Von Jochen Leffers
Der Mann hat ein Mantra: Studiengebühren sind gut, richtig, wichtig - und das predigt er bei jeder Gelegenheit. Der Mann hat eine Mission: Er will die deutschen Hochschulen "modern und international wieder wettbewerbsfähig" machen. Der Mann hat eine Institution: ein kleines, aber agiles Zentrum, so einflussreich, dass manche es gar als "heimliches Bildungsministerium" sehen. Und der Mann fahndet ständig nach Verbündeten - in der Bildungspolitik, in der Wirtschaft, unter den Rektoren und Professoren. Oder auch unter den Studenten, sofern sie nicht rechtzeitig flüchten.
Der Mann heißt Detlef Müller-Böling und leitet das Centrum für Hochschulentwicklung, eine gemeinsame Einrichtung der Bertelsmann-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz. Seit 1995 bastelt das CHE emsig an der Zukunft der Hochschulen und wurde, ganz ohne politisches Mandat, zu einer der Schaltzentralen in der Bildungspolitik.
Eine Lobby für die Einführung von Studiengebühren aufzubauen ist eines der CHE-Hauptziele. Mit der TU München zum Beispiel bastelt die Denkfabrik seit Monaten an einem gemeinsamen Gebührenmodell. Der Plan, Studenten stärker in das CHE einzubinden, war indes bislang nur mäßig erfolgreich. Zu groß scheint das Misstrauen der Studenten gegenüber allen Inkasso-Ideen - schließlich sind sie es, denen es ans Portemonnaie gehen soll.
Im Juli allerdings machten sich erstmals rund 50 Studenten an der TU Dresden offen für die Einführung von Studiengebühren stark. Gemeinsam verfassten sie einen offenen Brief und boten eine Gegenleistung für ihre akademische Ausbildung an: "Es bringt nichts, immer nur dagegen zu sein", so Jens Bemme von der Initiative. "Wir wollen auch etwas bieten. Dafür fordern wir, dass die Hochschulpolitiker endlich das tun, was wir von ihnen erwarten." 100 Euro boten die Studenten als möglichen Kostenbeitrag pro Semester an.
Wer zahlt, bestimmt die Musik
Zunächst sollten die freiwilligen Beiträge vor allem ein provokatives Druckmittel sein. Inzwischen haben die studentischen Gebührenfans ihre Position weiterentwickelt - mit Hilfe des CHE. Anfang September luden die Gütersloher Strippenzieher interessierte Studenten zum Workshop "Hochschulfinanzierung - das Modell X" in Bommerholz in Witten ein. Ein kleiner Kreis von neun Studenten schrieb ein Konzept, das es in sich hat.
Die Grundidee: Studenten beteiligen sich an den Kosten des Studiums. Dafür dürfen sie aber an der Hochschule auch mitbestimmen. Das "studentische Vereinsmodell zur Einführung von Studienbeiträgen" sieht vor, dass der Verein die Gebühren sowohl bei der Einschreibung und Rückmeldung eintreibt als auch wieder ausschüttet - und zwar gezielt zur Verbesserung der Lehre.
Bei einer Universität mit 30.000 Studenten käme bei 100 Euro pro Semester immerhin eine Summe von 6 Millionen Euro jährlich zusammen, rechnet die Gruppe vor. Und jeder Studierende habe "die Gewissheit, dass der Hauptanteil seines Beitrags auch bei ihm ankommt". 90 Prozent der Mittel sollen zweckgebunden an die Fakultäten gehen, die über die Verwendung und ihre Erfolge dabei jährlich Rechenschaft ablegen müssen.
Der Verein soll aus allen Studenten bestehen und einen fünfköpfigen Vorstand haben. Entscheidungen über die Verwendung der Einnahmen trifft dem Modell zufolge allerdings eine Kommission an der Spitze. Darin haben fünf Studenten eine knappe Mehrheit gegenüber vier "externen Beratern". Diese Berater können zum Beispiel aus der Politik oder Wirtschaft kommen; als Kriterien sieht der Verein auch juristische Kompetenz oder Bekanntheit und öffentliches Ansehen.
