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27.10.2002
 

Meldemuffel

Kopfprämie als Köder

Hier ein einmaliges "Begrüßungsgeld" für Ummeldungswillige, dort eine Prämie in jedem Semester - mit Kopfprämien für Studenten wollen Universitätsstädte ihre leeren Kassen auffüllen und zahlen bis zu 150 Euro.

Kopfgeldjäger: Pro Student 700 Euro Gewinn
DPA

Kopfgeldjäger: Pro Student 700 Euro Gewinn

Viele Städte halten verlockende Angebote für ihre Studenten bereit. "Der Stadt Ilmenau ist jeder neue Einwohner herzlich willkommen. Besonders begrüßt wird jeder neue Bürger, der sich mit seiner Studienstadt uneingeschränkt identifiziert und seinen Hauptwohnsitz in Ilmenau nimmt", heißt es bei der Stadtverwaltung Ilmenau. Alle Studenten, die ihren Hauptwohnsitz in die thüringische Stadt verlegen, bekommen einen "Semesterzuschuss" von 40 Euro pro Semester.

Auch in Oldenburg erklingt eine frohe Botschaft: Trotz Sparmaßnahmen will die Stadt 2003 erstmals Studenten mit 150 Euro begrüßen. Bedingung ist auch hier, dass die Erstsemester ihren Hauptwohnsitz in der niedersächsischen Stadt gemeldet haben. Die Investition macht sich nach Angaben der Stadt "mehr als bezahlt", denn mit dem Einwohner-Plus erhöhen sich die Zuwendungen aus dem Finanzausgleich.

Die Kommunen machen trotz Prämien Gewinn

In Chemnitz gemeldete Studenten bekommen für das Sommersemester 2002 und das laufende Wintersemester jeweils 30 Euro. Selbstverständlich haben die Stadtoberen kein Geld zu verschenken. Aber über so genannte Schlüsselzuweisungen vom Freistaat Sachsen, die jede Kommune abhängig von ihrer Einwohnerzahl erhält, nimmt die Stadt jedes Jahr Geld ein.

Einfache Logik: mehr Chemnitzer Einwohner, mehr Zuweisungen vom Land. Die Prämie kostet die Stadt jährlich 60 Euro pro Student, sie bekommt aber im Schnitt 760 Euro für jeden Einwohner. Das Plus verbleibt im Haushalt der Kommune.

Kein Wunder also, dass viele Städte ihren Studenten Zuckerbrot reichen - auch wenn die Ummeldung, wie im Gesetz vorgeschrieben, innerhalb einer Woche erfolgen muss. Doch die meisten Studenten behalten ihren Erstwohnsitz lieber bei den Eltern. Hamburg indes versucht es lieber mit der Peitsche: Wer nicht in der Hansestadt oder in der Umgebung gemeldet ist, soll künftig Studiengebühren zahlen.

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