Weiß-blaues Praktikum: Gratisarbeit zum Wohle des Freistaats
In Bayerns Staatskanzlei bekommen Praktikanten keinen Cent. Das soll auch so bleiben: Einen Antrag auf mindestens 600 Euro Monatslohn schmetterte die CSU ab. Schließlich behandele der Freistaat seine Praktikanten gut - sagt die Regierung.
München - In der Bayerischen Staatskanzlei habe sich noch nie ein Praktikant beschwert, sagt der CSU-Abgeordnete Klaus Stöttner. Denn schließlich arbeite ein Praktikant dort für die Öffentliche Hand, nicht in der freien Wirtschaft. Das sei ein großer Unterschied. Trotzdem interessierte sich die SPD dafür, zu welchen Konditionen Hochschulabsolventen in den verschiedenen Dienststellen des Freistaates Bayern malochen.
Proteste gegen Ausbeutung von Praktikanten im April 2006
Es folgte ein Antrag der SPD-Landtagsabgeordneten Ritter, Naaß, Schuster, Strobl und Wörner. Sie forderten eine "einheitliche Praktikumsvergütung von mindestens 600 Euro netto monatlich" für Hochschulabsolventen. Das begründeten sie unter anderem mit der Antwort der Staatsregierung auf Ritters schriftliche Anfrage. "Qualifizierte Absolventinnen und Absolventen sollen fair behandelt werden", schrieb die CSU in dem Papier. Und dass die Bestrebungen der Initiative "Fair Company" zu begrüßen seien.
"Fair Company" ist eine Art Gütesiegel für Unternehmen, die ihre Praktikanten fördern und nicht ausbeuten. Fünf Regeln müssen sie dafür einhalten – unter anderem, dass Praktikanten eine "adäquate Aufwandsentschädigung" erhalten.
Staat und Wirtschaft - für die CSU zwei Welten
Trotzdem lehnte die CSU den Antrag in einer Sitzung des "Ausschusses für den Öffentlichen Dienst" Anfang Februar ab. Schließlich werbe der Freistaat Bayern nicht aktiv Praktikanten an, sondern beschäftige "nur gelegentlich" Hochschulabsolventen "zeitlich eng befristet", sagt der CSU-Abgeordnete Klaus Stöttner. Planstellen für Praktikanten in der Staatskanzlei gebe es nicht. "Wenn aber jemand darum bittet, Einblick in die Arbeit hier zu bekommen, dann gebe ich ihm als verantwortlicher Politiker doch möglichst die Chance", so Stöttner. Er möchte interessierten Absolventen die Türen öffnen - allerdings zum Nulltarif. "Wir können die Personalausgaben nicht erhöhen und für Praktikanten weitere Planstellen schaffen."
Die Opposition hat dafür nur einen Begriff: "Fadenscheinig" nennt Ritter die Argumente. "Wenn sich jemand initiativ bewirbt, muss man ihn nicht nehmen - aber wenn man dies tut, soll man ihn bezahlen", sagt er. Auch dass es keine Mittel dafür gebe, bezweifelt der Abgeordnete. Er erzählt von Studenten als Dauerpraktikanten und einer Entlohnung, die deutlich über Hartz IV liegen soll. "Man muss da doch was machen."
Die CSU sieht das anders. Klaus Stöttner will nur Unternehmen in die Pflicht für eine faire Praktikanten-Entlohnung nehmen, nicht aber staatliche Arbeitgeber. "Die SPD vermischt die Wirtschaft mit der Öffentlichen Hand", sagt Stöttner. Der Ansatz der Initiative Fair Company sei in der Wirtschaft entstanden, weil es eben dort auch die Probleme gebe. Als sei das in Unternehmen völlig anders, sagt der Abgeordnete, dass Praktikanten in der Staatskanzlei doch "lernen", "schnuppern" und "sich orientieren". Hier beschwere sich kein Absolvent.
"Der Freistaat Bayern behandelt seine Praktikanten gut", sagt der Abgeordnete Stöttner. "Schreiben Sie das auf".
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