Die Studentengruppe, powered by CHE, hält dieses Modell für weit klüger als eine bloße Abstrafung vermeintlicher Bummelanten, wie Baden-Württemberg es bereits praktiziert und Nordrhein-Westfalen es kopieren will. Dass die Gebührenfreunde sich in Witten trafen, ist kein Zufall: In Witten/Herdecke logiert eine private Universität mit guten Kontakten zur Bertelsmann-Stiftung und zum CHE. Als die Hochschule vor einigen Jahren finanziell in schweres Fahrwasser geriet, entwickelten die Studenten nach anfänglichem Murren ein eigenes Gebührenmodell - und die Parallelen zu den "Bommerholzer Thesen" sind deutlich erkennbar.
Auch die Gegner sammeln sich
Beteiligt am Treffen in Witten waren neben Jens Bemme aus Dresden unter anderem zwei Mitglieder der Studierendengesellschaft an der Privatuniversität, außerdem ein RCDS-Vertreter aus Osnabrück sowie zwei Studenten, die schon länger beim CHE mitarbeiten.
Jens Bemme geht von der Annahme aus, dass je zehn Prozent der Studenten klar gegen oder klar für Studiengebühren seien - und dass die übrigen 80 Prozent sich durch "sinnvolle Anreize und konkrete, absehbare persönliche Vorteile" überzeugen ließen. Bemme und seine Mitstreiter wollen darüber jetzt eine breite Diskussion führen, zunächst an der TU Dresden mit dem Senat, dem Rektorat und auch unter den Studenten. Der Dresdner Studierendenrat (StuRa) hat die Papiere erst am Donnerstagabend erhalten. Die Mitglieder wollen sich jetzt damit beschäftigen und in einer Woche erneut tagen.
Andere Studentenvertreter segeln bereits auf Kollisionskurs. In einer gemeinsamen Stellungnahme lehnten der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) und das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) das Konzept rundweg ab: Das CHE verfalle abermals "dem Irrtum, der Kunde sei König und Studiengebühren seien ein Beitrag zu einer qualitativen Studienstrukturreform".
Beide Organisationen halten vor allem die Mitbestimmungsmöglichkeiten für zu gering, aber ihnen passt schon die ganze Linie nicht, "Mitglieder der Hochschule zu Kunden zu degradieren", so fzs-Sprecher Tjark Sauer. Und ABS Geschäftsführer Klemens Himpele ergänzte: "Dass Studiengebühren nun über einen Verein abgeführt werden sollen, lässt sie dennoch Studiengebühren bleiben. Diese Pläne sind wie alle Studiengebührenpläne der Vergangenheit für den Papierkorb."
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Kunst ist wie Literatur ein Mittel die Realität wiederzuspiegeln, zu kritisieren und es an die Öffentlichkeit zu bringen. Es ist wichtig sie zu fördern, weil die Aussagen von großen bekannten Künstlern nun mal mehr Einfluss [...] mehr...
Theoretisch ist es ja auch bezahlbar. Mit BAfög, Studienkredit und Nebenjob oder halt reichen Eltern. Die Frage ist, ob das dem Staat reicht und ob das dann richtig ist. Richtig, die Einschränkungen sind dumm, aber wenn [...] mehr...
Studieren - soll ja inzwischen die häufigste Ausbildungsform sein - muss bezahlbar sein bzw. wieder werden. Es ist doch dumm, den Zugang zum Studium auf diese Weise einzuschränken bzw. zu erschweren. Das passt auch nicht zu dem [...] mehr...
Gut, dass vor einem halben Jahrtausend nicht nur an den Profit eines Studiums gedacht wurde. Die ganzen Mathematiker mir ihren mathematischen Beweisen, die beweisen, was keiner wissen will und auch keiner versteht. Damit gewann [...] mehr...
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