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04.12.2001
 

Bildung

Schlechte Schüler wegen schlecht gebildeter Lehrer?

Von Carsten Heckmann

Es mehren sich Stimmen, die für das ernüchternd schlechte Abschneiden der deutschen Schüler bei der "Pisa"-Studie eine mangelhafte Ausbildung der Lehrer verantwortlich machen. An der Uni komme die Didaktik zu kurz, im Berufsleben die Weiterbildung. Lehrer wehren sich jedoch gegen Schuldzuweisungen.

Lehrer in Deutschland: Zu schlecht aus-, zu wenig weitergebildet?
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DPA

Lehrer in Deutschland: Zu schlecht aus-, zu wenig weitergebildet?

Die Schonzeit ist vorbei: Wenn Deutschland beim weltweit größten Schülertest "Pisa" (Programme for International Student Assessment) wie soeben geschehen unter 32 Staaten nur auf dem 25. Platz landet, dann kann auch etwas mit den Lehrern nicht stimmen. Das legen zumindest die Reaktionen diverser Politiker und Wissenschaftler nahe. Ihre Kritik richtet sich gegen die Aus- und Fortbildung der Unterrichtenden.

Die Pädagogenbildung laufe "unsystematisch" ab, sagte Rainer Lehmann, Bildungsforscher an der Berliner Humboldt-Universität. Gegenüber UniSPIEGEL ONLINE fand Lehmann auch noch deutlichere Worte: "Grundlagen werden vernachlässigt, der Anschluss zur Forschung wird verpasst."

Man könne nicht davon ausgehen, dass ein Lehrer heute "die Grundlagen der pädagogischen Psychologie" beherrsche. "Motivation, Lernen, Gedächtnis, Schulangst sind dabei zentrale Themen", so Lehmann. Nur fänden sie sich selten auf dem Stundenplan der Lehramtsstudenten wieder. Didaktik? Fehlanzeige.

Im Studium "Kernbereiche belegen"

Bildungsforscher Rainer Lehmann: "Grundlagen vernachlässigt"

Bildungsforscher Rainer Lehmann: "Grundlagen vernachlässigt"

"Die Studenten können größtenteils belegen, was sie wollen", klagte der Berliner Wissenschaftler, der selbst Mitglied des nationalen "Pisa-2003-Konsortiums" ist, das die Nachfolgeuntersuchung zur soeben vorgestellten Studie vorbereitet. Man müsse den angehenden Lehrern einfach "abverlangen, dass sie Kernbereiche der Erziehungswissenschaften belegen müssen".

Im Studium unabdingbar sei zudem die Beschäftigung mit der Unterrichtsforschung. "Die Technik des Lesens wird von vielen Lehrern nicht verstanden", wetterte Lehmann. Völlig verwundert ist er darüber offenbar nicht. Denn: "Der deutsche Lehrer ist in der Regel nicht in der Lage, eine empirische Abhandlung zu lesen."

In die gleiche Richtung, wenn auch in der Wortwahl behutsamer, haben sich bereits mehrere Politikerinnen geäußert. Die Qualität des Unterrichts müsse stärker geprüft und ausgewertet werden, sagte zum Beispiel Niedersachsens Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper (SPD). Auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Schulministerin Annette Schavan (CDU), forderte eine verbesserte Lehrerbildung.

Warnung vor "einseitigen Schuldzuweisungen"

Beide Ministerinnen unterstrichen außerdem, wie wichtig Fortbildung für Lehrer sei. Auch die hält Bildungsforscher Rainer Lehmann übrigens für genauso "unsystematisch" wie die vorherige Ausbildung der Pädagogen. "Da wird wenig geboten in den Defizit-Bereichen", sagte er. Zudem erreiche die Weiterbildung "zu einem hohen Teil diejenigen, die es weniger nötig haben als andere".

Der Deutsche Philologenverband hat währenddessen vor "einseitigen Schuldzuweisungen" an die Lehrer gewarnt. Die abnehmende "Analyse- und Verstehensfähigkeit" vieler Schüler sei auch Folge der extremen Konsumorientierung in der deutschen Gesellschaft, hieß es in einer Erklärung der Gymnasiallehrerorganisation.

Wenn 15-Jährige durchschnittlich 3,5 Stunden pro Tag für Computerspiele, Videos und Fernsehen aufwendeten, aber nur rund eine Stunde für Hausaufgaben, seien die Probleme absehbar. In Ländern, die bei "Pisa" gut abgeschnitten hätten, sei dagegen noch das Bewusstsein lebendig, "dass Bildungsanstrengungen auch mit Konsumverzicht" zu tun hätten.

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