ThemaStudium und InternetRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Chat-Bericht Was bringt E-Learning?

3. Teil: Weiter zum dritten Teil: Bessere Studienerfolge dank E-Learning?

Muehle1: Wie kontrollieren Sie den Erfolg des E-Lernens?

Thomas1: Ist es den Studenten auch möglich, Sie und ihre Arbeit zu evaluieren?

  Online-Professor:  Dirk Heckmann

Online-Professor: Dirk Heckmann

Dirk Heckmann: Natürlich! Dazu dient unsere "permanente Evaluation" im Forum Lob und Kritik auf www.vorlesung-verwaltungsrecht.de mit zeitnaher Umsetzung der Anregungen und der Kritik - mehr darüber auf: www.lim-bo.org.

bieling1: Was bedeutet "permanente" Evaluation? Und - sind die Ergebnisse signifikant besser als früher? Offline?

Muehle1: Wie evaluieren sie?

Dirk Heckmann: Permanente Evaluation bedeutet, das im Forum ein thread nur für Lob und Kritik eröffnet wurde, in dem Studierende anonym Ihre Anregungen oder feedback geben können. Also nicht nur einmal am Ende des Semesters, sondern eben durchgehend. Wenn Sie mit Ergebnissen meine "Noten" meinen: Ja, die sind besser, soweit dies noch möglich war ;-) Damit müsste auch die Frage von Muehle1 beantwortet sein.

mck1: Ich glaube, es war mit der Frage auch der Lernerfolg bei den Studierenden gemeint. Ist die eigentlich die Abbrecherquote in Ihren Online-Lehrveranstaltungen auch wesentlich höher als bei Präsenzveranstaltungen?

Dirk Heckmann: Insoweit stütze ich mich auf die Ergebnisse der Abschlussklausur meiner online unterstützten VwGO-Vorlesung. Die sind in der Tat besser ausgefallen als im Vorjahr ohne virtuelle Unterstützung. Was die Abbrecherquote betrifft: Die ist bei meinem Konzept gar nicht messbar, weil kein "Teilnahmezwang" besteht.

mck1: Wie hoch war die Drop-Out-Rate bei Ihrem Seminar zum Internetrecht?

Dirk Heckmann: Leicht zu beantworten: Null Prozent. Alle blieben mit Begeisterung dabei.

Katrin1: Ich studiere Jura in Bochum und die Seminare sind immer sehr schnell belegt. Können Ihre Studenten auch online Scheine erwerben?

Dirk Heckmann: Ja, Scheine im virtuellen Seminar sind vom JPA München anerkannt. Vielleicht gibt es demnächst auch uni-/länderübergreifende Angebote, so dass Sie aus Bochum an einem Passauer Online-Seminar teilnehmen könnten.

Pullwitt: Nehmen Sie auch Prüfungen über das Netz ab? Und wenn ja, wie?

Dirk Heckmann: Derzeit noch nicht, das würde vom Justizprüfungsamt auch nicht anerkannt. Möglich ist aber ein Scheinerwerb im virtuellen Seminar.

Susi1231: Für das Bearbeiten der Online-Tests: Gibt es dafür einen speziellen Internetzugang von den Uni's - der dabei noch eine sichere Verbindung bietet?

Dirk Heckmann: Unsere Online-Tests haben nur Übungscharakter. Dennoch brauchen wir keine "sichere" Verbindung, weil wir die personenbezogenen Nutzerdaten nicht mittracken. Für Online-Prüfungen bräuchte man aber auf jeden Fall sichere Verbindungen, wie sie dfn@home [siehe www.studenten-ins-netz.de] anbietet.

MBAStudent1: Erleichtert E-Learning ebenfalls die Möglichkeit zur externen Promotion? Wie denken die Professoren darüber?

Dirk Heckmann: Wie andere denken, weiß ich nicht. Ich baue derzeit ein internetunterstütztes Intranet auf, eine Art virtuelles Doktorandenseminar. Hier haben auch meine externen Doktoranden die Möglichkeit, Exzerpte hochzuladen, im Forum mit den anderen Promovenden zu diskutieren u.a.m.

