Wissenschaft nach Guttenberg: Wie hältst Du's mit dem Plagiat?

Von Anne Haeming

Hier ein Absatz aus Wikipedia, dort ein nicht belegtes Zitat: Das Abschreiben hat Karl-Theodor zu Guttenberg nicht erfunden. Doch spätestens seit dem skandalösen Plagiat des Ex-Ministers sind die Hochschulen alarmiert. Sechs Wissenschaftler und Studenten erklären, was jetzt geschehen muss.

Wer plagiiert, fliegt - jedenfalls meistens. Das gilt in deutschen Hochschulen nicht nur für Doktoranden und Examenskandidaten. Das gilt auch für Erstsemester. Wer sich wiederholt erwischen lässt, dem droht die Exmatrikulation, auch Geldstrafen sind möglich.

Und es galt auch für Karl-Theodor zu Guttenberg. Der ehemalige Verteidigungsminister ist mittlerweile nicht nur seinen Doktortitel los, auch über 100 Strafanzeigen wegen Urheberrechtsverletzungen sind gegen ihn eingegangen. Allerdings scheint die nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit dem plagiierenden Ex-Verteidigungsminister mehrheitlich verziehen zu haben, nach dem Motto: Ach, wir haben doch in der Schule alle schon einmal geschummelt. Jedenfalls legten das Umfragen nahe.

So stellt sich nun die Frage, wie Universitäten in der Post-Guttenberg-Ära ihren Studenten gegenüber die harte Anti-Plagiats-Politik legitimieren - und wie deutlich und eindringlich sie ihre Position vertreten sollen.

Denn die Fälschungsbereitschaft unter Studenten ist groß. Sebastian Sattler, Soziologe an der Universität Bielefeld, forscht seit 2006, weshalb angehende Akademiker überhaupt plagiieren. Er fand heraus, dass neun von zehn Studenten sich vorstellen können, Passagen zu klauen. Sattler zufolge ist eine Software, die Arbeiten nach Plagiaten untersucht, unabdingbar: Sie schrecke die Studierenden vom Schummeln ab.

In der universitären Praxis scheint also das Aufspüren collagierter Arbeiten immer wichtiger zu werden. Zudem fordern manche, das Prozedere der Doktorprüfung zu ändern. Es entwickelt sich zur wissenschaftlichen Image-Frage, wie offen man mit dem Thema umgeht. "Für uns ist das auch ein Signal nach außen: Was von unserer Universität kommt, hat Qualität", sagt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. "Wenn ein Fall wie Guttenberg öffentlich wird, nagt das auch am wissenschaftlichen Ruf der Hochschule - zu Recht."

Auf SPIEGEL ONLINE erzählen sechs Wissenschaftler und Studenten, wie ihre Hochschulen mit Abschreibern umgehen - und was sich an den Universitäten ändern muss.

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1. Wissenschaftlerplacebo
Rainer Daeschler 29.03.2011
Was man kopiert, füge man als Zitat mit Urhebernennung an, was einen inspiriert, erzähle man in eigenen Worten. Wer Letzteres kopiert und nur ein paar Worte ändert, ist zu faul zum Tippen und eigene Gedanken zu fassen und mit Sicherheit gerade am falschen Ort in seinem Leben.
2. Selbst denken ist gut
caecilia_metella 29.03.2011
Wenn z.B. ein zeitgenössischer Historiker einen römischen Feldzug mit ...zigtausend Opfern mal eben "erfolgreich" findet, dann kann sich Otto Normalbürger schon denken: Da wurde von kaiserlichen Beamten abgeschrieben. Der Respekt vor der Obrigkeit steht immer noch, nicht wahr? Aber in Zeiten des Netzes kann sich Geschichte vielleicht auch ganz anders schreiben.
3. Handlungsbedarf
demophon 29.03.2011
Die Praxis, dass Doktorväter nicht gleichzeitig als einzige die Disertation prüfen, wie in den angelsächsischen Ländern üblich, sollte auch hierzulande Anwendung finden. Wenn die Bewertung und Prüfung der Doktorarbeit von nur einer Person abhängt, öffnet das die Türen zur Gefälligkeit oder gar Korruption. In einschlägigen Anzeigen von Ghostwritern wird ja manchmal sogar damit geworben, dass man über "kooperierende" Doktorväter verfügt. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Eine Plagiatssoftware allein spürt auch nicht jeden Betrug auf, wenn aus fremdsprachlicher Fachliteratur abgeschrieben wurde, die nicht im Netz steht. Nicht weniger brisant als Plagiarismus ist die unzulässige Hilfe beim Verfassen der Doktorarbeit von anderen. Dieses Problem wird in den Medien viel zu wenig angesprochen. Da stürzt sich die gesamte Wissenschaftsgemeinde zu Recht auf einen Verteidigungsminister, weil er gegen die Dissertationsvorschriften durch Abschreiben verstoßen hat, ignoriert aber gleichzeitig eine Familienministerin, die durch weitgehende fremde Hilfe bei ihrer Dissertation ebenfalls diese Vorschriften mißachtete. Dieser Fall muss unbedingt noch aufgearbeitet werden. Gleiche Sanktion für alle.
4. Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.
RaMaDa 29.03.2011
Allem Anschein nach leben in Deutschland nur Gutmenschen und rechtschaffene Bürger - abgesehen von einigen Politkern, Bankern, Steuersündern, AKW Betreibern..... Nun ist mir auch klar, wieso die Kirchen so leer sind, es gibt nix zu Beichten.
5. Zweitgutachter
igelfeld 29.03.2011
Zitat von demophonDie Praxis, dass Doktorväter nicht gleichzeitig als einzige die Disertation prüfen, wie in den angelsächsischen Ländern üblich, sollte auch hierzulande Anwendung finden.
Den Satz verstehe ich schon sprachlich nicht: "gleichzeitig als einzige"? (Und es heißt "Dissertation".) Falls Sie aber zum Ausdruck bringen wollten, dass eine Dissertation auch von einem Zweitgutachter bewertet werten sollte - kennen Sie irgendeine Promotionsordnung einer deutschen Universitätsfakultät, nach der dies nicht der Fall ist?
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