Welche Lehren muss die Bildungspolitik aus Erfurt ziehen?
Bulmahn: In erster Linie brauchen wir eine neue Schulkultur. Es muss eine engere Kooperation zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, gegebenenfalls auch der Jugendhilfe geben.
SPIEGEL: Wer soll dafür den Anstoß geben?
Bulmahn: Ich schlage eine "Task-Force Gewaltfreie Schule" vor, in der Ministerpräsidenten und Experten mit der Bundesregierung die wichtigsten Fragen schnell klären und bundesweite Mindeststandards festschreiben. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass wie in Thüringen ein Schüler nach zwölf Jahren Schule nicht mal einen Hauptschulabschluss hat.
SPIEGEL: Muss der Bildungsauftrag neu formuliert werden?
Bulmahn: Die Lehrerausbildung benötigt einen viel stärkeren Akzent, wie man mit solchen Konfliktfällen umgeht. Wir brauchen für die Pädagogen im Bereich Konfliktbewältigung und Gewaltprävention eine bessere Weiterbildung.
SPIEGEL: Wer soll das bezahlen?
Bulmahn: Trotz sinkender Schülerzahlen dürfen die Länder die Mittel nicht kürzen. Bildung ist nun mal das wichtigste Gut, das wir in Deutschland haben.
SPIEGEL: Müssen wir über Leistung in der Schule generell neu nachdenken?
Bulmahn: Ja. Leistung wird zu oft über Druck erzeugt. Wir brauchen ein lernfreundlicheres Klima, in dem Jugendliche von sich aus Leistung erbringen. Sie müssen darin gestärkt werden, sich gegenseitig zu unterstützen. Schwierige Fälle wird es immer geben. Heute werden sie oft von uns allen zu früh aufgegeben.
SPIEGEL: Ist der Föderalismus im Bildungsbereich noch zeitgemäß?
Bulmahn: Wenn man den Föderalismus bewahren will, muss im Bildungsbereich jetzt entschieden gehandelt werden. Wir brauchen eine grundlegende Bildungsreform. Vorschläge gibt es genug, aber die Umsetzung erfolgt zu langsam.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
| alles zum Thema Amoklauf von Erfurt | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH