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11.05.2002
 

Bildungsministerin Bulmahn

"Wir brauchen eine neue Schulkultur"

Nach der Tragödie von Erfurt hat Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) eine "Task-Force Gewaltfreie Schule" vorgeschlagen. Im Interview plädiert sie für ein lernfreundlicheres Klima und für eine bessere Weiterbildung bei Pädagogen.

Ministerin Bulmahn: "Leistung wird zu oft über Druck erzeugt"
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AP

Ministerin Bulmahn: "Leistung wird zu oft über Druck erzeugt"

SPIEGEL:

Welche Lehren muss die Bildungspolitik aus Erfurt ziehen?

Bulmahn: In erster Linie brauchen wir eine neue Schulkultur. Es muss eine engere Kooperation zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, gegebenenfalls auch der Jugendhilfe geben.

SPIEGEL: Wer soll dafür den Anstoß geben?

Bulmahn: Ich schlage eine "Task-Force Gewaltfreie Schule" vor, in der Ministerpräsidenten und Experten mit der Bundesregierung die wichtigsten Fragen schnell klären und bundesweite Mindeststandards festschreiben. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass ­ wie in Thüringen ­ ein Schüler nach zwölf Jahren Schule nicht mal einen Hauptschulabschluss hat.

SPIEGEL: Muss der Bildungsauftrag neu formuliert werden?

Bulmahn: Die Lehrerausbildung benötigt einen viel stärkeren Akzent, wie man mit solchen Konfliktfällen umgeht. Wir brauchen für die Pädagogen im Bereich Konfliktbewältigung und Gewaltprävention eine bessere Weiterbildung.

SPIEGEL: Wer soll das bezahlen?

Bulmahn: Trotz sinkender Schülerzahlen dürfen die Länder die Mittel nicht kürzen. Bildung ist nun mal das wichtigste Gut, das wir in Deutschland haben.

SPIEGEL: Müssen wir über Leistung in der Schule generell neu nachdenken?

Bulmahn: Ja. Leistung wird zu oft über Druck erzeugt. Wir brauchen ein lernfreundlicheres Klima, in dem Jugendliche von sich aus Leistung erbringen. Sie müssen darin gestärkt werden, sich gegenseitig zu unterstützen. Schwierige Fälle wird es immer geben. Heute werden sie oft von uns allen zu früh aufgegeben.

SPIEGEL: Ist der Föderalismus im Bildungsbereich noch zeitgemäß?

Bulmahn: Wenn man den Föderalismus bewahren will, muss im Bildungsbereich jetzt entschieden gehandelt werden. Wir brauchen eine grundlegende Bildungsreform. Vorschläge gibt es genug, aber die Umsetzung erfolgt zu langsam.


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