Wohnortwahl: Bei Mama leben Studenten gesünder

Studentinnen sind mutiger als Studenten, was die Wohnungssuche fern der alten Heimat angeht. Männer leben lieber in der Nähe des elterlichen Herds, meldet die Kultusministerkonferenz. Ein französische Studie ergab: Am gesündesten lebt Student, wenn er gleich ganz bei Mutti und Vati bleibt.

"Was, bei Mutti?": Frauen ziehen eher weiter weg Zur Großansicht
Corbis

"Was, bei Mutti?": Frauen ziehen eher weiter weg

Frischgebackene Abiturienten wollen frei sein, das Kinderzimmer weit hinter sich lassen, die Welt kennenlernen - sollte man zumindest denken. Nun beweist eine Untersuchung der Kultusministerkonferenz (KMK), dass der hochschulreife Mensch von heute vor allem eines möchte: seiner Heimat treu bleiben.

Zwei Drittel aller Studienanfänger seien "territorial sesshaft", heißt es in der KMK-Veröffentlichung. Sie nähmen im gleichen Bundesland ein Studium auf, in dem sie auch ihr Abitur gemacht haben. Nur 13,5 Prozent der Studienanfänger wählen eine Universitätsstadt, die weiter entfernt liegt als die Grenze des Nachbarlandes.

Besonders hoch ist die sogenannte Sesshaftigkeitsquote in Bayern (79,4 Prozent), Nordrhein-Westfalen (79 Prozent) und Baden-Württemberg (74 Prozent). Nicht einmal die Hälfte der Abiturienten aus Brandenburg oder dem Saarland hingegen studiert im jeweiligen Heimatland - was freilich auch daran liegt, dass es in beiden Ländern nur wenige Hochschulen gibt.

Frauen sind territorial weniger beschränkt als ihre männlichen Kommilitonen. Überdurchschnittlich häufig ziehen Studienanfänger in den weiblich dominierten Fächern Veterinärmedizin, Ernährungswissenschaften sowie Kunst und Kunstwissenschaft zum Studium in ein anderes Bundesland.

Wer allein wohnt, feiert härter - und macht öfter blau

Bei den von Männern favorisierten Ingenieurwissenschaften hingegen ist der Anteil der Auswanderer am geringsten. Ein Grund könnte sein, dass es sich in der Nähe von Mamas gedecktem Tisch besonders komfortabel lernen lässt.

Streng medizinisch betrachtet muss vor dem Auszug aus dem Hotel Mama abgeraten werden. Die Umfrage der französischen Krankenversicherung Usem unter mehr als 8500 Studierenden legt nämlich den Verdacht nahe, dass der Abschied vom Elternhaus erheblich zu einem ungesunden Lebenswandel beiträgt.

So fiel zum Beispiel jeder dritte WG-Bewohner durch übermäßigen Alkoholkonsum auf. Der beginnt laut Usem zum Beispiel dann, wenn man sich mehr als zweimal die Woche mindestens drei Gläser oder einmal im Monat mehr als sieben Gläser Bier oder Wein einverleibt. Derlei Trinkgewohnheiten räumte unter den Studierenden, die noch bei den Eltern wohnen, nur jeder Sechste ein.

