Von Armin Himmelrath
Abgewählte Rektorin Boos-Nünning: Nach nur zwei Jahren geschasst
Es gibt sicherere Arbeitsplätze, als derzeit eine Hochschule im Ruhrpott zu leiten. Erst feuerte vorige Woche die Privatuniversität Witten/Herdecke ihren Präsidenten Walther Zimmerli, jetzt ist auch die Rektorin der Universität Essen ihr Amt los: In einem konstruktiven Misstrauensvotum sprach sich der Senat am Dienstagnachmittag mit 15 zu 3 Stimmen gegen Ursula Boos-Nünning aus, die erst vor zwei Jahren Rektorin geworden war.
Zum Eklat kam es, weil Boos-Nünning nach Auffassung des Senats bei den Fusionsverhandlungen zu nachgiebig agierte. Zum 1. Januar 2003, so will es NRW-Wissenschaftsministerin Gabriele Behler, soll eine neue, gemeinsame Hochschule in Essen und Duisburg an den Start gehen - doch beide Universitäten reagierten wenig begeistert auf den Fusionsplan.
Ursula Boos-Nünning hatte sich allerdings ins wohl Unvermeidliche gefügt und mit dem Duisburger Rektor sowie dem Wissenschaftsministerium lange über die Modalitäten der Elefantenhochzeit verhandelt - zum Teil gegen den erklärten Willen des Essener Senats. Der hatte die Rektorin schon im Dezember mehrheitlich zum Rücktritt aufgefordert; es fehlte aber noch an einer Zwei-Drittel-Mehrheit.
Nach der Palastrevolte erklärten jetzt auch drei Prorektoren ihre Rücktritte. Zum neuen Rektor wurde Karl-Heinz Jöckel gewählt. Der 48-jährige Professor für Medizinische Informatik war bisher Prorektor für Qualitätsmanagement.
Außerdem lehnte der Senat den kürzlich vorgelegten Gesetzentwurf des Landes zur Fusion ab. Vor allem zwei Punkte erzürnen die Essener Uni-Vertreter: Das Land will nicht die Übernahme der von den Unis errechneten Fusionskosten von 25 Millionen Euro garantieren. Und der Gründungsrektor der vereinigten Uni soll in Düsseldorf ernannt werden - ein krasser Eingriff ins akademische Selbstbestimmungsrecht, schimpfte ein Essener Professor.
In einer ersten Reaktion bedauerte Gabriele Behler die Entwicklung in Essen. Allerdings, so die Ministerin, gebe es keine Alternative zu einer Fusion mit Duisburg. Ein Behler-Vertrauter wurde deutlicher: "Uns ist völlig egal, wie die Senate abstimmen. Die Fusion kommt auf jeden Fall, notfalls erzwingen wir das." Auch in Duisburg wird sich der Senat am Freitag mit der Fusion beschäftigen - und sie voraussichtlich ebenfalls ablehnen.
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