Willkommen zu unserem heutigen Experten-Chat. Unser Thema heute: E-Learning. Als Experten begrüße ich ganz herzlich Herrn Professor Heckmann von der juristischen Fakultät der Universität Passau. Professor Heckmann, wären Sie so freundlich, sich kurz vorzustellen und ihre Erfahrungen mit dem E-Learning zu beschreiben?
Experte Dirk Heckmann: Auch ich begrüße die Teilnehmer dieses Chats sehr herzlich. Ich freue mich, Ihre Fragen zum Thema E-Learning beantworten zu dürfen. In der Tat ist meine Art von E-Learning fester Bestandteil meiner Lehre an der Uni Passau. Dazu gehören komplette Homepages zu den Vorlesungen, aber auch virtuelle Seminare und permanente Präsenz des Lehrstuhls im virtuellen Raum. Besonders vorteilhaft ist die Entlastung der Lehrstuhlorganisation durch Online-Anmeldung zu Klausuren, durch Ergebnisbekanntgabe per E-Mail oder SMS oder die Newsletter zur Information über studienrelevante Neuigkeiten. Ich bin nun gespannt auf Ihre Fragen.
Sven2: Guten Tag Herr Heckmann. Können Sie auf eine Page im Netz verweisen, die einen Überblick über Online-Studiengänge gibt?
Dirk Heckmann: Einen guten Überblick gibt www.studieren-im-netz.de. Über www.studenten-ins-netz.de erfahren Sie, welche Unis Zugang zu virtuellen Angeboten über ihr jeweiliges Intranet gewähren. Für Bayern ist natürlich die Virtuelle Hochschule Bayern relevant - www.vhb.org.
gast4: Was wird ein virtuelles Studium für den Studenten kosten?
Dirk Heckmann: Bei der Virtuellen Hochschule Bayern praktisch gar nichts, das heißt, kostenlos bis auf die Online-Verbindungsgebühren. Auch sonst dürften die meisten Angebote staatlicher Einrichtungen kostenlos sein. Zum Beispiel bei uns in Passau - wenn sie dort immatrikuliert sind. Bei privatwirtschaftlichen Anbietern ist das natürlich anders. Da können doch einige tausend Euro zusammen kommen.
Muehle1: Es heißt, dass noch keine geeigneten didaktischen Konzepte vorhanden sind. Welches Konzept halten Sie denn für sinnvoll? Welches wenden Sie im Unterricht an?
Pullwitt: Gibt es Konzepte für das Lernen im Netz, die über das Versenden von Papierpaketen als Studienmaterial oder Kursmaterial im Netz hinausgehen
Jochen1: Bereiten Sie ihre Studenten auf diese "neue" Art des Studierens vor? Wenn ja, wie tun Sie das?
Dirk Heckmann: Ja, es gibt E-Learning-Konzepte, die über bloße Internetpräsenz und "ins-Netz-Stellen" hinausgehen. Schauen Sie nur einmal auf die Teilnehmerliste des diesjährigen mediendidaktischen Hochschulpreises (www.medidaprix.org/teilnehmer_a.htm). Ich selbst favorisiere die Begleitung der Präsenzveranstaltungen durch eine virtuelle Vor- und Nachbereitungsinfrastruktur. Das heißt, kein komplettes Online-Studium, sondern Ergänzung der Präsenzvorlesung und der Printmedien. Dies über eine eigene Vorlesungshomepage - zum Beispiel: www.vorlesung-verwaltungsrecht.de.
Das setzt ganz bestimmte "Module" voraus: Zum einen bestimmte, intelligente Online-Skripte, welche die Vorteile des Internets nutzen. Keine einfache 1:1-Umsetzung herkömmlicher Materialien. Zum anderen Online-Tests, Planspiel, Wissensdatenbanken, Diskussionsforen und Chats sowie Lernmanagementsysteme. Alles untereinander verlinkt. Außerdem ganz groß geschrieben: Das Servicecenter mit Downloadmöglichkeiten, Online-Anmeldung etc. Alles am besten nachzulesen auf www.lim-bo.org.
Meine eigenen StudentInnen führe ich zu Beginn jedes Semesters in Inhalte und Funktionen der unterstützenden Internetseiten ein, indem ich diese Seiten im Hörsaal vorführe und erkläre. Das meiste ist allerdings "selbsterklärend", so dass meine Devise lautet "learning by doing". Im Übrigen gibt es ja vielfältige virtuelle Supportangebote in technischer und fachlicher Hinsicht.
SIR1: Was sind "intelligente Online-Skripte"?
Pullwitt: Könnten Sie die Eigenschaften dieser Skripte genauer beschreiben?
Dirk Heckmann: Es handelt sich um Online-Skripte, die auf verschiedenen Lernebenen dem Vorwissen und den Lernerwartungen der Nutzer Rechnung tragen. Das heißt zum Beispiel, die Unterscheidung von Basisskript und Wiederholungs-, Vertiefungs -und Problemebene. Das ganze soll mit einem Nutzerprofil verbunden werden, wonach die Selbsteinschätzung des Nutzers ergänzt wird durch gezielte Einstiegsfragen. Auf diese Weise kann man bestimmte Ebenen ein- und ausblenden.
Christoph1: Wird das Angebot von ihren Studenten stark genutzt?
Dirk Heckmann: Ja, aber am stärksten durch passive Beobachtung, noch nicht ganz so stark bei der (inter-) aktiven Teilnahme. Wir haben seit Mai 2001 immerhin über 1000 registrierte Nutzer auf www.vorlesung-verwaltungsrecht.de. Trotzdem muss kritisch angemerkt werden: Die Passivität im Hörsaal setzt sich im virtuellen Raum fort. Offensichtlich ein besonderes Problem bei Massenfächern wie Jura, BWL etc.
bieling1: Mit wie vielen Mitarbeitern betreuen Sie Ihre virtuellen Web-Angebote? Auf technischer und inhaltlicher Seite?
Dirk Heckmann: Es sind: Zwei Webadministratoren, drei wissenschaftliche Mitarbeiter für die juristischen Inhalte ("Content-Manager") sowie ein halbes Dutzend studentischer Hilfskräfte - und außerdem der Lehrstuhlinhaber selbst, nicht selten auch um Mitternacht ;-)
David: Welche Technologien verwenden Sie, um Ihre Inhalte zu veröffentlichen? Benutzen Sie ein proprietäres System wie zum Beispiel Lotus LearningSpace?
Dirk Heckmann: Nein, wir benutzen Eigenentwicklungen, an unsere Bedürfnisse angepasst, basierend auf php3 in Verbindung mit einer MySQL-Datenbank. Geplant ist die Aufbereitung der Inhalte, insbesondere der Online-Skripte in XML. Für die Foren und Chats greifen wir auf erprobte Software zurück, die von unseren Technikern teilweise übersetzt oder umgeschrieben wird.
mck1: Sie betreiben Ihre Online-Veranstaltungen mit sehr viel Manpower. Wie wird die finanziert? Mit normalen Mitteln für wissenschaftliche Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte kommt man doch nicht aus?
Dirk Heckmann: Der Anschub muss aus eigener Kraft erfolgen und mit eigenen (Lehrstuhl-) Mitteln. Dann aber bestehen vielfältige Möglichkeiten der Drittmittelförderung - zum Beispiel Bundesmittel, private Drittmittelgeber (z.B. juristische Fachverlage) oder eben auch die Virtuelle Hochschule Bayern, die die Erstellung virtueller Lehrveranstaltungen nach Bewilligung entsprechender Projektanträge fördert.
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