In Wohngemeinschaften wird aber nicht nur mehr gepichelt, sondern auch regelmäßiger gekifft, Ecstasy eingeschmissen oder die Sexdroge Poppers genommen. Vielleicht nehmen WG-Bewohner Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen deswegen auch aus purer Gewohnheit nicht besonders ernst: Wenn sie sich krank fühlen, warten mehr als die Hälfte von ihnen ab, ob sie in den nächsten Tagen von allein gesund werden, anstatt direkt zum Arzt zu rennen. Bei denen, die noch der elterlichen Kontrolle unterworfen sind, tut das nur jeder Dritte.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Korrelation oder Kausalität
ein_rheinhesse 25.09.2011
ungesunder Lebenswandel als Folge des Auszugs aus dem Elternhaus oder ungesunder Lebenswandel schon zu Schulzeiten und er Auszug aus dem Elternhaus aus Konsequenz um ungestört feiern zu können? Korrelationen zwischen Ereignissen sagen zunächst einmal nichts über kausale Zusammenhänge aus (der Rückgang der Geburtenzahl im Niedersachsen korreliert auch mit dem Rückgang der Anzahl der Storchennester ...)
2. Mamma-Söhnchen
mauimeyer 25.09.2011
Zitat von sysopStudentinnen sind mutiger als Studenten, was die Wohnungssuche fern der alten Heimat angeht. Männer leben lieber in der Nähe des elterlichen Herds, meldet die Kultusministerkonferenz. Ein französische Studie ergab: Am gesündesten lebt Student, wenn er gleich ganz bei Mutti und Vati bleibt. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,773854,00.html
Mamma-Söhnchen war früher der schlimmste Spruch, der eine treffen konnte! Zu Recht! Als Frau hätte ich vor solchen Weicheiern keinen Respekt! Unerotisch, wie ein frisierter Pudel! Wenn solche Pflaumen dann auch noch in die Politik gehen, haben wir die richtige Bubi-Show! Da ist ja ein selbständiger Homo noch besser! Kauri
3. Hört mich an !
nyn 25.09.2011
Zitat von mauimeyerMamma-Söhnchen war früher der schlimmste Spruch, der eine treffen konnte! Zu Recht! Als Frau hätte ich vor solchen Weicheiern keinen Respekt! Unerotisch, wie ein frisierter Pudel! Wenn solche Pflaumen dann auch noch in die Politik gehen, haben wir die richtige Bubi-Show! Da ist ja ein selbständiger Homo noch besser! Kauri
Disco-Tussi war nicht nur früher sondern ist in meinem Bekannten Kreis noch immer der schlimmste Spruch. Zu Recht! Als Mann hab ich vor solchen wannabee Däm'chen keinen Respekt! Eine Frau, die so verträglich und nicht zickig ist, dass sie mit Ihren Eltern klar kommt und dort noch ein Weilchen leben kann nach der Schule, beweist für mich mehr Qualitäten als eine mit eigener (verschlampter) Wohnung die nur dick feiern will. Aber so hat eben jeder Topf seinen Deckel.
4. Statistiken muss man interpretieren können.
hauptkommissartauber 25.09.2011
"Besonders hoch ist die sogenannte Sesshaftigkeitsquote in Bayern (79,4 Prozent), Nordrhein-Westfalen (79 Prozent) und Baden-Württemberg (74 Prozent). Nicht einmal die Hälfte der Abiturienten aus Brandenburg oder dem Saarland hingegen studiert im jeweiligen Heimatland - was freilich auch daran liegt, dass es in beiden Ländern nur wenige Hochschulen gibt." Sie zählen die größten Flächenländer auf, ohne genau hinzuschauen: Für Abiturienten aus großen Ländern bleibt ja weniger Restrepublik übrig als für Abiturienten mit kleinen Ländern. Nehmen wir mal ein eine vereinfachte Bundesrepublik mit zwei Bundesländern A und B. A nimmt 80 % der Fläche ein und 80 % der Einwohnerzahl, folglich befinden sich in A auch 80 % aller Hochschulen. Wenn die Studenten unabhängig vom Bundesland die Hochschule auswählen, z. B. durch Würfeln, dann werden in 80 % der Fälle Hochschulen in A gewählt. Für Abiturienten aus A ergäbe sich eine Sesshaftigkeit von 80 % und für Abiturienten aus B nur eine Sesshaftigkeit von 20 %. Dabei haben beide Gruppen ihre Hochschule einfach nur ausgewürfelt. Solche Effekte muss man herausinterpretieren und andere wiederrum hineininterpretieren. Für Brandenburg ist Berlin kein fremdes Bundesland und gewiss nicht weit entfernt. Und was hat das Saarland zu bieten? Uni Saarbrücken? Diese ist renommiert in Informatik, aber das wollen nur wenige Abiturienten studieren. Es werden zwar Germanistik und Soziologie angeboten, aber wie gesagt: Bekannt ist die Uni Saarland eher für Informatik und technische Sachen.
5. Klaro.
TRicKeY 25.09.2011
Ich kenne nur Mitstudenten und Innen bzw. Freunde/Bekannte, die sich in ihrem Bundesland ihre Favoriten-Uni ausgesucht haben. In andere Bundesländer trieb alle der NC. Und ins Ausland nur die Existenz von Studiengängen, die hierzulande nicht angeboten werden. Es sagt sicher viel über Menschen aus, die in einer Uni-Stadt aufgewachsen sind, wenn sie nach dem Abi 1 Straße weiter in die eigene Wohnung ziehen. Da fühlt man sich dann richtig toll, so als Geldvernichtungsmaschine. Gründe für das daheim-bleiben gibt es genügend, Geld spielt meistens eine Rolle. Mir war allein das Pendeln zu blöde, weil meine Schmerzgrenze was tägliches Reisen mit dem Kasperleverein der DB angeht bei 1:30h schon überschritten war. Heutzutage ist natürlich alles ein Muss: Ab ins Ausland, AB ans andere Ende Deutschlands, nur des Prinzips wegen, weil irgendein hohes Tier das so hat verlauten lassen. Total dämlich, wenn Sie mich fragen! Gut zu wissen, dass Sie eines Tages genau das bekommen werden, was sie sich wünschen. Aber das anschließende Jammern sei Ihnen hiermit verboten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Job & Beruf
RSS
alles zum Thema Hütten und Paläste
RSS