Thomas1: Glauben Sie, dass Sie ältere, traditioneller orientierte Kollegen von Ihrem Konzept überzeugen können? Ist das die Zukunft?

Dirk Heckmann: Warum nicht? Bei uns im Fachrat Rechtswissenschaft an der Virtuellen Hochschule Bayern sind auch "ältere" Kollegen beteiligt. Es ist aber zuzugeben, dass nicht wenige das E-Learning skeptisch sehen. Trotzdem: Ich denke, das ist die Zukunft, aber nur wenn es qualitativ hochwertig angeboten wird, wenn die Angebote also einen echten "Mehrwert" und Nachhaltigkeit garantieren.

werner1: Welche Unterschiede sehen Sie bei der Eignung der einzelnen Fächer?

Dirk Heckmann: Unterschiede gibt es wohl eher bei der Akzeptanz als bei der Eignung. In den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern gibt es mehr Angebote, eine deshalb mutmaßlich höhere Akzeptanz und außerdem sehr sinnige E-Learning-Module - zum Beispiel Simulationen. Anders bei den Geisteswissenschaften, wo sicher auch unterschieden werden muss: Jedenfalls bei Jura sind die Angebote noch sehr spärlich. Freilich eignen sich auch die textbasierten Fächer hervorragend. Weniger kann man sich ein virtuelles Studium bei Musik oder Sport vorstellen (von bestimmten einzelnen Modulen abgesehen).

Seidel: Sollten die Ergebnisse dieser langen Arbeit dann nicht unter den Dozenten geteilt werden? Wissensmanagement!

Dirk Heckmann: Grundsätzlich gibt es sinnvolle Kooperationsformen. Ich selbst baue solche derzeit mit Fachkollegen auf. Die Kooperation sollte aber "do, ut des" sein, oder neudeutsch: eine win/win-Situation entstehen.

hr121: Kann Ihrer Meinung nach E-Learning gerade im Bereich Jura mehr sein als nur ein spielerischer Einstieg für die Anfangssemester?

Dirk Heckmann: Auf jeden Fall! Gerade in Konkurrenz zu den kommerziellen Repetitorien können unsere Angebote einer gezielten Examensvorbereitung dienen. Gerade wenn es zum Ende des Studiums hin immer komplexer wird, eignet sich die Unterstützung durch E-Learning-Angebote, den Durchblick zu bewahren.

Muehle1: Es wird immer behauptet, dass Frauen am Rechner benachteiligt werden. Konnten sie so etwas schon feststellen?

Dirk Heckmann: Ich wüsste nicht. Die Gegenfrage ist aber: "Wodurch" benachteiligt?

Muehle1: Glauben Sie, dass das E-Learning den Dozenten verdrängt, so wie die CD die Schallplatte?

Dirk Heckmann: Nein. Dies kann man nämlich nicht vergleichen. Die CD ist praktisch wie eine Schallplatte, nur besser. Bei E-Learning ist das nach meinem mediendidaktischen Verständnis anders. E-Learning tritt nicht an die Stelle der Präsenzlehre, sondern ergänzt diese - besonders in Massenfächern. Verdrängt werden allenfalls antiquierte Rituale wie das handschriftliche Ausfüllen von Anmeldekärtchen für die Übungsklausuren, dem wohl kaum jemand nachweint. Der VIDO (virtueller Dozent) tritt neben den Prof im Hörsaal, nicht an dessen Stelle: Alles Andere wäre auch sehr traurig. Ich säge ja nicht an dem Ast, auf dem ich sitze.

Moderator mm: Liebe Chatter/rinnen - mit dieser Antwort von Herrn Professor Heckmann beenden wir unseren heutigen Experten-Chat. Wir danken für das Interesse und ganz besonders Herrn Professor Heckmann für seine ausführlichen Antworten.

Dirk Heckmann: Vielen Dank auch von meiner Seite. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Weitere Rückfragen beantworte ich gerne in den Foren meiner Internetseiten, auf denen Sie sich auch als Externe registrieren lassen können: www.vorlesung-verwaltungsrecht.de und . Vielen Dank und auf "Wiedersehen".

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
alles aus der Rubrik Studium
alles zum Thema Studium und Internet

© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...






TOP



TOP