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05.11.2002
 

Die etwas andere Wohnungsnot

Obdachlose Studenten, leere Wohntürme

Von Benedikt Tüshaus

Während überall in Deutschland Studenten verzweifelt Wohnungen suchen, sind in Dieburg ganze Wohnheime ausgestorben. 1000 Darmstädter Studenten könnten direkt auf dem Campus einziehen - wenn der bisherige Besitzer oder das Land die Türme sanieren würden.

Leere Wohnheime: Sanierung zu teuer?
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Benedikt Tüshaus

Leere Wohnheime: Sanierung zu teuer?

Von der Lage mitten im Grünen spricht man hier kaum: auf dem Campus im hessischen Dieburg, wo das Fächerangebot von Jahr zu Jahr bunter wird. Bei Studiengängen wie Media System Design und Internetrecht schwingt die Zukunft schon im Namen mit. Nur die Wohnheime wollen nicht so recht in die modern erstrahlende Campus-Landschaft passen: Einen schlecht geschossenen Steilpass von den vorbildlich ausgestatteten Hörsälen entfernt sieht man nur triste Fassaden, zugezogene Gardinen - und nirgendwo ein Studentengesicht.

Sanierungsbedürftig, marode, veraltet: Rund 1000 Studentenbuden in den drei größten von insgesamt neun Wohnheimen stehen auf dem Ableger-Campus Dieburg der FH Darmstadt leer oder werden schon bald geräumt. Und das, obwohl in der gesamten Hochschulregion im Wintersemester mindestens ebenso viele Unterkünfte gebraucht würden.

Die Wohnheime gehören der Telekom, die zuletzt Nachrichtentechniker in einer eigenen Hochschule ausbildete. Im März 2000 übernahm das Land Hessen den Campus, jedoch ohne alle Wohnanlagen. Nun lehrt die FH Darmstadt im nur zehn Autominuten entfernten Dieburg, unter anderem BWL und Informatik.

Verkehrte Welt: Das Dieburger Kontrastprogramm

Immerhin konnte das Darmstädter Studentenwerk unlängst das kleinere, aber intakte "Haus Fünf" auf dem Campus anmieten - "mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein", meint Winfried Seidel vom Dezernat für Studentische Angelegenheiten der TU Darmstadt.

Dieburger Wohnturm: Außen hui, innen pfui
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Benedikt Tüshaus

Dieburger Wohnturm: Außen hui, innen pfui

Derzeit ist der Ansturm auf den Wohnungsmarkt in vielen deutschen Uni-Städten enorm. Diesmal zu stark für Darmstadt, das mit Wohnheimen nur mäßig ausgestattet ist: Im bundesweiten Durchschnitt könnten über zwölf Prozent aller Studenten mit einem Platz rechnen, in Darmstadt nur neun Prozent, so Seidel.

Auf ihre Nöte machten Studenten längst mit Protestaktionen aufmerksam, auch gegen die Situation auf dem Dieburger Campus. Lange habe man mit der Telekom verhandelt, sagt Birgit Maske-Demand vom hessischen Wissenschaftsministerium. Doch eine "Sanierung der Wohnheime wäre zu teuer und würde den Rahmen des Machbaren sprengen." Dabei geht es um bauliche Mängel der Blockbauten aus den siebziger Jahren - vor allem um den Brandschutz, der nicht mehr gewährleistet ist.

Die Telekom sucht weiter einen Käufer für die drei nun fast leeren Häuser, die sie nach eigenen Angaben "seit längerer Zeit" nicht mehr grundlegend saniert hat. Lediglich für "Instandsetzungsmaßnahmen bei Störfällen" habe es gereicht, so ein Telekom-Sprecher.

Überall Baumängel - wo brennt's denn?

1900 Studenten pilgern schon jetzt täglich in die Dieburger Hörsäle. Die noch jungen Disziplinen Media Production, Online-Journalismus und Internetrecht wachsen noch weiter und sorgen für frischen Wind in den Lehrgebäuden. Nur in den großen Wohntürmen bleibt es stickig und leblos.

Ursprünglich sollte den Dieburger Studenten das Studieren und Wohnen auf einem Gelände ermöglicht werden. "Wir sind schon am Erhalt der Campus-Idee interessiert", erklärt FH-Sprecherin Sigrid Dreiseitel.

Doch selbst wenn ein Investor für die maroden Bauten gefunden würde, wäre weiter offen, was dann mit den dringend benötigten Zimmern passiert. "Wir vermuten, dass es bei der Telekom für die Studentenwohnheime noch andere Verwertungspläne gibt", so Sigrid Dreiseitel.

Was bleibt, ist der Ansturm der Studenten und die in der ganzen Hochschulregion angespannte Wohnsituation. Der Studienbetrieb begann in Darmstadt und Dieburg immerhin planmäßig - wenn man von der Begrüßung der Erstsemester der in der Dieburger Aula absieht. Das Gebäude wurde drei Tage vor der feierlichen Semester-Eröffnung geschlossen. Grund: mangelhafter Brandschutz.

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