Wofür der ganze Stress und das viele Geld? Weihnachtsgeschenke lassen die Einzelhändler jubeln, doch ökonomisch sind sie Unsinn. Das sagt jedenfalls der Wirtschaftsprofessor Achim Wambach. Er rät ganz unromantisch: Schenkt euch Geld!

Weihnachtsgeschenke: "Ein Bündel Geldscheine ist besser als ein unnützes Buch" Zur Großansicht
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Weihnachtsgeschenke: "Ein Bündel Geldscheine ist besser als ein unnützes Buch"

Schenken kann, rein ökonomisch gesehen, ziemlicher Unsinn sein. Mit manchen Geschenken richten wir sogar Schaden an. Wenn ich beispielsweise einem Freund ein Kochbuch für 20 Euro schenke, der Freund aber nicht gern kocht, kann er damit nichts anfangen. Bloß: Das Buch ist mit hohen Produktionskosten hergestellt worden, Menschen haben dafür gearbeitet, und dieser geschaffene Wert, der verpufft dann einfach. Im Grunde hätte man das Buch ebenso gut aus dem Fenster werfen können.

Ökonomen nennen diese Erscheinung einen Wohlfahrtsverlust. Gerade an Weihnachten tritt dieses Phänomen in deutlicher Häufung auf, weil viele Menschen den Geschmack der anderen nicht treffen. Stellen Sie sich doch nur mal vor, Sie hätten sich ihre Weihnachtsgaben vom letzten Jahr nicht schenken lassen, sondern selbst gekauft. Wie viel hätten Sie dafür ausgegeben? In einer amerikanischen Studie sollten Studenten diese Frage beantworten, und es kam heraus: Die meisten hätten viel weniger für ihre Präsente bezahlt als die Schenker es in der Realität getan hatten. Der Wert ist dahin.

Einen besonders rasanten Wertverfall erfahren die Geschenke von Menschen, die uns zwar mögen, aber nicht so ganz nah dran an unserem Alltag sind, Oma und Opa beispielsweise. Die geben sicherlich mit Herzenswärme, kennen aber unsere Vorlieben nicht unbedingt.

Hinzu kommt die Zeit, die es braucht, das Geschenk zu besorgen. Konsequenterweise müsste man sie auf den Gesamtwert des Präsents draufrechnen. Wenn Sie also eine Stunde lang die Buchhandlung nach dem interessantesten Bildband durchforsten, geht Ihnen Zeit verloren, in der Sie theoretisch arbeiten könnten. Wenn Sie sonst beim Jobben im Café zehn Euro die Stunde verdienen würden, müsste man aus wirtschaftlicher Sicht diesen Stundenlohn zum Wert des Geschenks addieren. Wie fatal, am Ende würde so ein noch höherer Wert vernichtet!

Wo schenken sich die Menschen Geld?

Wenn Sie also in Zukunft wirklich effektiv und ohne Verluste schenken wollen, sollten Sie an Heiligabend ihren Lieben ein Bündel Geldscheine unter den Christbaum legen. Das ist jetzt vielleicht nicht sehr romantisch, aber so wird zumindest kein Wert vernichtet. In Taiwan sind die Menschen schon weiter, die beschenken sich bereits mit Bargeld im Briefumschlag.

Wem Geldpräsente zu profan erscheinen, könnte sich auf Gutscheine verlegen. Auch mit denen wurde an sich noch kein Wert geschaffen.

Für Profis gibt es noch ein paar fortgeschrittenere Formen des Verschenkens. Ein Grundfehler dabei ist ja, dass wir oft versuchen, die Vorlieben der anderen einzuschätzen, anstatt uns auf das eigene Wissen zu verlassen. Ich als VWL-Professor sollte aber idealerweise meinen Freunden ein gutes Wirtschaftsbuch aussuchen. Der Hobbybotaniker sollte eine seltene Pflanze verschenken. Der Weinkenner einen guten Tropfen. Der Beschenkte, der sich nicht auskennt, würde danach viel länger suchen müssen als Sie. Wir schenken auf diese Weise also die eingesparte Zeit gleich mit. Und das Beste daran: Dieser Mechanismus würde dann auch wettmachen, dass Ihnen das Geschenk im Zweifel weniger wert ist, als es tatsächlich gekostet hat!

Eine Alternative wäre, dass Sie ein Geschenk auswählen, das Ihnen Schmerzen zufügt. Richtig gelesen: Wer schenkt, muss leiden! Und das funktioniert am besten bei Menschen, die Ihnen nahe stehen. Weil Sie mit einer gemeinsamen Karte für den FC Köln (Sie hassen Fußball) oder einem Gutschein für einen Tag Shoppen mit der Freundin (für Sie eine entsetzliche Vorstellung) zeigen können, wie gern Sie die Beschenkte oder den Beschenkten haben. Schau her, ich leide nur für dich! Das nennen wir Ökonomen Signalisierung. Dieser Einsatz kann sich dann bei Gelegenheit wiederum für den Schenker bezahlt machen - so würde zumindest der homo oeconomicus, der rein rational denkende Mensch, argumentieren.