© UniSPIEGEL 4/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 24 Kommentare
Heft 4/2011 Leistungsdruck an der Uni: Studenten im Psycho-Stress
Mietspiegel der Studentenbuden
Rangfolge der Hochschulstädte nach monatlichen Ausgaben
In Berlin wohnt es sich noch immer vergleichsweise günstig, insgesamt sind die Mieten im Osten erschwinglicher als im Westen. Über 350 Euro kostet wohnen in München und Hamburg. Die 54 teuersten Unistädte im Überblick.
Die 27 teuersten Universitätsstädte...
Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten
Rang Standort Ausgaben für Miete*
1 Köln 359
2 München 358
3 Hamburg (ohne Uni Hamburg) 351
4 Düsseldorf 338
5 Frankfurt-a.M. 337
6 Mainz 327
7 Konstanz 327
8 Darmstadt 322
9 Berlin 321
10 Wuppertal 318
11 Heidelberg 314
12 Ulm 313
13 Duisburg 311
14 Bonn 309
15 Bremen 308
16 Freiburg 307
17 Stuttgart 306
18 Münster 305
19 Tübingen 304
20 Aachen 304
21 Mannheim 302
22 Braunschweig 302
23 Potsdam 301
24 Karlsruhe 300
25 Hannover 299
26 Regensburg 295
27 Marburg 294
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung

...und die Plätze 28 bis 54
Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten
Rang Standort Ausgaben für Miete*
28 Oldenburg 292
29 Bochum 290
30 Kiel 290
31 Siegen 289
32 Augsburg 289
33 Trier 289
34 Saarbrücken 288
35 Passau 288
36 Bamberg 286
37 Rostock 282
38 Greifswald 281
39 Osnabrück 280
40 Gießen 279
41 Göttingen 277
42 Würzburg 277
43 Kassel 277
44 Bayreuth 275
45 Bielefeld 274
46 Kaiserslautern 268
47 Hildesheim 262
48 Jena 260
49 Magdeburg 253
50 Leipzig 251
51 Halle 249
52 Erfurt 248
53 Dresden 247
54 Chemnitz 211
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung


  • Nico Semsrott
    Schwindel dich durchs WG-Casting! Du verpasst kein Fußballspiel? Kochst gern für alle? Hast drei Computer? Was die eine WG bejubelt, kann in der nächsten total falsch sein. Finde heraus, wie du punktest - im WG-Casting-Quiz mehr...