Von Armin Himmelrath
Ursula Boos-Nünning: Grassiert die Fusionitis?
"Ich bin nicht gewählt worden, um zurückzutreten" - mit dieser einfachen Formel begründete die Essener Rektorin Ursula Boos-Nünning, warum sie nach der deutlichen Klatsche im Senat keinerlei Anlass zur Reaktion sah. Zwar hatten 11 von 19 Senatsmitgliedern die Rektorin zum Rücktritt aufgefordert und ihr explizit das Misstrauen ausgesprochen. Doch zur Abwahl wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 13 Stimmen notwendig gewesen. "Mit ihrer nicht vorhandenen Reaktion hat die Rektorin gezeigt, dass sie kein Interesse an demokratischen Prozessen innerhalb der Hochschule hat", schimpfte ein studentisches Senatsmitglied.
Hintergrund ist die vom NRW-Wissenschaftsministerium gewünschte Elefantenhochzeit der Universitäten Duisburg und Essen. Unter massivem Druck der Landesregierung hatten der Duisburger Rektor Ingo Wolff und seine Essener Kollegin Ursula Boos-Nünning Ende November ein Kompromisspapier ausgehandelt, das vom Duisburger Senat akzeptiert wurde. Der Essener Senat hatte sich dagegen schon Anfang Dezember geweigert, der "Zwangsfusion" zuzustimmen. Weil Boos-Nünning nach Auffassung der meisten Senatoren trotzdem weiter die Fusion betrieb, folgte jetzt der Misstrauensantrag.
Fusion notfalls gegen den Willen der Unis
"Wir haben als Senatsmitglieder die Verhandlungsergebnisse immer erst aus den Medien erfahren", kritisiert Marcel Luthe, als Student für die Liberale Hochschulgruppe im Senat, die Informationspolitik des Rektorats. Die Studierenden seien nicht grundsätzlich gegen eine Fusion, "wir wehren uns aber dagegen, hier als Stimmvieh missbraucht zu werden". Deshalb müsse in der Öffentlichkeit deutlich werden, "dass das, was momentan als Meinung der Hochschule von der Rektorin vorgetragen wird, nicht Meinung des Senats und damit auch nicht Meinung der Hochschule ist".
Verabschiedet wurde anschließend mit breiter Mehrheit eine Resolution, die erneut eine ergebnisoffene Diskussion über eine Fusion mit Duisburg fordert und stärker auf eine Einigung der betroffenen Fachbereiche als der Rektorate setzt. Ob das Ministerium dem allerdings zustimmen wird, scheint zweifelhaft. Denn aus dem Umfeld von Wissenschaftsministerin Gabriele Behler (SPD) war bereits zu hören, dass das Ministerium bald nach dem Jahreswechsel das Gesetzgebungsverfahren starten will - notfalls auch gegen den Willen der beiden Unis.
Die Essener Rektorin bleibt also erst einmal im Amt - zumindest bis zum nächsten Misstrauensvotum. "13 Stimmen werden sich finden, wenn sich an der Informationspolitik des Rektorats nicht grundlegend etwas ändert", prophezeit Marcel Luthe. Nach seinen Erfahrungen sei Ursula Boos-Nünning allerdings beratungsresistent: "Ich gehe nicht davon aus, dass sie die politische Klugheit besitzen wird, um mal über ihre Fehler nachzudenken."
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