Aufgezeichnet von Laura Gitschier

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
Andr.e 17.12.2012
Zitat von sysopDPAWofür der ganze Stress und das viele Geld? Weihnachtsgeschenke lassen zwar die Einzelhändler jubeln, sind aber trotzdem Unsinn, jedenfalls aus ökonomischer Sicht, sagt Achim Wambach. Der Wirtschaftsprofessor rät ganz unromantisch: Schenkt euch Gutscheine und Geldbündel! http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/weihnachtsgeschenke-schenken-ist-oekonomischer-unsinn-a-871972.html
Reichts, wenn ein Forist den Werteverfall anprangert, das Geld als treibende Kraft verflucht, die Ideenlosigkeit unserer Zeit verurteilt oder muss da jetzt wieder seitenlang Forenfreude in Form von Redundanz erzeugt werden?
2. Weniger Konsumwahn, mehr Weihnachten
MrStoneStupid 17.12.2012
Krampfhaft nach Geschenken suchen ist doof. Man sollte (in Absprache) auf überflüssige Geschenke verzichten. Es sollte (längerfristig) zur guten Sitte werden, an Weihnachten nicht mehr benötigtes aber noch brauchbares wegzugeben, z.B. an staatliche Sammelstellen, die dann geeignetes an Arme (auch in anderen Ländern) weiterreichen und zum Verschenken ungeeignetes dem Recycling zuführen. (imho)
3. was für ein Schwachsinn, und das von einem VWL-Professor...
iRusse 17.12.2012
Die Argumentationen die der Prof bringt, haben keine eindeutige Analogie und sind damit sehr fiktif. Zum Beispiel, er behauptet, wenn wir eine stunde nach einem Geschenk suchen, msste man die verbrauchte Zeit als Opportunitätskosten auf den Kaufpreis aufsummieren, abhängig davon was man sonst normalerweise in einer Stunde verdient; - da ist schon der erste Fehler, denn man arbeitet nicht jede freie Minute um Geld zu verdienen, sondern hat meißtens geregelte Arbeitszeiten, die in jedem Fall erfüllt werden. Man geht ja nicht während der Arbeitszeit extra zum Einkaufen und unterbricht sein Einkommen für diese Dauer. - Selbst wenn es so wäre, müsste man vergleichen, ob die Arbeitszeit des beschenkten nicht evtl mehr wert ist, als die des Schenkers. ....selbst wenn das Geschenk nur wenig Wert für den Beschenkten bringt, kann es unter Umständen, durch einen enormen Einkommensunterschied, durchaus ein Wertzuwachs für den Beschenkten generieren. Des Weiteren sagt er, dass man ein Geschenk nach seinen persönlichen Schwächen auswählen soll....hm, das kann mächtig schief gehen...Was soll meine Oma mit einem Surfboard, oder meine Mutter mit einer guten Grafikkarte, oder ein Kind mit einer guten Flasche Wein, oder die Frisösin mit einem Wirtschaftsbuch?! - das sind nachher wirklich die Geschenke, die einen Wertverfall darstellen, da man für sie wahrscheinlich viel Geld ausgegeben hat (als experte in seinem Metier, sucht man ja etwas gutes aus, was normalerweise nicht illig ist). Und zurück zum Anfang seiner Argumentation...aus rein ökonomischer Sicht, entsteht kein Wertverfall, wenn wir etwas kaufen um es zu schenken. Das Geschenk wurde erzeugt, dafür mussten Leute eingestellt und bezahlt werden. Das unternehmen macht umsatz (gewinn) und investieren das entweder neu, oder zahlen Steuern. Der Arbeitnehmer gibt seinen Lohn ebenfalls aus....dadurch wird die Wirtschaft am Leben gehalten. ....WEnn wir uns "nur" geld gegenseitig zuschieben würden, hätte die Wirtschaft keine zusätzliche Auftragslage, was wiederrum zu einer Kettenreaktion führen kann.... ...ich könnte jetzt noch weiter argumentieren, aber das soll erstmal reichen....wie gesagt, für einen Prof der VWL, ziemlich dürftige Argumentationskette.
4. korrektur
iRusse 17.12.2012
das muss natürlich "Interessen" und nicht "Schwächen" heissen
5. Selten...
h_jahn 17.12.2012
...so einen Schmarrn gelesen. Zitat: "Ich als VWL-Professor..." Verstehe. DAS erklärt natürlich alles. Glossen bitte auch als solche kennzeichnen.
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Zur Person
  • Achim Wambach, 44, ist Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln.
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