Irgendwie muss der Tausend-Seiten-Wälzer noch ins Hirn. Schließlich ist in einer Woche Prüfung. Nachtschichten werden eingelegt, der Freundeskreis vernachlässigt und das Zimmer nur noch für den Gang zur Kaffeemaschine verlassen. Für Examenskandidaten sind die Wochen bis zur finalen Prüfung ohnehin quälend genug. Und jetzt diese Nachricht von der Uni Düsseldorf: Prüfungsstress schadet nicht nur der Mundhygiene, sondern kann auch zu Parodontitis, einer verschärften Form der Zahnfleischentzündung, führen. Die greift den Kieferknochen an und führt zum Abbau der Knochensubstanz.
Forscher der Düsseldorfer Uni, Psychologen, Zahnmediziner und Hygieniker, hatten im Rahmen einer interdisziplinären Studie Examenskandidaten in den Mund geschaut - und wendeten sich mit Grausen ab: Im Gegensatz zu ihren entspannten Kommilitonen vernachlässigten die Prüflinge ihre Mundhygiene sträflich. Vor allem die Zahninnenflächen machten in der lernintensiven Zeit viel zu selten Bekanntschaft mit einer Zahnbürste. Das führt zu Plaque. Bei 95 Prozent der Prüflinge fanden sich die unangenehmen Beläge - 15 Prozent mehr als bei den stressfreien Kollegen.
Stress hemmt die Immunabwehr
Doch es ist nicht nur der mangelnde Eifer beim Zähneputzen, der für den unangenehmen Beigeschmack der Prüfungen sorgt. Während der Examenszeit steigt im Mund der Pegel des Stoffes Interleukin-1ß. Und genau dieser Stoff wird für die Knochenzerstörung im Gefolge der Parodontitis verantwortlich gemacht. Je schlechter die Zähne geputzt sind, desto mehr Interleukin-1ß findet sich in der Mundhöhle.
Zu allem Überfluss hemmt der Prüfungsstress auch noch das so genannte Immunglobulin A - ein für die Immunabwehr wichtiger Stoff. Klar, dass diese unselige Koalition ihren Tribut im Mund der Examenskandidaten fordert. Diese hatten, so die Düsseldorfer Forscher, häufiger Zahnfleischentzündungen - die Vorstufe zur Parodontitis - als unter Normal-Bedingungen.
Wie man denn nun Zahnfleisch, Zähne und Kieferknochen - auch vor Prüfungen - schützen kann, blieben die Forscher der Uni Düsseldorf leider schuldig. Man darf vermuten: Zähneputzen, am besten mit der Eieruhr. Damit man die geforderten drei Minuten auch durchhält. Wäre doch schade, wenn man mit verkniffenen Lippen vor dem Professor sitzen muss, damit der das dentale Unheil nicht zu sehen bekommt.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH